Thema: Geschichtliche Themen

Archäologische Funde „An der Burg“ in St.Vith

Mauerreste, die bei den Sondierungsgrabungen im Juni 2020 zu Tage traten.

Im Vorfeld zum Bau eines Appartementhauses im St.Vither Ortsteil „An der Burg“ wurden im Juni 2020 archäologische Sondierungsgrabungen durchgeführt. Dabei wurden schon am ersten Tag Mauerreste entdeckt, die vom leitenden Archäologen, Dr. Wolfgang Messerschmidt, als Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung gedeutet wurden. Im Detail tauchten Überreste einer alten Mauer sowie eines Turms auf, die z.T. „älter als der Büchelturm“ sein soll. Die in den drei Grabungstagen (15.-17.6.2020) freigelegten Mauerreste lassen vermuten, dass weitere Funde zwischen den bisher freigelegten Mauerteilen und der Kirche zu erwarten sind. Daher hat die Regierung der DG im Juli 2020 beschlossen, umfangreichere Grabungen an dieser Stelle durchführen zu lassen und somit etwas mehr Licht ins bisher recht unbekannte mittelalterliche St.Vith zu bringen.

Eine Bürgerinitiative bemüht sich um den Erhalt der Funde.

 

Was weiß man bisher von der St.Vither Stadtbefestigung?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir etwas weiter in die Geschichte St.Viths zurückgehen.

Um 1130 wird St.Vith erstmals urkundlich erwähnt. Das Schriftstück, ein Einkünfteverzeichnis des Abtes Wibald der Abtei Stavelot-Malmedy, listet einige Kirchen auf, die Abgaben ans Kloster zu leisten haben. Neben Asselborn, Huldingen und Thommen wird auch eine Kirche de sancto vito erwähnt. Ferner wird angegeben, dass die Abtei bereits in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts Einküfte aus sancto vito und nova villa (Neundorf) bezogen habe.
Zu diesem Zeitpunkt hatte St.Vith noch keine Stadtrechte und war Teil des Königshofes Neundorf, der schon aus dem 9. Jahrhundert bekannt ist.

Eine zweite urkundliche Erwähnung St.Viths aus dem Jahr 1151 zeigt den Ort schon als recht beeutende Ansiedlung mit einer Kirche, einer Zollstätte und einem Markt. Der limburgische Herzog Heinrich II. als Herr des St.Vither Landes verlieh der Abtei Orval mit diesem Schriftstück Zollfreiheit für den gesamten Verkehr durch seine Länder. St.Vith dürfte zu dem Zeitpunkt also schon eine überregionale Bedeutung als Markt- und Pilgerort erlangt gehabt haben, denn Reliquien den hl. Vitus gelangten vermutlich über Abt Wibald nach St.Vith.

Der Besitz der Limburger Herzöge im St.Vither Land wechselte im 13. Jahrhundert durch Heirat an das Haus Luxemburg. Der Limburger Herzog Walram der Alte heiratete 1214 in zweiter Ehe die luxemburgische Gräfin Ermesinde.  Walrams Sohn aus erster Ehe, Walram I.,  heiratete 1225 die Tochter Ermesindes, Elisabeth von Bar.  Nach Ermesindes Tod (1247) erhielt Elisabeths Halbbruder Heinrich der Blonde von Luxemburg die erblichen Zollrechte in St.Vith.
Der Einfluss der Luxemburger im St.Vither Land wuchs weiter, denn 1265 erwarb Heinrich der Blonde Anteile des Hofes Neundorf, die bislang Ritter Kuno von Schönberg gehört hatten.  Die Nachfolger des Kuno von Schönberg besaßen noch andere Anteile im St.Vither Land und Heinrich der Blonde wird es nicht versäumt haben, auch diese zur Vergrößerung seines Besitzes zu erwerben, denn aus einer Urkunde des Jahres 1271 erfahren wir erstmals, dass St.Vith als luxemburgisches Lehen verkauft wird, und zwar an Walram den Roten aus dem Hause Valkenburg-Montjoie. In dieser Zeit (1260-70) dürfte St.Vith Stadtrechte erlangt haben; die Urkunde hierüber ist leider verschollen.

