1 Glossar der Zeitleiste | Geschichts- und Museumsverein Zwischen Venn und Schneifel (ZVS)

Glossar der Zeitleiste

Abgelegt in Glossar der Zeitleiste

Geschrieben am 20.09.2011

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MARKANTE WENDEPUNKTE

4. bis 6. Jh.: Völkerwanderung

Wanderungen des zweiten bis fĂŒnften Jahrhunderts.

Durch den Einfall der Hunnen 375 n. Chr. verlassen die germanischen StĂ€mme ihre Heimat. Die Völkerwanderungen (4. bis 6. Jh. n. Chr.) bringen das Ende der römischen Herrschaft im SĂŒden und Westen Europas und die AnfĂ€nge der europĂ€ischen Staatenbildung des Mittelalters.

* ZVS, 1966, Nr. 3, S.35, Nr. 4, S.41f,  FrÀnkische Wanderungen und Landnahme (1+2)
* ZVS, 1967, Nr. 1, S.5ff,  Geschichte des St.Vither Landes (12)
* ZVS, 1970, Nr. 3, S.19ff,  Die Vergangenheit im Spiegelbild des Àltesten Volksglaubens
* ZVS, 1982, Nr. 12, S.189ff,  Die Herrschaft Schönbergs
* ZVS, 1994, Nr. 1, S.9ff,  Jugendseite: Wie entstanden unsere Dörfer? Bestellen …

4. bis 6. Jh.: Christianisierung

Bekehrung zum christlichen Glauben, die in unserer Region noch unter römischer Herrschaft ab dem 4. Jh. einsetzte. Nach den Völkerwanderungen bekehrten ab dem 6. Jh. irische Mönche die Region von Eifel und Ardennen ein erneutes Mal.

WeiterfĂŒhrende Links:
Artikel Christianisierung in: Wikipedia, Die freie EnzyklopÀdie. http://de.wikipedia.org/wiki/Christianisierung

Ab 8. Jh.: Feudalismus

Eine Gesellschaftsordnung, die vom mittelalterlichen Lehnswesen ausgeht. Die Herrschaft ĂŒber die Bauern und BĂŒrger wird von einer adligen Oberschicht ausgeĂŒbt, die ĂŒber Grundbesitz verfĂŒgt. Der Feudalismus war bis zum 18. Jh. verbreitet.

WeiterfĂŒhrende Links:
Artikel Feudalismus in: Wikipedia, Die freie EnzyklopÀdie. http://de.wikipedia.org/wiki/Feudalismus

Ab 11. Jh.: Burgen und StÀdte
Mittelalterliche Wehranlagen und grĂ¶ĂŸere geschlossene Wohnsiedlungen entstehen in Westeuropa seit dem 11. Jh. in hoher Zahl.

15. Jh.: Renaissance
Wiedergeburt der altgriechischen und altrömischen Kunst und Kultur im Europa des 15. Jh.

16. Jh.: Glaubenskriege
Sie wurden durch die Reformation im 16. Jh. hervorgerufen. Die Reformation war eine kirchliche Erneuerungsbewegung, die zur Entstehung der vom Papst unabhĂ€ngigen reformierten Kirchen (die so genannten protestantischen Kirchengemeinschaften) fĂŒhrte.

Ab 13. Jh.: Inquisition
Im Mittelalter wurden Menschen unterdrĂŒckt und verfolgt, die in ihrem Glauben von der allein anerkannten kirchlichen Lehre abwichen (so genannte Ketzer). Bei der Befragung wurde oft grausame Folter angewandt. Die Opfer wurden meist auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Ab 15. Jh.: Absolutismus
Eine Form der Regierung, bei der das Staatsoberhaupt die uneingeschrÀnkte Macht besitzt. Der König galt als von Gott eingesetzt, sein Wille war oberstes Gesetz.

Ab 17. Jh.: AufklÀrung
Eine europĂ€ische Geistesbewegung im 18. Jh., die forderte, dass die Vernunft die Quelle der Erkenntnis und die Grundlage allen menschlichen Handelns sein solle. Außerdem setzte sie sich fĂŒr die Gleichheit und Freiheit der Menschen ein.

Revolution
Die schnelle VerĂ€nderung von Bestehendem. Hierbei können Revolutionen das politische, das wirtschaftliche oder das gesellschaftliche System betreffen. Revolutionen mĂŒssen nicht unbedingt gewaltsam verlaufen.

1880- 1914: Imperialismus
Das Streben eines Staates seinen Einflussbereich ĂŒber die eigenen Grenzen hinaus auszudehnen. Dies geschieht mit politischen, militĂ€rischen, wirtschaftlicher oder kultureller Mitteln. Gleichzeitig auch eine Epochenbezeichnung fĂŒr die Zeit zwischen 1880 und 1914.

Demokratie
Unsere moderne Demokratie bildete sich seit dem 18. Jh. aus. Die wichtigsten Merkmale sind: Das Volk bestimmt ĂŒber freie und geheime Wahlen mit. Der Staat muss ein Rechtsstaat (mit Verfassung und Grundrechten) sein. Es gilt die Gewaltenteilung.

