Bracht

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Geschrieben am 01.10.2011

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Von Burgleuten, Schlossherren und schmucken Gotteshäusern

Das Geschlecht der Herren von Reuland erscheint erstmals urkundlich i.J. 1128 mit Johann, der Abt von Stavelot-Malmedy war. Dieses Rittergeschlecht starb 1313 mit Arnold von Reuland aus. Das Gebiet der Herrschaft Reuland ist wohl im 9. oder 10. Jh. vom karolingischen Königshof Thommen abgekoppelt worden. Im 13. Jh. finden wir die Reuländer als Mitherr des Hofes Thommen, denn schon i.J. 1213 erhielt der Edele Kuno von Reuland von Abt Alardus von Malmedy das Patronatsrecht für die Pfarrkirche in Thommen. Der dortige Pfarrer musste den Dienst auch in Reuland versehen. Reuland gehörte pfarrechtlich bis zum Jahre 1803 zu Weweler, die Pfarrer wohnten nachweislich ab 1668 schon in Reuland. Im Jahre 1771 wurde die alte baufällige Muttergotteskapelle in Reuland abgerissen. An ihrer Stelle wurde die jetzige größere Kirche nach Plänen des Rechter Baumeisters Starck errichtet. Die Kirche erfuhr eine weitere Vergrößerung i.J. 1912 durch das Hinzufügen des nördlichen Seitenschiffes, des Querschiffes, des Chores und einer weiteren Sakristei. Das Pfarrhaus geht auf das Jahr 1668 zurück. Pfarrer Math. Breitfeld kaufte dieses Haus, das Sitz des Schultheissen und des Gerichts war. 1713 zog hier erstmals ein Pfarrer ein und 1909 wurde das Haus vergrößert. Das ehem. Burghaus, gegenüber der Kirche, ist ein zweigeschossiger Bau von 7 Achsen und abgewalmten Mansardendach. Im geschweiften Oberlicht der Tür findet sich das Wappen der Erbauer von Orley mit der Jahreszahl 1747.

Archäologische Grabungen belegen, dass der Burgplatz wohl schon im 10. Jahrhundert besiedelt war. Im 11. und 12. Jahrhundert wird dieser Lebensraum mit Umfassungsmauern befestigt worden sein. Ab 1264 ist die Burg als luxemburgisches Lehen bekannt. Bis zum 14. Jahrhundert wird die Anlage, die sich mittlerweile auf einer Fläche von 65 x 55 m ausgedehnt hat, ständig ausgebaut und verbessert. Im Jahre 1313 gelangt die Burg an das Haus Luxemburg. Zum Ende des 14. Jahrhunderts gelangt die Burg in den Lehensbesitz des Herrn Edmund von Engelsdorf. Dieser erhält die luxemburgische Erbkämmererwürde, die die Herren von Reuland bis zur Auflösung des Ancien Régime (1795) innehaben. In dieser Zeit erfährt die Burg wieder einen beträchtlichen Ausbau. Zur Mitte des 14. Jahrhunderts (1444) vererbt Dietrich von Engelsdorf seinem Schwager Werner von Pallant die Anlage mit den dazugehörenden Rechten. Im 16. Jahrhundert, einer Zeit vieler Unruhen, entstehen die Bastione und die Wehrterrassen der Burg, die die Wohngebäude schützen sollen, die im südlichen Teil der Anlage erweitert werden. Als letzte Vertreterin ihres Geschlechts stirbt Ottilia von Pallant im Jahre 1666. Ihr Sohn Ferdinand von Berghes übernimmt die Burg. Er stirbt 1736 ohne Nachkommen und ein Verwalter, Jean George Wolf, übernimmt das Anwesen. Beim Einmarsch der französischen Revolutionstruppen flieht er und die einst stolze Burg verkommt zum Steinbruch. Bis zum Jahre 1900 geht die Zerstörung langsam weiter. In dem Jahr stellt die preußische Verwaltung die Burgruine unter Denkmalschutz. 1923 erwirbt der belgische Staat das Burggelände.