Der bekannte Geschichtsschreiber des St.Vither Landes, Dr. Anton Hecking, gibt in seiner „Geschichte der Stadt und ehemaligen Herrschaft St.Vith“ (1875) an, dass Graf Heinrich St.Vith um 1260 zu einer „Vertheidigungs-Stadt“ ausgebaut und mit festungsartigen Mauern umgeben habe und dass sein Sohn Heinrich III. dieses Werk fortgesetzt habe.
Leider gibt Hecking keine Quellen für diese Behauptungen an. Auch für Heckings Beschreibung dieser Festungsbauten fehlen die Quellen : Eine kreisförmige stark 8 Fuß dicke Ring-Mauer umfasste ganz St.Vith in solcher Ausdehnung, dass die Grundfläche innerhalb der Ring-Mauer ca. 29 Morgen betrug. In dieser Ring-Mauer standen in gewisser Entfernung von einander, um St.Vith herum sieben über die Ring-Mauer hervorragende runde Vertheidigungsthürme, deren Mauer auch die Dicke von 8 Fuß hatte. Außer den gleichzeitig errichteten Wällen war das Ganze, außerhalb der Ring-Mauer, noch mit einem breiten Wassergraben umgeben. ... In der Ring-Mauer waren zwei Thore, ein südliches und ein nördliches, da, wo jetzt noch die zwei Haupteingänge der Stadt sind. … Die sieben Thürme der Ring-Mauer dienten nicht allein zur Vertheidigung der Stadt, sondern der Raum des Erdgeschosses eines jeden auch als Gefängnis für die Verbrecher.

Laut einem Schriftstück aus dem Jahre 1350 befahl der aus dem Hause Luxemburg stammende König Karl IV. seinem Verwalter, den in St.Vith amtierenden Lehnsmann Johann von Valkenburg am Fortbau der Burg und der Befestigung des Marktes zu hindern. Johann von Valkenburg hat den Marktflecken dann doch befestigt und sogar St.Vither Münzen (moneta sancti viti) prägen lassen.
Es mag durchaus sein, dass die Festungsanlage Johanns auf Vorgängerbauten ruhten, die rund 100 Jahre vorher angelegt worden waren. Doch zeigt der Einspruch König Karls IV., dass sein Untertan dabei war, die Stadt gegen seinen Willen zu befestigen. Während Karl IV. als römisch-deutscher König im fernen Prag residierte, wird sich sein Lehnsmann Johann um den Schutz der Einnahmen des Marktfleckens St.Vith gesorgt haben und diese, den Möglichkeiten der Zeit entsprechend, „eingemauert“ haben. Dabei schlug er wohl zwei Fliegen mit einer Klappe, denn zugleich verwandelte er die Stadt zu einer militär-strategisch günstig gelegenen Festung am Nordrand der Grafschaft Luxemburg. Johann von Valkenburg gilt demnach als Erbauer des St.Vither Festungswerks.

Die Nachfolger Johanns, d.h. die Grafen von Vianden bzw. von Nassau, haben den Status St.Viths als zentralen Ort der Herrschaft (heute würde man von „Großgemeinde“ sprechen) und des Hochgerichts beibehalten. Im 17. Jahrhundert bestand die Herrschaft St.Vith aus 7 Höfen mit den jeweils dazugehörenden Dörfern: Bütgenbach, Büllingen, Amel, Recht, Neundorf, Pronsfeld und Weiswampach.
Die Viandener bzw. nassauischen Amtsleute (Rentmeister, Schultheißen, usw.) residierten in der „Burg“, einem befestigten Haus unterhalb der Kirche, das Teil der Stadtmauer war. In diesem „festen Haus“ lagerten auch Waffen, Nahrungsvorräte, Zehntabgaben und Archive. Hecking berichtet von einem Fund eines Kanonenrohrs auf dem Gelände „An der Burg“: Wir verdanken diese uns noch erhaltene Kanone dem Herrn Joseph Buschmann, einem während seines Lebens eifrigen Verehrer der vaterländischen Alterthümer. Er fand dieselbe bei Wegräumung des Schuttes in dem von ihm dahier angekauften Burg-Beringe. Um 1810, so Hecking weiter, habe man bei Abtragung eines Turmrestes noch weitere Kanonen gefunden.
Das Burg-Haus hatte also nicht nur Bedeutung für die Stadt selbst, sondern darüber hinaus auch für das weitere Umland.