Diktatur
Eine Staatsform, bei der die Herrschaft von einer Einzelperson (Diktator) oder einer Gruppe (Partei, MilitĂ€r) ausgeĂŒbt wird. In der Regel ist die Verfassung außer Kraft gesetzt, die Gewaltenteilung und Menschenrechte sind aufgehoben.

1945-1989: Kalter Krieg
Bezeichnung fĂŒr die Auseinandersetzung zwischen den kommunistischen Staaten unter FĂŒhrung der Sowjetunion und den kapitalistischen Staaten unter FĂŒhrung der USA. Beide Blöcke vermieden zwar die militĂ€rische Auseinandersetzung („heißer Krieg“), griffen sich jedoch mit Propaganda oder mit wirtschaftlichen Maßnahmen und WettrĂŒsten an.

20. Jh.: Kommunismus
Dahinter steht eine Weltanschauung, die von der Idee einer Gesellschaftsordnung ohne Privateigentum ausgeht. Es soll keine Klassenunterschiede und keine Herrschaft von Menschen ĂŒber Menschen geben, sondern soziale Gerechtigkeit fĂŒr alle. In der Praxis fĂŒhrte der Kommunismus zu Planwirtschaft, Missachtung der Menschenrechte und Diktatur.

Kapitalismus
Eine Bezeichnung fĂŒr eine Wirtschafts- und Sozialordnung, bei der die Produktionsmittel, das Kapital also, in den HĂ€nden der Unternehmer (Kapitalisten) liegt. Arbeiter werden nur entlohnt. Die treibende Kraft fĂŒr das Wirtschaften ist das Streben nach möglichst hohem Gewinn.

Globalisierung
Bezeichnung fĂŒr die Entstehung weltweiter MĂ€rkte, auf denen Volkswirtschaften, LĂ€nder und BĂŒrger eng miteinander verflochten sind.

WAS BEEINFLUSSTE EUROPA?

STAATSMÄNNER

Chlodwig (*um 466, +511)
FrĂ€nkischer König (482-511), der ein erstes bedeutendes Frankenreich grĂŒndete. Er ließ sich um 498 taufen und förderte somit die erneute Christianisierung Westeuropas.

Karl der Große (*747, +814)
König der Franken(768-814), seit 800 Kaiser. Die Franken bauten entlang der ehemaligen Römerstraßen die fĂŒr die damalige Zeit bedeutsamen „frĂ€nkischen Königshöfe“.

Kaiser Otto I. (*912,+973)
Otto war seit 936 deutscher König und seit 962 Kaiser. Er gab dem deutsche Königtum eine feste Grundlage und erneuerte das Kaisertum. Er belebte dadurch das ZusammengehörigkeitsgefĂŒhl des Abendlandes.

Kaiser Karl V. (*1500, +1558)
Der Habsburger Karl V. wurde 1519 zum Kaiser gewĂ€hlt und somit zum Herrscher eines Weltreiches und BegrĂŒnder des spanischen Imperialismus. Er bekĂ€mpfte den Protestantismus, konnte die religiöse Einheit aber nicht erringen. 1556 dankte er ab und starb zwei Jahre spĂ€ter.

Ludwig XIV. (*1638, +1715)
Ludwig wurde 1661 König und fĂŒhrte das französische Königtum auf den Gipfel seiner Macht und seines weltweiten Einflusses. Zugleich verkörperte er den Höhepunkt des französischen Absolutismus: als „roi soleil“ und Herrscher „von Gottes Gnaden“ stand er ĂŒber dem Gesetz und war keiner Regierung und keiner StĂ€ndeversammlung Rechenschaft schuldig.

Maria-Theresia (*1717, +1780)
Sie war seit 1740 Kaiserin von Österreich und Ungarn. Sie verbesserte die Verwaltung, belebte Handel und Gewerbe, grĂŒndete Volksschulen und förderte die Landwirtschaft. Gleichzeitig war sie an zahlreichen Kriegen beteiligt (SiebenjĂ€hriger Krieg 1756-1763).

Napoleon (*1769, +1821)
Der Kaiser der Franzosen (1804-1815) stammte aus einer korsischen Familie und machte als General schnell Karriere. Nach einem Staatsstreich wurde er 1799 zum „Ersten Konsul“ ernannt. 1804 krönte er sich selber zum erblichen Kaiser der Franzosen. Gleichzeitig ĂŒberzog er ganz Europa mit Krieg. 1815 wurde er bei Waterloo vernichtend geschlagen und anschließend in die Verbannung geschickt.

Bismarck (*1815, +1898)
Otto von Bismarck, Rechtsgelehrter und Gutsbesitzer, wurde 1862 zum preußischen MinisterprĂ€sidenten und 1871 zum ersten Kanzler des Deutschen Reiches ernannt. Er provoziert den so genannten „Kulturkampf“, setzt die EinfĂŒhrung einer Krankenversicherung (1883), Unfallversicherung (1884), Alters- und Invalidenversicherung (1889) durch und versuchte eine Außenpolitik zu betreiben, die auf einen Ausgleich der Interessen setzte.

Adolf Hitler (*1889, +1945)
Der deutsche Politiker österreichischer Herkunft wurde 1933 zum deutschen Kanzler gewĂ€hlt. Innerhalb weniger Monate setzte er die Demokratie außer Kraft und errichtete die Diktatur des Dritten Reiches, das die Juden verfolgte und ab 1941 gezielt vernichtete (6 Millionen Tote), das Andersdenkende verfolgte und ganz Europa mit dem Zweiten Weltkrieg ĂŒberzog (1939-1945). Hitler brachte sich am 30. April 1945 um.

