ZVS-Wanderung von Grüfflingen nach Wöffjen und zum Gericht

Abgelegt in Allgemein

Geschrieben am 24.09.2011

„Von Hügelgräbern, einer Wüstung und dem Galgenplatz“

Die Ortschaft Grüfflingen, im ehem. Hofe Thommen gelegen, dürfte in der Zeit der Völkerwanderung entstanden sein, als der römische Einfluss zugunsten von fränkisch-germanischen Strömungen zurückging. Die Franken kamen im Zuge der Völkerwanderung über den Rhein und siedelten sich u.a. im Gebiet zwischen Mosel, Maas und Schelde an. Die Einfälle der Franken hatte besonders in den römischen und romanisierten Gegenden eine Abwanderung der Bevölkerung zur Folge, so auch im besiedelten Raum unserer Gegend. Es kam so auch zur Bildung der Sprachengrenze zwischen Germanen und Romanen. Die Siedlungsorte mit der Endsilbe -ingen dürften nun in dieser Zeit entstanden sein. Die erste urkundliche Erwähnung findet sich jedoch erst im späteren Mittelalter (1495: Grimelingen). Eine erste Kapelle wird 1677 als Oratorium (Bethaus) erwähnt, sie war der hl. Brigida geweiht. In den Jahren 1752 und 1893 wurde das Gotteshaus repariert. 1783 bekommt Grüfflingen eine erste Glocke; 1811 wird die zweite angeschafft. Die Kapelle stand an der gegenüberliegenden Straßenseite, neben der um 1875 erbauten Schule. Im 2. Weltkrieg wurde die Kapelle schwer in Mitleidenschaft gezogen, so dass man sich zum Bau einer neuen Kirche entschloss, die 1956 eingeweiht wurde. Schon 1951 erhielt das Dorf zwei neue Glocken als Entschädigung für die im Krieg (1943) beschlagnahmten.

Wenn der Ort Grüfflingen auch erst zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert entstanden sein dürfte, so finden sich doch in der näheren Umgebung Überreste aus früherer Besiedlung. Die Rede ist von den vorgeschichtlichen Hügelgräbern, von denen wir einige auf dem Wöffjer Berg sehen und von der Römerstraße, die beiderseits des Ortes Thommen vorbei zog. Die von St.Vith kommende Straße von Köln nach Reims gabelte sich auf der Höhe des Kreuzberges. Ein Arm führte über Oudler und Malscheid nach Luxemburg, während der andere über den Steinemann in Richtung Bastogne und Reims führte. Heute ist dieser Streckenverlauf noch z.T. sichtbar. Der genaue Verlauf der Römerstraße ist indes unter den Gesichtsforschern strittig.

Die Gräber auf dem Wöffjer Berg sind vermutlich zum Ausgang der römischen Herrschaft hin entstanden (Ende 4., Anf. 5. Jhd.), und zwar in einer Zeit, als Leichenverbrennung noch üblich war (Brandgräber). Bemerkenswert ist auch, dass die Gräber, von denen es noch einige im Süden des St.Vither Land gibt, alle auf einem erhöhten Punkt anzutreffen sind und oft in Gruppen angeordnet sind. Auch bemerkt man unterschiedliche Dimensionen (Durchmesser, Höhe), was vielleicht auf eine Rangordnung der bestatteten Personen hindeuten könnte. Die Höhenlage hängt vielleicht mit dem Totenkult zusammen, demzufolge die Toten in der Nähe des Himmels oder der Sonne bestattet wurden. Grabbeigaben, die bisweilen gefunden wurden, deuten darauf hin, dass die Menschen an ein Weiterleben im Jenseits glaubten.

Schon um 1350 ist der Ort Wöffjen durch die Pest ausgestorben, dann aber möglicherweise wieder besiedelt worden, um dann aber im 30jährigen Krieg endgültig wüstzufallen. Noch in den 1950er Jahren waren hier Mauerreste zu sehen. Die Ansiedlung lag sowohl auf Neundorfer als auch auf Thommener Gebiet. Auf Neundorfer Gebiet waren auf einem Feld noch bis Ende der 1970er Jahre Mauerreste zu sehen, die als „Kohne-Muur“ bezeichnet wurden. Das ganze Gelände war talwärts (Thommener Gebiet) besiedelt und heute deuten nur einige Unebenheiten im Gelände die Stellen, an denen Behausungen gestanden haben. Talwärts wurde 1992 eine Grabung vorgenommen, bei der Holzkohle, Steine mit Eiseneinsprenkelungen und Scherben gefunden wurden. Die Feuerstelle dürfte, den Eisenschlacken gemäß, zu einer Schmiede gehört haben. Das Alter der Fundstücke reicht nicht über das 15. Jh. hinaus.

Unweit des „Windhofs“, der wegen des „Lühtche vam Schirem“ noch bis in die 1950er Jahre von sich reden machte, stand der Galgen des Hochgerichts des Hofes Thommen. Die Stelle an der Straße Maldingen – Grüfflingen heißt heute noch „Am Gericht“. Auf der Ferraris-Karte von 1775 ist der Galgen noch eingezeichnet. Die drei Herren des Hofes Thommen (Reuland – Salm/Virneburg – Rodenmacher) besaßen gemeinschaftlich die Gerichtsbarkeit. Die Schöffen (Meier) des Hochgerichts konnten selbst Todesurteile aussprechen, die aber ab 1790 durch den Souveränen Rat von Luxemburg bestätigt werden mußten. Das Gericht in Thommen befand sich in gewisser Abhängigkeit zum Reuländer Gericht: ein Missetäter aus dem Thommener Hofgebiet wurde in Reuland in Untersuchungshaft genommen. Wenn er für schuldig befunden wurde, übergaben ihn die Reuländer „zwischen Wenzelbach und Kollerbach“ den Thommener Meiern. Wie der Reuländer Galgen befand sich der Thommener Galgen auch in unmittelbarer Nähe zu alten Hügelgräbern.

(K.D. KLAUSER, nach Beiträgen der ZVS-Monatshefte und anderer Quellen)

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