Die Festung hat manchen Angriffen und manchen Feuersbrünsten standgehalten, die die Stadt im Laufe der Jahrhunderte erleben musste. Dem Einsatz von Schwarzpulver, das ab dem 14. -15. Jahrundert vermehrt zum Einsatz kam, waren derartige Festungsbauten jedoch auf Dauer nicht gewachsen.
Im Zuge der Reunionskriege hatte der französische König Ludwig XIV. das Herzogtum Luxemburg 1684 in seinen Besitz gebracht. Die anfänglich friedliche Zeit wurde nach wenigen Jahren durch kriegerische Auseinandersetzungen zwischen deutschen und französischen Truppen abgelöst. Damit die Festungen an der Landesgrenze nicht in feindliche Hände fallen sollten, betrieb der franzöische König eine „Politk der verbrannten Erde“.  So erschienen denn im März 1689 französische Soldaten, die die Statdtore, die Türme und das Burgschloss mit Pulver sprengten. Im September des gleichen Jahres wurde die Stadt von den Franzosen zudem noch in Brand gesteckt.
Nach dieser Katastrophe wird es etliche Jahre gedauert haben, bis wieder ein geschäftiges Treiben hier stattfinden konnte. Die Stadtmauer lag in Trümmern, Wälle und Wassergräben wurden eingeebnet und die Bewohner werden sich zum Bau ihrer Häuser in diesen Steinhaufen bedient haben. Nur der Büchelturm, der dieses Zerstörungswerk wohl einigermaßen überstanden hatte, wurde wieder errichtet und kündet heute als einziges Bauwerk von der einst stolzen Festung, hinter dessen Mauern die Bewohner ihren Alltagsgeschäften und ihren religiösen Pflichten jahrhundertlang nachgegangen waren.

 

Überreste der Stadtmauer auf alten Karten und in anderen Publikationen

Auch viele Jahrzehnte nach der Zerstörung war die Erinnerung an die alte Festung nicht verschwunden. Der markante Straßenkranz, der bis heute den Verlauf der Stadtmauer andeutet, findet sich in den ersten Kartenwerken des 18. und des 19. Jahrhunderts (Ferraris (1775-78), Tranchot – von Müffling (um 1820)). Ortsbezeichnungen wie „Hinterscheid“, „Ascheid“ oder „Burg“ oder turmartige Gebäude tauchen in den ersten preußischen Katatserkarten (1828-1 und 1828-2) oder auch in neueren Stadtplänen (z.B. 1939) auf.
Obschon Hecking, wie o.e., von der Beseitigung von Turmresten um 1810 berichtet, scheinen diese Arbeiten nicht sonderlich gründlich verlaufen zu sein, denn auf einer Parzellarkarte der preußischen Eisenbahnverwaltung (1886) ist im Bereich der „Burg“ ein turmartiges Gebäude eingezeichnet, das damals zumindest noch als Restturm erhalten geblieben sein muss.