Die im Ort nach Alster aufsteigende Straße mit der rechterseits angereihten Häuserzeile heißt Wenzelbach. Der Name wird abgeleitet von dem kleinen Sturzbach, der nördlich an der Burgruine entlang, zwischen Pfarrhaus und ehem. Knabenschule verläuft und durch eine gangartige Unterführung in den 1850 angelegten Teich der ehemaligen Houscheider Mühle mündet. Hier hatte auch „Haartert“ (Gerhard Messerich, 1836-1906), wohl das bekannteste Original im St.Vither Lande, gelebt.

Im Jahre 1863 wurde berichtet dass sich auf der sog. Mertesheide (Alster), welche der Kirche zu Reuland gehört, sechs Erdhügel erheben, welche 1862 durch Zufall aufgedeckt. wurden. Die Hügel auf Mertesheide wurden im April 1863 auf Initiative der Kgl. Regierung zu Aachen aufgedeckt. Die hier gemachten Funde können als sehr beachtlich eingestuft werden: In einem Hügel fand man einen sehr sorgsam angefertigten Doppelbecher aus heller Bronze und mit einfachen Verzierungen versehen war. Auch fand sich ein Steinsarg aus rotem Sandstein und ein grünliches Glasgefäß. In einem weiteren Grab fand sich ein Schädel mit Wirbelknochen; an dem Schädel klebten noch Haarteile. Dieser Fund steht in Zusammenhang mit dem Reuländer Galgen, der hier gestanden hatte und die sterblichen Überreste waren die eines Gehänkten.
An der Stelle der heutigen, 1907 zu Ehren des Hl. Donatus errichteten Kapelle in Alster stand vormals ein Heiligenhäuschen, das dem Hl. Quirinus geweiht war.

Bracht als Ortschaft wird erstmals in einer Urkunde des Jahres 1277 erwähnt, in der ein Ludwig von Bracht und seine Mutter Tula ein von ihren Vorfahren unrechtmäßig erworbenes Steuerrecht an den rechtmäßigen Besitzer, das Trinitarierkloster zu Vianden, zurückgeben. Die hier erstmals in Erscheinung tretende Familie von Bracht kann als lokales Adelsgeschlecht angesehen werden, das noch im 14., 15. und 16. Jahrhundert urkundlich in Erscheinung tritt.
Wo sich das Burghaus der Herren von Bracht befunden hat, ist nicht bekannt. Eine radiästhetische Ortung eines unterirdischen Ganges südlich des heutigen Schlosses bis zum Haus Steinbach (von-Montigny-Straße 71) und die Feststellung von Gewölbeansätzen im Haus Steinbach hat die Vermutung bestärkt, dass sich das Burghaus entweder am Haus Steinbach oder – noch wahrscheinlicher – am heutigen Schloss befunden hat. Bei den Herren von Bracht dürfte es sich, ihrem Wappen zufolge, um Gefolgsleute des Herrn von Manderscheid gehandelt haben, der als Mitherr des Hofes Thommen Besitzungen in Bracht hatte, das zum Hof Thommen, einer fränkischen Gebietskörperschaft, gehörte, die drei bzw. zwei Herren sich teilten und der Teil der Grafschaft bzw. des späteren Herzogtums Luxemburg war.

Im 18. Jahrhundert wird aus mehreren Quellen der Standort eines „Hofhauses“, des möglichen Nachfolgers des „Burghauses“, in Bracht deutlich:
– aus einer Notarurkunde des Jahres 1750, in dem Georg Friedrich von Montigny, Schlossherr zu Dasburg, den damaligen Bewohnern des „Hofhauses“ kündigt;
– Hintzen (Der Hof von Thommen) erwähnt, dass von Montigny 1759 in Bracht u.a. ein Haus und Herrschaftsgüter besessen habe, dass durch „sein Dienstvolk“ bewohnt werde.
– in der Ferrariskarte (1788), wo dieses „Hofhaus“ an Stelle des heutigen Schlosses eingezeichnet ist

Im Jahre 1695 ließ Pfarrer Mathias Breitfeld von Reuland auf eigene Kosten hier eine Kapelle bauen, die 1704 eingeweiht wurde. Im Jahr 1865 wurde sie durch einen Neubau ersetzt. Über dem Portal an der Südseite befindet sich eine in Schieferstein gehauene Muttergottestatue, die aus der ursprünglichen Kapelle übernommen wurde. Die Kapelle trägt das Patrozinium der Schmerzhaften Muttergottes. Das Schloss wurde zwischen 1782 und 1783 von Georg Friederich August von Ferrand von Montigny erbaut. Die Familie von Montigny, von der heute noch zahlreiche Nachkommen in der Gegend wohnen, stammt aus der Picardie. Der Großvater des Georg Friederich, Jakob Karl von Ferrand de Montigny, ein hannoverscher Generalmajor, hatte die Herrschaft Thommen 1701 erworben. Das Schloss besteht aus einem Herrenhaus und aus Wirtschaftsgebäuden.

