ZVS- Wanderung zwischen Meyerode und Medell

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Geschrieben am 24.09.2011

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Von Kirchenbauten, einer rätselhaften Steinplatte und der Kriegsfurie
Obwohl die Ortschaft Meyerode erst zu Beginn des 14. Jh. (1319) erstmals urkundlich erwähnt wird, dürften seine Ursprünge noch weiter in frühere Jahrhunderte hineinreichen, wenn man die Sagen um die Wüstung Hundheim (zwischen Meyerode und Valender gelegen), die in unmittelbarer Nähe vorbeiführende Römerstraße Reims-Köln oder die im Jahre 1893 auf Eichenhardt gefundenen Tongefäße betrachtet. Aber auch die frühe Erwähnung des Dorfes Amel (670) kann darauf schließen lassen, dass hier im geschützten Nebental des Meyeroder Baches auch Menschen gesiedelt haben, wenn auch nicht ständig.
Entlang der Wasserscheide Maas- Rhein bzw. im Ourtal finden wir in unserer Gegend Rodungssiedlungen, wie z.B. Wallerode, Atzerath, Weckerath, Rocherath und auch Meyerode, die in der Zeit zwischen dem 10. und dem 14. Jh. entstanden sind. Die damaligen Dynasten, z.B. die hier herrschenden Grafen von Vianden, haben diesen Besiedlungsprozess sicherlich gefördert und durch einzelne „Unternehmer“ sogar planmäßig ausführen lassen, wie z.B. die Herren von „Meierout“, die als Schultheissen des Philipp von Wildenburg amtierten. Ein „Tele von Meyenraidt“ wird 1418 mit seiner Frau Katharina genannt. Der Hausname „Burg“ für das Haus Feyen deutet auf ein „festes Haus“ in der Nähe der Kirche hin, womöglich der Wohnsitz derer von „Meierout“.
Nach einer ehemaligen Glockeninschrift mit der Jahreszahl 1401 ist spätestens für die Wende zum 14. Jh. eine Kirche in Meyerode anzunehmen. Aus dieser Zeit dürfte der Turm der heutigen Kirche stammen. In der Amtszeit von Bürgermeister Johann Pauels und Pfarrer Johann Lenfant entstand Anfang der 1950er Jahre der Plan zur Vergrößerung der Kirche. Der unter Denkmalschutz stehende Kirchturm mit der Jahreszahl 1675 blieb vom Abriss verschont. Beim Abbruch der alten Kirche i.J. 1953 wurden bei Ausschachtungsarbeiten die Fundamente einer bedeutend kleineren Kirche freigelegt. In diesen Fundamenten befand sich auch eine rätselhafte Steinplatte mit einem Kreuz, die in der alten Kirche als Bodenplatte diente, also schon vor dem Bau der Kirche von 1400 ausgedient hatte.
Das PAK-Geschütz unterhalb der Schule erinnert an die Schrecken, die das Dorf im Januar 1945 im Zuge des zu Ende gehenden Krieges erleiden musste und es darf wohl als Symbol dessen angesehen werden, was sich nie wiederholen sollte: Krieg und Zerstörung, die – wenn sie auch in materieller Form überwunden sind – in den Herzen oft noch nach Generationen spürbar bleiben.
Medell – übersetzt „im Tal“ (im Dell) – ist wohl in ähnlicher Zeit wie das Nachbardorf Meyerode entstanden, als Siedlungsplätze in der vegetationsreichen Gegend gerodet wurden. Urkundlich wird Medell erstmals 1451 erwähnt. Zu Beginn des 16. Jh. (1525) war Medell eine der größten Ortschaften im Hofe Amel: 10 Feuerstätten gegenüber 6 in Born und nur 4 in Amel. Der 30jährige Krieg (1618-1648), der das ganze Land verheerte, hatte wohl besonders in Meyerode und Medell gewütet, denn die Einwohner weigerten sich als einzige des Hofes Amel i.J. 1659 eine Besitzstandserklärung abzugeben, da sie dermaßen „zum Bettelsack getrieben“ worden seien. Erst mit dem Beginn der österreichischen Epoche (1714 – 1794) kehrte Ruhe ein und die Bevölkerung konnte sich erholen. Zur französischen Zeit wurden unsere Dörfer erstmals in Gemeinden eingeteilt. Meyerode und Medell gehörten zur Mairie Amel. Erst zur preußischen Zeit entstand die Bürgermeisterei Meyerode mit den Ortschaften Medell, Herresbach, Wallerode und Valender. Seit 1922 wurde Valender der neu gegründeten Gemeinde Heppenbach einverleibt.
I.J. 1697 erbauten die Einwohner Medells die Marienkapelle. Zu Beginn des 18. Jh. wurde das Gotteshaus vergrößert. Wie oft diese Kapelle renoviert wurde, ist nicht bekannt. Tatsache ist jedenfalls, dass sie 1932 mit dem Bau der neuen Kirche ausgedient hatte und 1933 abgerissen wurde. Der Bau der heutigen Kirche (1930-1932) wurde nach Plänen des Malmedyer Architekten Cunibert in der Dienstzeit von Pfarrer Berners ausgeführt. Die Kirchenfabrik hatte 5.000 m³ Holz zum Bau der Kirche reserviert, – eine Menge, die zum Bau von 5 Kirchen gereicht hätte – doch durch einen Preisverfall im Zuge der Weltwirtschaftskrise entstanden unvorhersehbare Mehrkosten, die durch Spenden aufgebracht werden mussten. Hochalter, Marienaltar und Predigtstuhl lieferte die Werkstatt Kaufmann aus Luxemburg. Der Herz-Jesu-Alter entstand als Nachbildung des alten Marienaltars durch den Medeller Schreiner Josef Luxen. Der markante, 44 m hohe Zwiebelturm ist Medells Wahrzeichen und war im Krieg Zielscheibe für die Artillerie. Der schrecklichste Tag für Medell war wohl der 5. Januar, als das Dorf mit 20 Bomben belegt wurde, eine Einwohnerin kam dabei zu Tode. Nach dem Krieg diente der Saal Schommers zwei Jahre lang als Notkirche. 1952 wurde die Kirche einer gründlichen Renovierung unterzogen. und die letzte Renovierung liegt erst wenige Monate zurück. Mit der ersten Kapelle wurde auch eine Vikarie erbaut, die ab 1831 als Lehrerwohnung genutzt wurde. 1901 wurde das Gebäude abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Die erste Schule des Dorfes wurde 1861 erbaut; der Schulunterricht wurde bis dahin in einem Hinterzimmer eines Privathauses erteilt.
(K.D. KLAUSER, nach Beiträgen der ZVS-Monatshefte und anderer Quellen)

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