In den „Kunstdenkmäler von Eupen-Malmedy“, aus der Feder von H. Reiners und H. Neu (1935, S. 467), findet sich eine Beschreibung des Areals an der Burg: „Auf dem Grundstück ‚An der Burg‘  ist von einem andern Turm ein halbes Untergeschoss erhalten mit Kuppelgewölbe und anschließendem Mauerrest. ... Die Burg war in die Stadtbefestigung einbezogen … und lag im Nordosten an der Bahnhofstraße, wo der Flurname ‚An der Burg‘ ihren Platz bezeichnet. Sie war Sitz der Beamten der Herrschaft und mit einem Wassergraben umgeben; i. J. 1621 werden ihre Mauern und Türme als gut bezeichnet. Außer den Wohntürmen enthielt sie Scheunen zur Aufnahme der einkommenden Naturalabgaben. … Hecking sah noch das Gefängnis im Erdgeschoss. … Heute sind nur mehr schwache Fundamente von zwei Rundtürmen aus Bruchstein und Reste von zwei rechtwinklig verbundenen Mauerzügen zu erkennen.

Der Bereich der „Burg“ gehörte um 1830 dem St.Vither Gerbereibezitzer Wilhelm Buschmann, der dort ein Wohnhaus errichtet hatte. Um 1865 gelangte das Areal in den Besitz der Familie von Monschaw, die hier 1868 ein Herrenhaus errichten ließen. Um 1925 erwarb die Familie Pip das Anwesen. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges betrieb sie „An der Burg“ einen Baustoffhandel.

In Presseberichten aus jüngerer Zeit wird auch immer wieder von Spuren der alten Befestigungsanlage berichtet.
Am 25.5.1974 schreibt das Grenz-Echo, dass man bei Grabungsarbeiten zur Erweiterung eines Hauses in der Bahnhofstraße das Teilfundament eines Turms der ehemaligen Burg aufgedeckt habe. Bereits 1926 habe man einen Teil dieses Turmfundaments beim Bau des Nachbarhauses in 2,5 m Tiefe vorgefunden. Der Turm hatte einen Durchmesser von 6 m.
Reste der Ringmauer sind indes schon öfter bei Bauarbeiten zu Tage getreten, zuletzt bei der Erneuerung der Hauptstraße im Jahre 1999 (GE, 8.6.1999).

 

Ergebnisse der archäologischen Sondierungsgrabung vom Juni 2020

Im Juli 2020 legte der Grabungsleiter Dr. W. Messerschmidt seinen „Abschlussbericht zur archäologischen Maßnahme St.Vith (SV 20-01)“ vor, der uns seit August 2020 zur Verfügung steht.
Schon in seiner Einleitung betont Dr. Messerschmidt, dass „die für die Bebauung vorgesehene Fläche eine für die Geschichte St.Viths nicht unerhebliche Bedeutung“ habe.  An den drei Grabungstagen konnten Mauerreste freigelegt werden, die als Teil eines Mauerverbandes (5) bzw. als Mauerverblendung (10) und als Teil eines Rundturms (8, 9) identifiziert und ins 12.-13. Jahrhundert datiert wurden. Die Funde werden als „außerordentlich bemerkenswert“ bezeichnet.

Die Mauer (5) konnte auf einer Länge von 10,40 m und in einer Höhe von 0,80 m freigelegt werden; die genaue Breite konnte wegen einer darauf befindlichen Terrassenmauer (7) aus der Nachkriegszeit nicht ermittelt werden. Die Mauer besteht aus Hau- und Bruchsteinen (Grauwacke und vereinzelt Schiefer), die geschichtet im Mörtelbett (hellroter Sandmörtel mit 5% Kalkanteil) aufgemauert sind. Die vorgeblendeten Steine (10) sind auf einer Länge von 3,40 m im gleichen Mörtelbett verlegt und nicht in den Mauerverband integriert.
Ebenfalls in diesen Mauerverband intergriert und diesen auf einer Länge von ca. 5,50 m in südliche Richtung verlassend fanden die Fachleute die Reste eines als Rundturm gedeuteten Bauwerks (9). Diese Mauern bestehen größtenteils aus „aufgemauertem Schiefer in einem rosafarbenen Sandmörtelbett mit 5% Kalkzuschlag“. Die Mauer bildet einen „annähernd halkreisförmigen Verlauf“, der sich unter dem modernen Schutt fortsetzt. Sein südlicher Scheitelpunkt (8) konnte im weiteren Verlauf der Mauer (5) gefunden werden. Die Turmreste zeigen einen inneren Durchmesser von 5,90 m.