(K.D. KLAUSER, nach Beiträgen der ZVS-Monatshefte und anderer Quellen)

Bracht und sein Schloss

1. Bracht in der Geschichte

Wann und wie genau die Ortschaft Bracht entstanden ist, lässt sich natürlich mangels Quellen nicht bestimmen. Die Tatsache, dass sich auf den Höhen um Bracht herum aber Hügelgräber aus keltischer Zeit (500 v.Chr.) befinden, lässt den Schluss zu, dass schon vor 2.500 Jahren Menschen hier gesiedelt haben. Die Talmulde bei Bracht mit ausreichend Wasser dürfte hervorragende Siedlungsbedingungen geboten haben.

Bracht als Ortschaft wird erstmals in einer Urkunde des Jahres 1277 erwähnt, in der ein Ludwig von Bracht und seine Mutter Tula ein von ihren Vorfahren unrechtmäßig erworbenes Steuerrecht an den rechtmäßigen Besitzer, das Trinitarierkloster zu Vianden, zurückgeben.[1]

Die hier erstmals in Erscheinung tretende Familie von Bracht kann als lokales Adelsgeschlecht angesehen werden, das noch im 14., 15. und 16. Jahrhundert urkundlich in Erscheinung tritt.[2] Wo sich das Haus, ein „Burghaus“, dieser Herren von Bracht befunden hat, ist nicht bekannt. Eine radiästhetische Ortung eines unterirdischen Ganges südlich des heutigen Schlosses bis zum Haus Steinbach (von-Montigny-Straße 71) und die Feststellung von Gewölbeansätzen im Haus Steinbach hat die Vermutung bestärkt, dass sich das Burghaus entweder am Haus Steinbach oder – noch wahrscheinlicher – am heutigen Schloss befunden hat.[3] Bei den Herren von Bracht dürfte es sich, ihrem Wappen zufolge, um Gefolgsleute des Herrn von Manderscheid gehandelt haben, der als Mitherr des Hofes Thommen[4] Besitzungen in Bracht hatte, das zum Hof Thommen, einer fränkischen Gebietskörperschaft, gehörte, die drei bzw. zwei Herren sich teilten und der Teil der Grafschaft bzw. des späteren Herzogtums Luxemburg war.

Im 18. Jahrhundert wird aus mehreren Quellen der Standort eines „Hofhauses“, des möglichen Nachfolgers des „Burghauses“, in Bracht deutlich:

– aus einer Notarurkunde des Jahres 1750, in dem Georg Friedrich von Montigny, Schlossherr zu Dasburg, den damaligen Bewohnern des „Hofhauses“ kündigt[5];

– Hintzen[6] erwähnt, dass von Montigny 1759 in Bracht u.a. ein Haus und Herrschaftsgüter besessen habe, dass durch „sein Dienstvolk“ bewohnt werde.

– in der Ferrariskarte (1788), wo dieses „Hofhaus“ an Stelle des heutigen Schlosses eingezeichnet ist.

2. Das Schloss und die Familie von Montigny

Das heutige Schloss und die Familie von Montigny sind eng mit einander verbunden. Wie die Inschriften über den Eingangsportalen erkennen lassen, hat Georg Friedrich von Montigny die Anlage zwischen 1782 und 1785 errichten lassen, entweder als Neubau oder als Ausbau des vorher hier stehenden Hofhauses. Zuvor bewohnte er als Kastellan[7] seines Herrn Wilhelm V. von Oranien, Graf von Vianden, mit seiner Familie die Burg in Dasburg[8]. Er und sein Sohn Carl Friedrich waren indes noch in St.Vith geboren, wo sein Großvater Jakob Carl (1630-1702), ein aus der Picardie stammender Oberst in hannoverischen Diensten, die Tochter des dortigen Stadtkommandanten geheiratet hatte und ansässig geworden war. Jacob Carl hatte dem Herrn von Manderscheid dessen Anteile am Hof von Thommen abgekauft, inklusive des Brachter Hofhauses, dem Sitz der manderscheidischen Gerichtsbarkeit. Ein Galgen als Symbol dieser Gerichtsbarkeit befand sich östlich des Dorfes auf einer Anhöhe.