Josef Stalin (*1879, +1953)
Stalin unterstĂŒtzte die russische Revolution von 1917, die zu einer ersten kommunistischen Diktatur fĂŒhrte. Nach dem Tode Lenins gelang es ihm, ab 1927 zum unumschrĂ€nkten Alleinherrscher aufzusteigen. Stalins „politische SĂ€uberungen“ sollen mehr als 20 Millionen Menschen das Leben gekostet haben. Er hat den Einflussbereich der kommunistischen Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg bis nach Mitteleuropa erweitert.

Robert Schumann (*1886, +1963)
Der französische Politiker, der zwischen 1948 und 1953 Außenminister war, regte die EuropĂ€ische Gemeinschaft fĂŒr Kohle und Stahl an (den so genannten Schumann-Plan) und trat entschieden fĂŒr eine deutsch-französische Aussöhnung und AnnĂ€herung ein.

Paul-Henri Spaak (*1899, +1972)
Der belgische Politiker war zwischen 1947 und 1949 MinisterprĂ€sident und zwischen 1936 und 1966 mehrere Male Außenminister. Er gilt als engagierter Verfechter der europĂ€ischen Einigung.

Michael Gorbatschow (*1931)
Politiker der ehemaligen Sowjetunion, der als GeneralsekretĂ€r der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (1985-1991) eine Reformpolitik (Perestroika und Glasnost) und eine Entspannungsdiplomatie durchsetzte, wodurch der Kalte Krieg beendet wurde. Er entließ zudem die mittel- und osteuropĂ€ischen Staaten nach den Sanften Revolutionen 1989 in eine demokratische UnabhĂ€ngigkeit von der Sowjetunion.

Jacques Delors (*1925)
Französischer Wissenschaftler und Politiker, der als PrĂ€sident der EuropĂ€ischen Kommission Europa zwischen 1985-1994 wesentlich mitgestaltete. Die EinfĂŒhrung des Binnenmarktes und die Verabschiedung des Maastrichter Vertrages sowie die Vorbereitung der Wirtschaft- und WĂ€hrungsunion sind z.T. seine Verdienste.

EREIGNISSE

476: Ende des Weströmischen Reiches
Mit der Eroberung Galliens (58-51 v.Chr.) durch CĂ€sar setzte sich auch in unsere Region die römische Herrschaft und Kultur durch. Im Jahr 395 n. Chr. spaltete sich das durch die Völkerwanderungen geschwĂ€chte Römische Reich in ein Weströmisches Reich mit Hauptstadt Rom und einem Oströmischen Reich mit Hauptstadt Byzanz. 476 n. Chr. setzte der germanische HeerfĂŒhrer Odoaker den letzten weströmischen Kaiser ab.

622: Entstehung des Islam
Diese Weltreligion wurde vom Propheten Mohammed gestiftet. Seine AnhĂ€nger nennen sich Moslems oder Muslime. Der Islam versteht sich als Vollendung der jĂŒdischen und christlichen Religion. FĂŒr den Islam gibt es nur den einen allmĂ€chtigen Schöpfergott, Allah. Mohammed ist sein Prophet.

843: Vertrag von Verdun
Nach dem Tod Kaiser Ludwigs des Frommen 840 kommt es zum offenen Machtkampf zwischen seinen drei Söhnen. Sie teilen das FrĂ€nkische Reich im Jahr 843 in drei auf und legen somit den Grundstein fĂŒr das spĂ€tere Frankreich und das Heilige Römische Reich deutscher Nation.

Ab 8. Jh.: RaubzĂŒge der Normannen
Nordgermanen aus DĂ€nemark, Norwegen und Schweden. Sie bedrohten seit dem 8. Jahrhundert als Seefahrer die europĂ€ischen KĂŒstengebiete, zogen landeinwĂ€rts und plĂŒnderten bedeutende StĂ€dte wie Aachen, Köln, Paris. 882 und 892 plĂŒnderten sie die Abteien PrĂŒm und Stavelot-Malmedy.

1096-1291: KreuzzĂŒge
KriegszĂŒge der christlichen Völker des Abendlandes mit dem Ziel, das durch die TĂŒrken 1070 eroberte PalĂ€stina mit den heiligen StĂ€tten fĂŒr die Christenheit zurĂŒckzuerobern. Zeitweilig bestand ein christliches Königreich Jerusalem.
Auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet brachten die KreuzzĂŒge durch die Begegnung der Kreuzfahrer mit dem Islam und dem Byzantinischen Reich dem Abendland ein Bereicherung. Zu KreuzzĂŒgen rief die Kirche im Mittelalter auch auf, um „UnglĂ€ubige“ und Ketzer zu bekĂ€mpfen.

1271: Marco Polo
Venezianischer Kaufmann (1254-1324) und Weltreisender. Er reiste 1271 ĂŒber den Pamir nach China und lebte dort 20 Jahre. Polo gewann das besondere Vertrauen des Mongolenherrschers Kublai und brachte es zum hohen Amt eines Statthalters in einer großen chinesischen Provinz. Seine Reiseberichte vermittelten zum ersten Mal im Mittelalter eine genaue Kenntnis ĂŒber den Fernen Osten.