In seiner Schlussfolgerung betont Dr. Messerschmidt den „eindeutig fortifikatorischen Charakter“ der Anlage. Die getätigten Funde stimmen mit den im Urhandriss von 1828 eingezeichneten Turmresten überein. Somit dürften auch die 1935 bei Reiners-Neu beschriebenen Baureste mit den Funden identisch sein. Messerschmidt bezweifelt allerdings, ob die Funde als Teil der um 1350 errichteten Stadtmauer gelten können. Der Büchelturm mit einem inneren Durchmesser von 3,90 m ist kleiner als der hier vorgefundene Turm mit einem inneren Durchmesser von 5,90 m. Daher sei von einer unterschiedlichen Bauzeit der beiden Bauwerke auszugehen.  Die hier ausgegrabenen Turmmauern deutet er als Überreste eines Donjons einer burgähnlichen Festungsanlage, die „zweifellos älter als die Stadtmauer ist“.

Sollte sich diese Annahme nach den folgenden Grabungen bestätigen, muss die St.Vither Geschichte um bisher Unbekanntes ergänzt werden. Da die hier vorgefundenen Mauerreste aus einer Zeit (12.-13. Jh.) stammen, aus der  die ersten urkundlichen Nachrichten zur Geschichte St.Viths vorliegen, werden die weiteren Grabungsergebnisse mit Spannung erwartet. Die bisherigen Funde haben auf Grund dieser Erkenntnis allein schon einen solchen Wert, dass sie der Nachwelt unbedingt erhalten werden müssen.       K.D. Klauser

 

 

 

 

 

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Geschrieben am 12.08.2020

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Fragebogen zur Kräuterweihe an Mariä Himmelfahrt

Zur Erstellung eines Beitrages für unsere Monatszeitschrift bittet die Autorin, Frau Michaela Schumacher-Fank, um Ihre Mithilfe. Thema des Beitrags ist der Brauch der Kräuerweihe zu Mariä Himmelfahrt am 15. August in der belgischen Eifel. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie sich einige Minuten Zeit nehmen würden, um den folgenden Fragebogen zu beantworten.  Vielen Dank für Ihre Mithilfe. Den Fragebogen können Sie hier öffnen.

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Geschrieben am 05.06.2012

Die Verwüstungen der Normannen in Eifel und Ardennen (881-892)

“Sie plünderten, mordeten und brannten Alles nieder”.

Vortrag von Hubert Jenniges
vor der Jahreshauptversammlung des Geschichts- und Museumsvereins “Zwischen Venn und Schneifel”,
am 24. März 2012, im Hotel Drosson, Wirtzfeld.

Werte Geschichtsfreunde,

Heute führt uns der Weg in eine ferne Vergangenheit. Wir blicken rund 1130 Jahre zurück; wir erleben das Ende des 9. Jahrhunderts, als das Siedlungsgefüge unseres Gebietes bereits in groβen Linien feststand, d.h. die bedeutendsten Orte in unserem Raum bestanden bereits. Die intensive Urbarmachung und Rodung des Landes sowie die darauf folgenden Dorfgründungen hatten in der Karolingerzeit einen ersten Höhepunkt erreicht. Der Ausbau des Siedlungslandes ging jetzt in eine weitere Phase: Landgüter und Höfe waren an siedlungsfreundlichen, verkehrsgünstigen und ertragreichen Stellen entstanden. Einige waren groβzügig angelegte Anwesen, die dem König gehörten. Sie umfassten daher auch einen Trakt, der den umherziehenden Herrschern jederzeit als Residenz dienen konnte – das war mit Sicherheit in Thommen und Manderfeld der Fall, später auch in Büllingen, wo Königsaufenthalte bezeugt werden  – desgleichen in zahlreichen Landgütern des Prümer Landes und des Öslings. Daneben gab es agrarische Selbstversorgungsbetriebe, deren Gründung von den Klöstern Stablo-Malmedy und Prüm ausgegangen war. (mehr …)