Der Erbauer des Brachtes Schlosses, Baron Georg Friedrich von Montigny, hat das von ihm erbaute Schloss wohl nur wenige Jahre bewohnt, denn er starb 1790 im Alter von 85 Jahren auf Schloss Bracht; sein Grabstein befindet sich in der Kapelle von Weweler.

Er hatte 1735 seine Kusine Anna Johanna von Baring (1708-1743) geheiratet, mit der er zwei Kinder hatte: den schon genannten Carl Friedrich (1736-1828) und Maria Anna (1742-?).

In zweiter Ehe war er ab 1746 mit Maria Elisabeth de Schawenbourg verheiratet. Mit ihr hatte er vier Kinder ( Jean-Pierre (1753-1851), Marie Elisabeth Ernestine (1748-1795), François und Antoine), die jedoch keinen Bezug zu Bracht hatten.[9]

In Folge des Einmarschs der Franzosen, der Auflösung des Herzogtums Luxemburg und der Eingliederung des Gebiets in die Französische Republik (am 1.10.1795) wurden viele Adlige enteignet, so auch die Besitzer und Bewohner der nassauisch-oranischen Dasburg. Die Familie von Montigny zog also in ihr Privatdomizil nach Bracht, wo sie einen landwirtschaftlichen Betrieb führte, aber zusehends verarmte.

Der Enkel des Erbauers, Franz Ludwig Eugen (1791-1868), von 1841 bis 1853 preußischer Landrat in Malmedy[10] und Bürgermeister von Reuland und Thommen, starb 1868 in Bracht[11]. Zur Tilgung seiner Schulden mussten seine Witwe und sein Sohn Josef Haus und Grundbesitz der Familie versteigern lassen.[12]

Laut Gemeindearchiv[13] wurde es von Johann Kaut (1827-1907) und den Nachkommen von Balthasar Foosch (1759.?), einem Grundbesitzer in Bracht, gekauft. So kam das Anwesen (ohne Ländereien) in den Besitz der Brachter Familie Kaut, die es bis heute bewohnt.[14] Die linke Hälfte wurde der Kirchenfabrik Reuland zur Unterbringung des Vikars verkauft und diente als Wohnsitz des Brachter Rektors. Johann Kaut wollte mit dem Kauf des Schlosses vor allem von seiner idealen Lage profitieren. Die Straße, die westlich am Schloss entlangführte, lag vier Meter höher als der Hof. Er nutzte diese Lage, um eine Scheune ohne Scheunenbrücke, mit direktem Zugang zur Straße, zu bauen und sich direkt über dem Stall befand. So konnte der Hof erweitert werden. [15]

1943 erhielt die Scheune an ihrer linken Seite einen Granateinschlag, so dass das Dach beschädigt wurde und lange unrepariert der Witterung ausgesetzt war. Mit der Auszahlung von Kriegsentschädigungen wurde es repariert, aber nicht mehr bis zur Firsthöhe. Rektor Schmetz half beim Beschaffen der Entschädigung, was dazu führte, dass der Dachstuhl wieder in Eiche ausgeführt wurde.

Um 1970 verkaufte die Pfarre ihren Teil an die Familie Förster-Kaut, die ebenfalls landwirtschaftlich tätig war.

Im November 1974 brannten die Stallungen der Familien Schwall-Förster und Maraite ab (linker, senkrecht zum Schloss stehender Trakt, heute Rasenfläche). Die nicht vom Brand betroffenen Wohnungen wurden renoviert und bestehen noch heute.

An der rechten Seite des Schlosshofs stehen heute zwei Wohnungen. In der dem Schloss am nächsten gelegenen waren die Pferdeställe der Familie von Montigny untergebracht, während das parallel zum Schloss stehende Gebäude auch schon im 19. Jahrhundert eine Wohnung beherbergte.