1492: Entdeckung Amerikas
Wikinger unter Leif Eriksson erreichten um 1000 die KĂŒste Labradors. Kolumbus betrat – ĂŒberzeugt in Indien zu sein – am 12.10.1492 die Bahamainsel San Salvador und spĂ€ter die KĂŒsten Mittelamerikas. G. Caboto entdeckte 1497 die OstkĂŒste Amerikas. Im 16. Jh. eroberten vor allem die Spanier weite Gebiete SĂŒd- und Mittelamerikas. In Nordamerika drangen zunĂ€chst NiederlĂ€nder und Franzosen, spĂ€ter EnglĂ€nder ins Innere vor.

1618-1648: DreißigjĂ€hriger Krieg
Dieser Krieg entstand aus religiösen GegensĂ€tzen und weitete sich zum Reichskrieg um die Stellung des Kaisers gegenĂŒber den ReichsfĂŒrsten im deutschen Reich aus. Durch das Eingreifen Schwedens und Frankreichs entwickelte er sich dann zu einem Machtkampf um die europĂ€ische Stellung des Hauses Habsburg auf deutschem Boden. Der DreißigjĂ€hrige Krieg war eine der grĂ¶ĂŸten Katastrophen in der Geschichte Mitteleuropas, bei der fast die HĂ€lfte der deutschen Bevölkerung umkam und weite Teile des Landes zerstört wurden. Nach dem WestfĂ€lischen Frieden (1648) ĂŒbernahm Frankreich die Vormacht in Europa.

1701-1714: Spanischer Erbfolgekrieg
Dieser Krieg wurde um das Erbe und die Erbfolge des Herrscherhauses gefĂŒhrt.

1789: Französische Revolution
Sie bezeichnet den Aufstand der BĂŒrger gegen die absolutistische WillkĂŒrherrschaft, bei der der König ĂŒber dem Gesetz stand und ohne Kontrolle durch Parlament oder BĂŒrger nach eigenem GutdĂŒnken herrschte. Unter der Parole „Freiheit, Gleichheit, BrĂŒderlichkeit“ wurde Frankreich eine Republik. Die französische Revolution legte die Grundlagen fĂŒr unsere modernen Demokratien in Europa.

1830/1848: Liberale Revolutionen
Diese Revolutionen setzten sich wiederum fĂŒr die Ideen der Französischen Revolution ein. Die BĂŒrger in vielen LĂ€ndern Europas (Belgien, Deutschland, Polen, Italien, …) bekĂ€mpften die Alleinherrschaft der FĂŒrsten und setzten sich fĂŒr die grĂ¶ĂŸtmögliche Freiheit im persönlichen, politischen und wirtschaftlichen Bereich ein. Im Jahr 1830 war allein die belgische Revolution erfolgreich.

1914-1918: Erster Weltkrieg
Der erste Weltkrieg begann am 28.6.1914 mit der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz-Ferdinand in Sarajewo. Dieses Attentat war der Funke, der in ein Pulverfass fiel. Zwischen den europÀischen MÀchten bestanden vielfÀltige Spannungen, die sich in einer Serie von KriegserklÀrungen entluden.
Den MittelmĂ€chten Deutschland, Österreich-Ungarn, Bulgarien und TĂŒrkei stand die „Entente“ gegenĂŒber, das DreierbĂŒndnis von Frankreich, Russland und Großbritannien. Ihm schlossen sich im Verlaufe der Zeit weitere 17 Staaten an. Erstmals kam es zu einem gigantischen Stellungskrieg mit riesigen Verlusten an Menschen und Material. Der Erste Weltkrieg endete am 11.11.1918 mit der Niederlage der MittelmĂ€chte.
Der Erste Weltkrieg forderte rund 10 Millionen Todesopfer. Er fĂŒhrte zum Sturz der Monarchien in Deutschland, Österreich-Ungarn, Russland und der TĂŒrkei. In Europa entstanden neue Nationalstaaten. Deutschland musste den Vertrag von Versailles unterzeichnen, der u.a. auch vorsah, dass die heutige Deutschsprachige Gemeinschaft von Belgien annektiert wurde.

1917: Russische Revolution
Der russische Zar, der als Alleinherrscher das russische Reich regierte, wurde durch AufstĂ€nde 1917 zum RĂŒckzug gezwungen. Eine bĂŒrgerliche Regierung ĂŒbernahm die StaatsgeschĂ€fte. Doch eine zweite Revolution im Oktober 1917 brachte die Kommunisten (Bolschewiki) unter W. Lenin an die Macht. Sie enteigneten die herrschenden Schichten, schalteten alle Gegner durch Terror aus und konnten sich im BĂŒrgerkrieg behaupten. Die kommunistische Sowjetunion wurde 1991 aufgelöst.

1929: Weltwirtschaftskrise
Eine weltweite Wirtschaftskrise ging 1929 von den USA aus und erfasste alle großen Handelsstaaten. Sie fĂŒhrte zu massiver Arbeitslosigkeit. In Deutschland trug die Weltwirtschaftskrise erheblich zur Machterlangung der Nationalsozialisten unter Adolf Hitler bei.