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Geschrieben am 25.04.2012

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Die Goldsuche in der Eifel – „Am Golde hängt, nach Golde drängt doch alles“

Die Goldsuche in der Eifel
„Am Golde hängt, nach Golde drängt doch alles“

von Kurt Fagnoul – Monatszeitschrift „Zwischen Venn und Schneifel“ 2/1965, Seite 13

Nur träge schleppt sich die Amel in der Nähe des Quellgebietes durch die Krümmungen und von den Wiesenbächen gestärkt, strömt sie mit immer stärkerem Schwall talabwärts. Jedem Naturfreund unseres Heimatlandes wird das Ameltal ein wohlbekanntes Erholungs- und Ausflugsziel sein. Typische Eifeldörfer mit ihren alten Bauernhöfen, mit den von den Anhöhen wie Burgen hervorragenden Kirchtürmen, gestatten dem Besucher einen weiten Ausblick über die saftigen Weidekoppeln, welche von Laub- und Fichtenwäldern umgeben sind.

Wie viele Jahre schon mag sich unsere Heimat so dem Auge preisgegeben haben? Ja, wie lange schon spült die Amel in ihrem alten Flußbett die Ufer aus? Wie viele Geschlechter sind dem Amellaufe schon gefolgt und haben die Amel auf ihre Schätze untersucht? Großer Verdienst in dieser Hinsicht gebührt dem ehemaligen Kreisschulinspektor Dr. Esser, der ein vielseitiges Wissen hatte. (mehr …)

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Geschrieben am 23.01.2012

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Burg und Herrschaft Reuland

Burg und Herrschaft Reuland

Der Name des Ortes Reuland leitet sich vom Rittergeschlecht ab, das urkundlich ab dem 12. Jahrhundert bekannt ist. Das Geschlecht der Herren von Reuland erscheint erstmals urkundlich i.J. 1128 mit Johann, der Abt von Stavelot-Malmedy war. Dieses Rittergeschlecht starb 1313 mit Arnold von Reuland aus. Der bekannteste Reuländer Ritter dürfte Dietrich von Reuland gewesen sein, der am Kreuzzug Kaiser Barbarossas teilnahm und 1189 vor Akkon gefallen ist. Sein heldenhafter Kampf gegen die Feinde des Christentums hat ihm den Titel „Löwe von Reuland“ eingebracht. Ab 1264 ist die Burg als luxemburgisches Lehen bekannt und die Herren von Reuland haben in der Zeit gute Beziehungen zu ihrem Landesherrn.

Das Gebiet der Herrschaft Reuland ist wohl im 9. oder 10. Jh. vom fränkisch-karolingischen Königshof Thommen abgekoppelt worden und hat als Verwaltungseinheit im Herzogtum Luxemburg bis zum Ende des Ancien Régime bestanden. Dieses Gebiet war zwar schon in keltischer und römischer Zeit besiedelt, wie wir aus den Altertumsfunden in der näheren Umgebung wissen (z.B. Hügelgräber). Nach dem Abzug der Römer gelangte unser Gebiet als herrenloses Land in den Besitz der fränkischen Könige (Merowinger, später Karolinger). Als solch ein Königsgut wird der Hof Thommen i.J. 814 erstmals erwähnt. Solche Königshöfe, landwirtschaftliche Zentren, erwiesen sich bei den Einfällen der Ungarn und der Normannen als ungeschützte Liegenschaften Daher begann auch in unserem Gebiet der Burgenbau, meist an sicheren Stellen in Flusstälern. Auf dem Felsvorsprung über dem Ulftal entstand der Burganlage im 9. oder 10. Jahrhundert, in dessen Schutz sich dann die Ortschaft entwickelte. Archäologische Grabungen belegen, dass der Burgplatz schon im 10. Jahrhundert besiedelt war. Im 11. und 12. Jahrhundert wird dieser Lebensraum mit Umfassungsmauern und einem Bergfried befestigt worden sein. Das Geschlecht der Herren von Reuland dürfte somit die Wehranlage mit Zugbrücke und Wassergraben erbaut haben. (mehr …)