Seit 1991 ist das Anwesen im Besitz der 4. Generation der Familie Kaut. Erwin Kaut und seine Frau Monique Gennen bewohnen heute den rechten Trakt, während der linke als Ferienwohnung vermietet wird. Die das Schloss noch umgebenden landwirtschaftlichen Gebäude sollen in den kommenden Jahren entfernt werden, so dass das Gebäude wieder etwas von seinem einstigen Glanz zurückerhält.

3. Das Schloss von außen

Das Schloss präsentiert sich heute, wie zur Zeit des Erbauers, als zweigeschossiges Herrenhaus (manoir à deux étages) im klassizistischen Barockstil (classicisme français). Es ist ein verputzter, dreiflügeliger Bruchsteinbau (bâtiment à deux étages en moellons crépis) mit Rahmenwerk aus Rotsandstein (cadres en grès rouge) von sieben Achsen. Die Fassade zur Hofseite, wie die zur Gartenseite, ist symmetrisch angeordnet, mit abgerundeten Stichbogenfenstern und dem Eingangsportal in der gewölbten Mittelachse, mit Freitreppe und Mosaik „1824“ (Jahr der Hofpflasterung) davor.

Die Fensterrahmungen an beiden Seiten sind in Sandstein ausgeführt und zeigen oben gerundete Öffnungen mit Keilstein. Die Eingangsportale sind von Pilastern mit Rocaillemotiven flankiert und von profiliiertem Gesims (corniche) überragt. Angeln und Anschläge zeugen vom Verlust von Verschlägen, die der Komposition der Fassade ihr Gleichgewicht gaben.

Über den Portalen finden sich zwei Chronogramme in Kartuschen, deren Inschriften auf den Erbauer und die Zeit der Erbauung hindeuten:

– Hofseite: sta VIiator ensIbVs  InVICtIs aeDeM hanC strVXere Leones (Halt ein, Wanderer. Die Löwen, durch Schwerter unbesiegt, erbauten dieses Haus.)(VIIVIVICIDMCVX =1785) – Gartenseite: (a praenobILI VIro georgIo De MontIgny castrI praesentIs frons corona eXornatVr (Von dem hochadeligen Herrn Georg von Montigny wird die Front dieses Schlosses mit einer Krone geschmückt.) (ILIVIDMIIIXV = 1782).

Im oberen Dreiecksgiebel der Hofseite ist das Wappen der Familie von Montigny[16] in Sandstein ausgeführt. An der Gartenseite befindet sich an dieser Stelle ein Ochsenauge.

An der Gartenseite springen zwei Gebäudeteile (Risalite) (avant-corps) aus der Fassade hervor.

Das Krüppelwalmdach (toit en croupe) wurde nach den Zerstörungen des letzten Kriegs mit Cherbains bzw. mit Eternit eingedeckt; es hatte ursprünglich kleine Mansardenfenster.

Aus dem Dach ragen zwei Kamine hervor; der linke ist mit einer Abdeckung versehen, die ein schmiedeeiserner Löwe ziert. Dessen Schwanz zeigt die Windrichtung an.

4. Das Schloss von innen

Wir betreten das Gebäude von der Hofseite aus und gelangen über die Freitreppe in den breiten, mit original Schiefersteinen bedeckten Flur, an dessen Ende die ursprüngliche Eichentreppe zur 1. Etage führt. Die Eichentüren und die Rahmung, die vom Flur in die einzelnen Zimmer führen, sind noch original, ebenso die Takenplatte mit Familienwappen und Jahreszahl 1780.

Im ersten Raum (rechter Flur) ist die Kaminöffnung noch zu sehen. Ein Teil der Kaminumrandung ist noch original (Sandstein) erhalten, wie die dunkeln Stellen oben andeuten. Gegenüber der Feuerstelle befand sich die Backstube; die heutigen Zwischenwände wurden später eingezogen. Im weiteren Verlauf des Flurs gelangt man links um die Ecke zu einem ehemaligen Versteck, das heute nicht mehr erkennbar ist.

