ZVS-Rundwanderung durch Ouren

Abgelegt in Allgemein, Geschichtliche Themen

Geschrieben am 24.09.2011

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Von einem Kreuzweg, einem mutigen Ritter, „Knöddele“ und Europäern

Die Geschichte des Dorfes Ouren ist eng verknüpft mit der Geschichte der Burg, die auf einem Plateau mitten im Ort lag. Heute sieht man noch, wie sich die Häuser um den Burgberg schmiegten, die einst Teil der Freiheit Ouren waren. Das Geschlecht der Herren von Ouren trat schon im 11. Jahrhundert mit Rycardis de Hunrin ins Licht der Geschichte. Aus einer Urkunde vom Ende des 12. Jahrhunderts erfahren wir, dass die Burg Ouren zur Hälfte dem Sponheimer Grafen Heinrich gehörte, der Ouren als Lehen vom Trierer Erzbischof erhielt. 1363 starb das Haus Ouren im Mannesstamme aus und die Burg ging an das Haus Malberg (bei Kyllburg). Auch im 15. und 16. Jahrhundert blieb Ouren im Besitz der Malbergs. Im Jahre 1517 vermählte sich Katharina von Malberg mit Philipp von Giltingen. Seit der Zeit teilten sich die Herren von Giltingen den Ourener Besitz mit den Herren von Malberg. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war Martin von Giltingen mit Margaretha von Tavigny vermählt. Deren Wappensteine finden sich heute noch in der Ourener Kirche. Nach dem Tode der letzten Vertreters der Familie von Ouren um 1730 gelangte der Besitz an die Familie von Dobbelstein. Zu Beginn des 19. Jahrhundert stand das Gebäude noch, war aber unbewohnt. Die Schlosskapelle war damals auch noch gut erhalten und der Altar stand sogar noch im Chor. Zur Herrschaft Ouren gehörten außer Ouren noch Malscheid, Oberhausen, Heinerscheid, Kalborn, Hüpperdingen, ein Teil von Lieler und ein Teil von Ulflingen. Auch Arzfeld und Irrhausen gehörten den Herrn von Ouren.

Die St. Petrus-Kirche, die dem Ortsteil den Namen gab, ist im wesentlichen ein gotischer Bau, doch dürften die Ursprünge des Gebäudes in romanische Zeiten zurückreichen, denn der älteste Teil des Gotteshauses (Turm und Langhaus) stammen aus dem 12. und 13. Jahrhundert und enthalten romanische Stilelemente. Auf den Schlusssteinen findet sich das Relief des hl. Petrus, des Lamm Gottes sowie das Ourener Ankerkreuz. Im Jahre 1741 wurde der baufällige Chor erneuert. Damals wurde dem Turm auch die Eingangshalle vorgelagert, während die Sakristei aus dem Jahre 1912 stammt. Die Kirche mit dem alten Patrozinium entstand wahrscheinlich in der Nähe eines Hofes, den die Abtei Prüm im Mittelalter den Burgherren von Ouren zu Lehen trug. Das Gotteshaus in Peterskirchen war Mutterkirche eines Bezirks, der sich beidseitig der Our erstreckte und den Ort Lützkampen und ursprünglich auch das Dort HarspeIt umfaßte.

Der unter Denkmalschutz stehende Kreuzweg wurde 1896 durch Pfarrer Heinrich Josef Fischer angelegt. Entlang des Schiebachs begegnen wir zwei Mühlen: der verfallenen Loh- und Sägemühle Dairomont, die um 1860 von H.P. Dairomont und seiner Frau Marie-Elisabeth Neumann gegründet wurde. Von seinen Nachkommen wurde der Betrieb ausgebaut, jedoch nach 1945 wegen Unrentabilität stillgelegt. Die zweite Mühle, die Heinskyll-Mühle, ist heute noch in Betrieb und ist bekannt wegen des Buchweizenmehls, das hier hergestellt wird. Auch diese Mühle war ursprünglich eine Lohmühle, die jedoch um 1810 zu einer Fruchtmühle umgebaut wurde. Die Familie Heinskyll ist übrigens auch Gründer der Ourener Mühle (heute Humartus) am anderen Ende des Dorfes.

Um die beiden Felsgruppen am Eingang des Dorfes ranken sich einige Sagen: während man der Nonnenley nachsagt, hier habe eins ein Nonnenkloster gestanden, ist der Rittersprungfelsen der Ort einer Liebeslegende: Ein Ritter habe das Burgfräulein von Ouren aus Liebe entführt. Um seinen Verfolgern zu entkommen habe er sein Pferd (mit der Braut auf dem Rücken) vom Felsen springen lassen und habe so über die Our setzen und entkommen können.

Im Sommer des Jahres 1881 machte der Lehrer Dries von Ouren den Kreisschulinspektor Dr. Quirin Esser darauf aufmerksam, dass „ungefähr 12 Minuten unterhalb des Dorfes Ouren“ im Flurdistrikt „Zermächer“ vor wenigen Jahren Mauersteine zu Tage gefördert worden seien, die von s.Z. infolge der Pest ausgestorbenen Dorfe herrühren sollten. Durch Nachgrabungen im Sommer 1881 sind nicht nur die von den Römern bei ihren Bauten zur Verwendung gelangenden charakteristischen Ziegel zu Tage gefördert worden, sondern es ist auch ein Teil der Umfassungsmauern des Hauses freigelegt worden.

Am Dreiländereck wurde das Europadenkmal am 22.10.1977 eingeweiht. Das Denkmal geht zurück auf den damaligen Präsidenten der Europäischen Vereinigung für Eifel und Ardennen, Georges Wagner aus Luxemburg, nach dem auch die Brücke über die Our benannt ist.

Roger Greisch, Lehrer und Kunstmaler in Ouren, dessen Kunst weit über das Dorf hinaus bekannt wurde, lebte unweit des Burgplatzes bis zu seinem Tod 1999. Greisch, mit vielen Kunstpreisen ausgezeichnet, gilt als Künstler, der erstmals in Ostbelgien abstrakte Kunst schuf.

(K.D. KLAUSER, nach Beiträgen der ZVS-Monatshefte und anderer Quellen)

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