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Geschrieben am 05.01.2012

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Eine Betrachtung zu den Fernsprechverbindungen in St.Vith aus dem Jahre 1928

Eine Betrachtung zu den Fernsprechverbindungen in St.Vith aus dem Jahre 1928
Von Kurt Fagnoul – Monatszeitschrift „Zwischen Venn und Schneifel“ 6/2000, Seite 118

Nachdem man die kleine Kurbel an dem an der Wand hängenden Telefon lange genug betätigt
hatte, erklang eine weibliche Stimme aus dem Hörer. Es war die Stimme des Fräuleins vom Amt. Sie stellte die Verbindung zum gewünschten Gesprächspartner her. Wenn man im Jahre 1928, also vor 70 Jahren, telefonieren musste, so war dies noch eine Handlung, die einer Attraktion gleichkam. Die Telefonapparate, eine Erfindung Bells aus dem Jahre 1876, waren noch nicht so luxuriös gestaltet wie heute. Man war damals noch nicht wählerisch. (mehr …)

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Geschrieben am 30.12.2011

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Die Eisenbahn im Lande zwischen Venn und Schneifel

Die Geschichte der Eisenbahn zwischen Venn und Schneifel.

Noch zur preußischen Zeit erbaut (1885 – 1890), kannte das neue Verkehrsmittel zunächst einen großen Erfolg -größtenteils bedingt durch den Güterverkehr zwischen dem Aachener Becken und dem luxemburgischen Erzgebiet. Die Zunahme des Verkehrs erforderte eine Verdoppelung des Gleises auf der Hauptstrecke sowie den Ausbau mancher Bahnhöfe. Viele Menschen fanden eine Arbeit bei der Bahn.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde die Strecke Belgien zugesprochen. Noch bis in die 1920er Jahre blieb die Vennbahn auf Erfolgskurs. Da die Strecke jedoch nicht für höhere Geschwindigkeiten ausgelegt war und zudem zollrechtliche Bestimmungen zwischen Belgien und Deutschland den Warenverkehr beeinträchtigten, verlor die Vennbahn mehr und mehr an Bedeutung, so dass die Strecke schon zu Beginn der dreißiger Jahre auf ein Gleis zurückgebaut wurde. Von den Zerstörungen des 2. Weltkrieges sollte sich die Bahn letztlich nicht mehr erholen: schon in den 1950er Jahren wurde der Personenverkehr stetig abgebaut und auf Busse verlagert; die letzten Güterzüge verkehrten noch bis zu Beginn der 1980er Jahre. (mehr …)

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Geschrieben am 25.11.2011

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Herman Baltia

König Albert mit Generalgouverneur Baltia in Malmedy - Quelle: BALTIA H., Le roi Albert, Editions l'Avenir, Brüssel, 1937

ZUR PERSON
Herman Baltia

König Albert I. (Erster von links) mit Generalgouverneur Baltia (Zweiter von links) in Malmedy.
Auf Hermann Baltia geht der historische Name der Pater-Damian-Schule, das »Collège Patronné« zurück, das er kraft seines Amtes hatte einrichten lassen. »Weil er keine Lehrer für eine laizistische Sekundarschule fand, gelang es ihm, einen absolut kirchenfeindlichen Unterrichtsminister zu überzeugen, die Schule durch den Bischof patronieren zu lassen, erklärt Els Herrebout. »Der Unterrichtsminister stimmte zu, denn es galt, das Gebiet – je nach Lesart, Belgien einzuverleiben, oder es in den Staat zu integrieren.«

Deutsche Mutter (mehr …)

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Geschrieben am 24.11.2011

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Die Heimattreue Front

Am 29. Februar, um 20 Uhr referiert der junge Historiker David Mennicken in einem etwa einstündigen Vortrag zum Thema seiner Endarbeit: die Heimattreue Front. Der Autor wird versuchen, ein wenn möglich vollständiges Porträt dieser politischen Gruppierung zu erstellen und zu ergründen, inwiefern die HF eine nationalsozialistische Organisation war. Diese Organisation, die gleichzeitig eine politische Partei war, war aus der „Christlichen Volkspartei“ (CVP) hervorgegangen und führte den Kampf für die Rückkehr der sogenannten „Ostkantone“ (Eupen-Malmedy) zu Deutschland fort, nachdem diese 1920 durch Belgien annektiert worden waren.