1939-1945: Zweiter Weltkrieg
Den Zweiten Weltkrieg entfesselte Adolf Hitler, der in Deutschland seit 1933 als Diktator herrschte. Er wollte Europa unterwerfen und spĂ€ter die Weltherrschaft erlangen. Der Zweite Weltkrieg begann am 1.9.1939 mit dem Angriff auf Polen. Am 10.5.1940 marschierten die deutschen in Belgien, Luxemburg, Frankreich und den Niederlanden ein. Mit der ersten großen Niederlage in Stalingrad kam die Wende des Krieges in Europa.
Seit 1941 eroberten die Japaner große Teile SĂŒdostasiens, wo sie ebenfalls gegen die US-Amerikaner kĂ€mpften. Auch hier befanden sich die japanischen Truppen seit 1943 nur noch auf dem RĂŒckzug.
Der Krieg endete am 8.5.1945 in Europa und nach dem Abwurf von zwei Atombomben am 2.9.1945 in Asien.
Im Zweiten Weltkrieg starben etwa 27 Millionen Soldaten und 25 Millionen Zivilisten. Das BĂŒndnis der Alliierten gegen Hitler brach schon bald auseinander, der Ost-West-Konflikt mit dem Kalten Krieg begann. Deutschland wurde geteilt und blieb es bis 1990.

1941-1945:Holocaust
Holocaust ist die in Israel und in der englischsprachigen Welt gebrĂ€uchliche Bezeichnung fĂŒr die Massenvernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg, der rund 6 Millionen Juden zum Opfer fielen.

1947: Marshallplan
Europa war nach dem Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört. 1947 boten die USA zahlreichen europĂ€ischen LĂ€ndern Warenlieferungen, AuftrĂ€ge und (z.T. nicht zurĂŒckzuzahlende) Kredite zum Wiederaufbau und zur wirtschaftlichen Entwicklung an. Hierdurch sollten diese LĂ€nder auch vor einer Einflussnahme durch die kommunistische Sowjetunion geschĂŒtzt werden.

1962-1965: Zweites Vatikanisches Konzil
Ein Konzil ist eine Versammlung von Bischöfen und anderen kirchlichen AmtstrĂ€gern zur Erörterung und Entscheidung theologischer und kirchlicher Fragen. Das Zweite Vatikanische Konzil wurde von Papst Johannes XXIII. einberufen und von Papst Paul VI. weitergefĂŒhrt. Es fĂŒhrte wichtige Reformen ein, die die Kirche wieder nĂ€her an das Leben der Menschen und die sich schnell wandelnde Welt bringen sollte.

1968: Studentenbewegung
Sammelbezeichnung fĂŒr die etwa ab 1960 in verschiedenen LĂ€ndern aufgetretenen und Anfang der 1970er Jahre abgeklungenen Unruhen unter Studenten, die sich erst gegen schlechte Studienbedingungen, bald aber gegen politische und soziale VerhĂ€ltnisse schlechthin wandten.
In den USA unterstĂŒtzten die Studentenbewegungen die BĂŒrgerrechtsbewegungen und wandte sich gegen den Vietnamkrieg. In Europa setzten sich die Studenten gegen den Vietnamkrieg, gegen die verkrusteten Gesellschaftsstrukturen und fĂŒr eine grĂ¶ĂŸere gesellschaftliche Gerechtigkeit ein.

1989/1990: Sanfte Revolutionen
Als sanfte Revolutionen bezeichnete man die weitgehend gewaltlosen AufstĂ€nde der BĂŒrger in den mittel- und osteuropĂ€ischen LĂ€ndern in den Jahren 1989 und 1990 gegen die kommunistischen Regime. Durch diese Massenproteste konnten in diesen LĂ€ndern die Demokratie und die Marktwirtschaft eingefĂŒhrt werden.

1993-1996: Ethnische SĂ€uberungen
Dieser beschönigende Begriff wurde im jugoslawischen BĂŒrgerkrieg gebraucht. Er bezeichnete die gewaltsame Vertreibung von Volksgruppen aus einem Gebiet, in dem zwar mehrere Volksgruppen leben, aber in dem eine einzige Volksgruppe das Recht fĂŒr sich in Anspruch nimmt, alleine dort leben und Menschen anderer Sprache und Kultur vertreiben zu dĂŒrfen.

1999-2002: Euro
Gemeinsame WĂ€hrung seit dem 1.1.1999 in der EuropĂ€ischen WĂ€hrungsunion. Am 1.1.2002 wurde der Euro auch als UmlaufwĂ€hrung eingefĂŒhrt und ersetzte die nationalen WĂ€hrungen in den Geldbörsen der BĂŒrger.

ENTWICKLUNGEN

11./12. Jh.: Investiturstreit
Streit zwischen dem Papst und den Königen um die Einsetzung („Investitur“) der Bischöfe und Äbte in ihr Amt. Daraus entstand ein grundsĂ€tzlicher Konflikt um das VerhĂ€ltnis von weltlicher und geistlicher Gewalt.

1215: Magna Charta
Mit der „großen Freiheitsurkunde“ wurde die Macht des Königs erstmals eingeschrĂ€nkt. Hiervon profitierte zwar vorwiegend nur der Adel. Dennoch gilt die Magna Charta als Dokument englischer Freiheitsrechte.