Rechts des Flures gelangt man zu drei Zimmern: ein Zimmer (Raum 1), wo nur die hohe Decke an den einstigen Stil erinnert, in ein kleines Kaminzimmer (Raum 2), wo der Kaminsims (cheminée) und die Stuckverzierung (stuc) noch erhalten ist. Von dort gelangt man ins herrschaftlichere Kaminzimmer (Raum 3) mit Dielenfußboden (plancher en bois massif), wo sich die Takenplatte mit der Schauseite (côté visible) hinter der Schranktür (Takeschaaf) befand. Der kleine Schrank an der Türseite diente als Waffenschrank.

Von der Treppe auf der 1. Etage geradeaus gehend gelangt man zur einstigen Hauskapelle (chapelle privée) in der Mittelachse. Heute Abstellraum (débarras) hatte sie ursprünglich eine schlichte Pilasterdekoration (Pfeiler als Dekorelemente, pilastre) und Stuckdecke (plafond en stuc) mit Auge Gottes[17] und Taube[18] (oeil de dieu et colombe). Von der nicht mehr vorhandenen Ausstattung sind zu nennen: eine Apostelfigur des 15. Jh. (aus der alten Kapelle in Bracht stammend, Lindenholz, 84 cm hoch, in Bemalung des 18. Jh.) sowie eine mittelmäßige Barockfigur einer weiblichen Heiligen (Madonna?) Letztere wurde im St.Vither Vorkriegsmuseum aufbewahrt und ist seit der Bombardierung der Stadt 1944 verschwunden.

Der Aufstieg zum Speicher geht über eine nachträglich eingebaute Fichtenholztreppe. Diese Treppe wurde nachträglich eingebaut um einen direkten Zugang zum Speicher zu haben, den es vorher von hier aus nicht gab. Vorher gelangte man von dem Podest der 1. Etage aus in den Nebenflügel und von dort per Treppe auf den Speicher.

Auf dem Speicher beeindruckt der barocke Mansardendachstuhl[19] (charpente mansardée) mit zwei großen Kaminen. Das Dach wurde im Zweiten Weltkrieg von einer Brandbombe getroffen und brannte zur Hälfte ab. Balken (poutres) mit Brandspuren gibt’s noch unterm Dach in der Nähe der Kamine. Pfetten (pannes) und Zangen (poutres de toiture) sind z.T. noch aus dem 18. Jh., während Sparren (chevrons), Lattung und Bretter (lattes et planches) nach dem Krieg erneuert wurden.

Die Steine zum Bau der Kamine hätten wohl für ein kleines Haus gereicht.

Die Kammer im Hintergrund wurde vom letzten hier wohnenden Priester (Pastor Joseph Schmetz aus Gemmenich, von 1944 bis 1960 in Bracht) nach dem Krieg eingerichtet. Vor einigen Jahren lebten hier rumänischer Arbeiter und später auch Feriengäste.

Die Kellerräume (z.B. für Hackschnitzelheizung) ist heute mit einer Trennwand versehen. Ursprünglich waren die Kellerräume unter dem ganzen Haus von Giebel zu Giebel durchgehend. An der Stelle sind die Reste eines großen Kamins zu sehen.

Da das Haus ganz unterkellert ist, gibt es keine Probleme mit Feuchtigkeit.

5. Anekdotisches

Während der Ardennenoffensive war ein Feldlazarett im Schloss eingerichtet, wo u.a. mit elementaren Mitteln Amputationen durchgeführt wurden. Die abgenommenen Gliedmaßen wurden im Garten vergraben. (Zeitzeugenbericht der Mutter von Günther Oestges, die aus Bracht stammte). In einem Teil des Kellers suchten viele Brachter während der Kriegszeit Schutz.

In den 1970er Jahren wurden Aufnahmen zur Verfilmung des Romans „Winterspelt“ (v. Alfred Andersch) im Brachter Schlosshof gedreht. Dazu mussten die Bewohner einige Änderungen vornehmen (z.B. Vorhänge und Blumenschmuck von den Fenstern entfernen).


[1] Schmitt, .: Bracht im Lichte einer mittelalterlichen Urkunde, in: ZVS 2013-01, 03.

[2] Reiners, H. und Neu, H.: Die Kunstdenkmäler von Eupen-Malmedy, Düsseldorf, 1935, S. 215.