Zunächst beschäftigt sich der Redner sich mit dem historischen Kontext, der die Existenz dieser Organisation erst möglich machte. Im zweiten Teil wird auf das Hauptthema, nämlich die HF, eingegangen. Hier werden vor allem die verschiedenen Bestandteile der HF (Unter- und Nebenorganisationen), ihre Struktur, ihre Ziele, ihre ideologischen Grundlagen und die besonders wichtige Rolle des Dritten Reichs beleuchtet. Außerdem wird auf alle Wahlen (Wahlkämpfe, Wahlergebnisse, usw.), an denen die HF als Partei teilgenommen hat, eingegangen und ebenfalls gezeigt, welche Mittel eingesetzt wurden, um sie zu bekämpfen. Im dritten und letzten Teil wird beschrieben, was aus der HF und ihren Mitgliedern nach dem deutschen Einmarsch und der Rückgliederung Eupen-Malmedys ans Deutsche Reich wurde.

Den Zuhörern wird somit eine umfassende Darstellung einer von Deutschland aus geführten und durch den Nationalsozialismus beeinflussten Organisation geboten, die zwischen 1936 und 1940 einer der wichtigsten Akteure im politischen und öffentlichen Leben unseres Landstriches war.
Der Vortrag, zu dem ein Eintritt von 2 Euro erhoben wird, findet statt am 29. Februar, ab 20 Uhr, im Saal „Wisonbrona“, Wiesenbach/St.Vith. Im Anschluss an den Vortrag steht der Redner zum Austausch mit dem Publikum zur Verfügung.

 

 

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Geschrieben am 05.11.2011

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Wanderung von Weywertz nach Champagne und Gueuzaine

Von drei Weibern, einer Dorflinde, der Abteigrenze und kleinen Enklave

Die Ortschaft Weywertz erscheint urkundlich erstmals im Jahre 1461, als ein Johann von den Raven (= Rue bei Weismes) vom Nassauer Grafen mit zwei Höfen in „Wiuertz“ belehnt wird.Foto K-D Klauser Dass die Gegend um Weywertz auch schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war, deutet  der bekannte Altertumsforscher unserer Gegend, Kreisschulinspektor Dr. Quirin Esser, 1882 an, denn auf dem Weywertzer Burghügel (siehe Karte) hat er Spuren einer Befestigungsanlage entdeckt. Der Ortsname könnte laut Volksmund andeuten, dass die Siedlung auf eine „Weibergründung“ (Wiewer), vielleicht gar auf eine Nonnengründung also, zurückgehen könnte. Bislang haben sich dafür allerdings noch keine urkundlichen Beweise finden lassen, wenngleich Bernhard Willems, der bekannte Geschichtsforscher des Landes ZVS, dieses „Dreiweiberhaus“, wie er es bezeichnet, in der Nähe des ehemaligen Bahngeländes ausmacht, denn dort habe „das älteste Haus von ganz Weywertz gestanden“. Es sei das Haus zu den drei Jungfrauen oder drei Weibern gewesen. Einer alten Überlieferung nach habe die Ortschaft Weywertz seinen Namen von diesen Weibern (Weibertz, Weywertz).  Dieses Dreiweiberhaus habe an dem uralten Weg von Stavelot-Malmedy nach Deutschland gelegen, dem bekannten Lederweg, (Voie des Tahots). (mehr …)

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Geschrieben am 01.10.2011

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