14. Jh.: Pest
Eine gefĂ€hrliche Infektionskrankheit, die von Bakterien ausgelöst wird und von Ratten ĂŒber Rattenflöhe auf den Menschen ĂŒbertragen wird. Von den zwei Erscheinungsformen (Beulen- und Lungenpest) rottete die Lungenpest im Mittelalter als „schwarzer Tod“ die Bevölkerung ganzer Landstriche aus.

16. Jh.: FrĂŒhkapitalismus
Bezeichnung fĂŒr eine Epoche der europĂ€ischen Wirtschaftsgeschichte, die mit dem 16. Jh. begann und durch große Kapitalansammlungen (Fugger, Medici u.a.) und Monopolbildungen gekennzeichnet war.

1517: Reformation
Die Reformation war eine kirchliche Erneuerungsbewegung, die zur Entstehung der vom Papst unabhĂ€ngigen evangelischen Kirchen fĂŒhrte.

1543: Heliozentrisches Weltbild
Weltsicht, bei dem die Planeten die Sonne umkreisen und die Sonne den Mittelpunkt der Welt darstellt. Die heliozentrische Planetentheorie wurde 1543 von Nikolaus Kopernikus veröffentlicht.

1789: Menschenrechte
Die Grundrechte umschreiben die Rechte des einzelnen BĂŒrgers gegenĂŒber der Staatsgewalt. Zu den wichtigsten Grundrechten gehören der Schutz der MenschenwĂŒrde, das Recht der freien MeinungsĂ€ußerung, die freie Entfaltung der Persönlichkeit, die Gleichheit vor dem Gesetz, die Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit, die Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit, die GewĂ€hrleistung des Eigentums und der Schutz von Ehe und Familie.

1804: Code Civil
Das französische Zivilgesetzbuch ĂŒberzeugte durch eine klare Sprache und wesentliche Grundgedanken der französischen Revolution (Gleichheit vor dem Gesetz, Anerkennung der Freiheit des Individuums und des Eigentums, Trennung von Staate und Kirche). Es ist trotz zahlreicher Änderungen heute noch gĂŒltig.

19. Jh.: Liberalismus
Eine Auffassung von Staat, Gesellschaft und Wirtschaft, die fĂŒr den einzelnen grĂ¶ĂŸtmögliche Freiheit im persönlichen, politischen und wirtschaftlichen Bereich fordert.

19. Jh.: Industrialisierung
UmwĂ€lzung der Arbeitswelt und der Gesellschaft durch den Aufbau von Industrien. Diese setzten in ihrer Produktionsweise auf neue Maschinen und Techniken (Mechanisierung), den Einsatz von kĂŒnstlicher Kraft (Dampfmaschine), Massenproduktion, Arbeitsteilung und Lohnarbeit.

19. Jh.: Nationalismus
Eine ĂŒbersteigerte Vaterlandsliebe, die oft das Eigeninteresse einer Nation ĂŒber alles andere stellt und dazu neigt, andere Nationen gering einzuschĂ€tzen. Der moderne Nationalismus entstand mit der französischen Revolution.

Ab 1880: Massive Kolonialisierung
Das Streben europĂ€ischer Staaten, die Herrschaft ĂŒber nichtselbstĂ€ndige Gebiet auszuĂŒben. Die Kolonien wurden besiedelt und als Lieferanten fĂŒr Rohstoffe und billige ArbeitskrĂ€fte ausgebeutet, als Absatzgebiet fĂŒr Fertigwaren genutzt und oft zu militĂ€rischen StĂŒtzpunkten ausgebaut.

19. Jh.: Sozialismus
Im 19. Jh. entstandene Weltanschauung, die das allgemeine Wohl der Gesellschaft im Sinne von Gleichheit und SolidaritĂ€t anstrebt. Im Gegensatz zu Liberalismus und Kapitalismus sollen Gleichheit, Gerechtigkeit und Freiheit fĂŒr alle Menschen verbĂŒrgt sein.

1923: Pan-Europa-Bewegung
Eine Bewegung, die 1923 von Graf Coudenhove-Kalergi gegrĂŒndet wurde und eine Vereinigung Europas vor allem gegen einen befĂŒrchteten neuen Krieg und eine Eroberung Europas durch die Sowjetunion anstrebte. Die Bewegung schaffte ein gĂŒnstiges Klima, das die GrĂŒndung der EuropĂ€ischen Gemeinschaft fĂŒr Kohle und Stahl (EGKS) 1951 begĂŒnstigte.

Nach 1945: Amerikanisierung
Verbreitung der US-amerikanischen Sprache, Kultur und Lebensweise nach 1945.

Nach 1945: Entkolonialisierung
Aufhebung von Kolonialherrschaft, die nach 1945 massiv einsetzte und bis in die 1970er Jahre andauerte.

Ab 1960: Allgemeiner Wohlstand
Die Menge und die QualitĂ€t von Waren, öffentlichen Einrichtungen und anderen Lebensbedingungen, die den Menschen zur VerfĂŒgung stehen, sind seit den 1960er Jahren sehr hoch.
Bei einem niedrigen Lebensstandard werden nur die einfachen BedĂŒrfnisse eines Menschen befriedigt, wie z.B. Nahrung, Wohnung und Kleidung. Bei einem hohen Lebensstandard werden auch zusĂ€tzliche LebensbedĂŒrfnisse und WĂŒnsche befriedigt, wie z.B. Körper- und Gesundheitspflege, Freizeit oder Reisen.