[3] Margraff, P.: Das Dorf Bracht im Blickpunkt der Archäologie; in: ZVS 1978-09, S. 133

[4] Siehe hierzu: Hintzen, A.: Der Hof von Thommen, St.Vith, 1924.

[5] Urkunde von 15.11.1790, Notar Wintgen, St.Vith. (Abschrift: ZVS-Archiv, Sign. VIII-B-30): G.F.A. von Montigny, Mitherr des Hofes Thommen und Kastellan zu Dasburg, kündigt dem Johann Zeyen, Schöffe des Hofes Thommen, und seinem Sohn Jacob, Hofman des Hofhauses zu Bracht, den Pachtvertrag zum adligen Haus mit Bering und Aufwuchs.

[6] Hintzen, A., op.cit., S. 54.

[7] Burgverwalter

[8] Die Burg Dasburg, vermutlich zu Beginn des 13. Jh. als Wehranlage der Abtei Prüm von den Grafen von Vianden errichtet, unterstand ab 1417 den Grafen von Nassau-Dillenburg. 1580 wurde sie von König Phillipp von Spanien dem Gouverneur des Herzogtums Luxemburg, Ernst von Mansfeld übertragen, der sie 1604 dem Haus Nassau-Oranien zurückerstattet. Die Dasburg war zu dem Zeitpunkt eine Schutzburg der Viandener Grafenburg.1794 wurde die Burg durch französische Revolutionstruppen besetzt. Napoleon schenkte sie seinem General Oudinot, der sie 1813 auf Abbruch versteigern ließ. Seit 1947 ist die Ruine im Besitz des Landes Rheinland-Pfalz.

[9] https://nl.geneanet.org/fonds/individus/?go=1&nom=DE+FERRAND+DE+MONTIGNY&prenom=Georg+Friedrich+Au-gust&size=50 (Abruf am 15.04.2026)

[10] Als solcher musste er ein gewisses Besitztum sein Eigen nennen. Durch die Hilfe seines Bruders konnte er 570 Morgen auf seinen Namen vereinigen und bot somit die Bedingungen um sich um das Amt zu bewerben.

[11] Er litt an den Blattern, einer Pockenkrankheit, die sein Gesicht entstellten und seine Aussprache stark erschwerte, so dass er sein Landratsamt nicht mehr ausführen konnte. (Kaufmann, K.L.: Der Kreis Malmedy (1815-1865), Bonn, 1963, S. 102.

[12] Malmedyer Kreisblatt, 04.08.1866, 06. und 31.07.1867, 25.05.1868, 05. und 09.12.1868, 07.08.1869, 02.03.1870, 18.10.1871.

[13] Staatsarchiv in Eupen, .Landratsamt und Kreisverwaltung Malmedy (Sign. C.3.2.209) .Gemeindebauten Burg Reuland 1867 . 1883.

[14] Zur Familiengeschichte Kaut: siehe Maraite, L.: Zu Ehren meines Großvaters Johann Kaut (1902-1971), S. 18ff (https://www.zvs.be/wp-content/uploads/2026/04/oberopavdweb-compressed.pdf)

[15] BRF-Interview mit Clemens und Hilar Kaut vom 11.12.2011 (2.brf.be/sendungen/304098/)

[16] Geviert. Erstes und viertes Viertel: in blau goldenem Balken, begleitet von drei silbernen Schwertern. Zweites und drittes Viertel: in rot, gold, rotgezungter Löwe, in der rechten Vorderpranke ein silbernes Schwert. Auf dem Schild die Freiherrnkrone, als Schildhalter zwei rückschauende goldene rot gezungte Löwen.

[17] Bedeutung: Gott, als Dreieck (= Dreifaltigkeit) dargestellt, wacht über die Menschen.

[18] Symbolisiert den Heiligen Geist, in der Darstellung der Taufe Jesu und an Pfingsten

[19] Stuhl bedeutet Gestell (eines, auf dem etwas anderes ruht). Ein Mansardendach hat eine geknickte Dachfläche mit steilerem Unterdach und flacherem Oberdach. (Le toit mansardé présente une surface inclinée avec une sous-toiture plus pentue et une toiture supérieure plus plate.)

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