1973: „Grenzen des Wachstums“
Dieses Buch veröffentliche 1973 der „Club of Rome“. Das ist eine lockere Verbindung von Wissenschaftlern und Industriellen, die die „Lage der Menschheit“ untersuchen und darstellen wollen. Sie streben dabei den Erhalt des Friedens, soziale Gerechtigkeit, Achtung anderer Menschen und Kulturen sowie den Respekt der Natur an. Das Buch war ein wesentlicher Anstoß nach der Ölkrise, das die Friedens- und Umweltbewegung nachhaltig beeinflusste.

Genforschung
Teilgebiet der Biotechnologie, das die Grundlagen des Menschen Körpers ĂŒber die EntschlĂŒsselung der einzelnen Gene erforscht.

FORTSCHRITTE

10. Jh.: Kummet
EinfĂŒhrung des um den Hals liegenden Teils des Pferdegeschirrs (hölzerner, gepolsteter Ring).

10. Jh.: RĂ€derpflug
Der Pflug ist ein BodenbearbeitungsgerĂ€t, das als Kennzeichen höherer Ackerkultur gilt und erstmals um 3500 v. Chr. nachweisbar ist. Der Pflug ermöglicht eine Bodenbearbeitung, deren Ertrag ĂŒber dem Eigenbedarf liegt. Um 500 v. Chr. tauchte der Eisenpflug in Europa auf. Er war viel stĂ€rker und schwerer als die hölzernen Pflugscharen und schnitt tiefer in den Boden.
Im 10. Jh. kam dann der RÀderpflug in Gebrauch. Er war leichter zu ziehen und zu steuern als Àltere Pflugtypen.

Ab 9. Jh.: Dreifelderwirtschaft
Nutzung eines Ackers in dreijĂ€hrigem Wechsel: Wintergetreide, Sommergetreide, Brache. Die Dreifelderwirtschaft bestimmte den Ackerbau in West- und Mitteleuropa vor der EinfĂŒhrung des KunstdĂŒngers fast 1000 Jahre.

Um 1350: Vorderlader-Gewehr
Feuerwaffe, die von vorne geladen wurde. Sie garantierte die waffentechnische Überlegenheit der EuropĂ€er.

Um 1450: Buchdruck
Der Buchdruck ist die Ă€lteste Form des Hochdruckes. Dabei werden aus beweglichen Lettern (Buchstabentypen) die einzelnen Zeilen mit der Hand oder einer Setzmaschine zusammengesetzt. Diese Zeilen bilden die Druckform. In der Druckpresse drĂŒcken dann Walzen das Papier gegen die eingefĂ€rbte Druckform. Bereits im alten China und seit dem 14. Jh. in Europa war der Druck mit geschnitzten Holzplatten bekannt. Mitte des 15. Jh. erfand Johannes Gutenberg die beweglichen Buchstaben, die immer wieder neu verwendet und schneller gesetzt werden konnten.
Das Buchdruckverfahren ist heute aus Kosten- und QualitĂ€tsgrĂŒnden meist durch den Offsetdruck verdrĂ€ngt worden.

1769: Dampfmaschine
Eine Maschine, die die Energie von Dampf in mechanische Arbeit umsetzt. Der Dampfdruck, der in einem beheizten Wasserkessel erzeugt wird, wird genutzt, um einen Kolben in einem Zylinder hin und her zu bewegen. Dieser Kolben treibt ĂŒber eine Kolbenstange und eine Pleuelstange wiederum ein Rad an. Die erste brauchbare Dampfmaschine wurde 1769 von James Watt gebaut. Sie trug erheblich zur Entwicklung der industriellen Fertigung bei.

1796: Impfung
Eine Maßnahme zum Schutz gegen Infektionskrankheiten. Eine Schutzimpfung erfolgt durch Schlucken, Einritzen der Haut oder Injektion in den Körper. Dabei werden abgeschwĂ€chte oder abgetötete Krankheitserreger in den Körper gebracht, der dadurch angeregt wird, Abwehrstoffe gegen diesen Erreger zu bilden. Tritt spĂ€ter tatsĂ€chlich eine Infektion ein, ist der Körper dagegen gewappnet und kann die Erreger leichter bekĂ€mpfen.
Die Entdeckung der so genannten ImmunitĂ€t (lat. immunitas = Freisein von) war einer der entscheidenden Fortschritte der Medizin. Sie wurde im 18. Jahrhundert bei der Pockenerkrankung erkannt. Zwar war die AbschwĂ€chung der Pockenerkrankung durch die Methode der Impfung mit echten Pocken im Orient und in Westafrika bereits bekannt, jedoch kam es Berichten zufolge nach solchen Impfungen immer wieder zu heftigen KrankheitsausbrĂŒchen. Der englische Landarzt Edward Jenner (1749-1823) entwickelte Ende des 18. Jahrhunderts eine weniger gefĂ€hrliche Impfmethode. Er hatte beobachtet, dass Landarbeiter, die sich bereits mit den harmlosen Kuhpocken infiziert hatten, hĂ€ufig von den gefĂ€hrlichen, meist tödlich verlaufenden Menschenpocken verschont blieben. Er schlussfolgerte daraus, dass Menschen durch eine gezielte Infektion mit Kuhpocken in Form einer Impfung (=Vakzination) gegen die Erkrankung geschĂŒtzt werden könnten. 1796 fĂŒhrte Jenner die erste Impfung dieser Art durch und begrĂŒndete somit die Methode der so genannten aktiven Immunisierung, bei der der Körper zur eigenstĂ€ndigen Bildung spezifischer Abwehrstoffe angeregt wird.

1879: Elektrisches Licht
Thomas Edison erfand 1879 die erste elektrische GlĂŒhbirne. Hierdurch wurde der Siegeszug der ElektrizitĂ€t eingelĂ€utet, die heute alle GerĂ€te des modernen Lebens mit Energie versorgt.

1879: Elektrischer KĂŒhlschrank
1879 stellte der Deutsche K. von Linde den ersten KĂŒhlschrank her. Er besaß eine dampfgetriebene Kompressionspumpe und benutzte Ammoniak als KĂŒhlmittel. KĂŒhlschrĂ€nke tauchten in der heutigen DG erst nach EinfĂŒhrung der ElektrizitĂ€t vereinzelt in den 1930er Jahren auf.

1885: Auto
Die ersten Autos bauten fast gleichzeitig, aber unabhĂ€ngig voneinander Carl Benz 1885 und Gottlieb Daimler 1886 in Deutschland. Damit begann der Siegeszug des Automobiles auf den Straßen. Doch bis Mitte des 20. Jh. blieb das Auto ein VergnĂŒgen fĂŒr reiche(re) Leute. Erst ab den 1950er Jahren wurde MobilitĂ€t mit dem Auto langsam fĂŒr die breite Masse in Europa erschwinglich.

1895: Film
1895 fĂŒhrten die BrĂŒder LumiĂšre mit ihrem „Kinematographen“ erstmals öffentlich in Paris einen Film vor. Anfangs waren diese Filme Jahrmarktsattraktionen, die in Europa erst wĂ€hrend dem Ersten Weltkrieg in die LichtspielhĂ€user umzogen. In den USA war hingegen schon 1912 die Filmstadt Hollywood gegrĂŒndet worden. Hier wurde der Film schnell zum Industrieprodukt. Diese Entwicklung wurde durch die EinfĂŒhrung des Tonfilmes 1928 erheblich beschleunigt. Ab 1935 wurden erste Farbfilmaufnahmen möglich, die sich aber erst in den 1940er Jahren durchsetzten.

1916: Traktor
Ein Traktor ist eine Zugmaschine mit Dieselmotor fĂŒr die Land- und Forstwirtschaft. Schon 1902 baute der Brite D. Albone den ersten Traktor mit Benzinmotor. Den Durchbruch fand diese neuartige Zugmaschine aber erst, als Henry Ford 1916 begann, Traktoren am Fließband herzustellen. Ab 1932 wurden sie mit GummirĂ€dern ausgerĂŒstet und ab 1935 mit einem Hydraulik-Steuersystem ausgerĂŒstet, so dass PflĂŒge und andere Hilfsmaschinen vom Traktorsitz aus gesteuert werden konnten.

1925: Radio
Rundfunk ist die drahtlose Verbreitung von Informationen und Unterhaltung in Ton (Radio) und Bild (Fernsehen) an eine Vielzahl von EmpfĂ€ngern. Schon 1896/97 wurden erste drahtlose SignalĂŒbertragungen erprobt.
RegelmĂ€ĂŸig tĂ€tige Sender nahmen ab 1920 ihren Betrieb auf. In der heutigen Deutschsprachigen Gemeinschaft konnten ab Weihnachten 1925 erste RundfunkĂŒbertragungen des Langenberger Senders (Köln) empfangen werden.

1940: Penicillin
Das Penicillin ist das Stoffwechselprodukt verschiedener Arten des Pinselschimmels. Es wurde 1928 von A. Fleming entdeckt und wird seit Anfang der 1940er Jahre als Antibiotikum gegen viele Krankheitserreger verwendet.

1942: Kernspaltung
Kernenergie ist in Atomkernen gespeichert und wird bei der Kernspaltung und der Kernfusion freigesetzt. Sie kann zur Energiegewinnung genauso wie zum Bau von Atombomben genutzt werden. Der erste Kernreaktor wurde 1942 in den USA in Betrieb genommen, die erste Atombombe 1945 gegen die japanischen StÀdte Hiroshima und Nagasaki eingesetzt.

1954: Fernsehen
Durchschnittlich vier Stunden am Tag lĂ€uft in westeuropĂ€ischen Haushalten ein FernsehgerĂ€t. Damit hat das Fernsehen innerhalb eines sehr kurzen Zeitraumes eine große Bedeutung fĂŒr unser Leben erhalten. Um 1930 wurden erste Testsendungen in „FernsehsĂ€len“ prĂ€sentiert. Aber erst 1954 eröffnete die ARD, der erste gemeinschaftliche Zusammenschluss deutscher Rundfunkanstalten, ein regelmĂ€ĂŸiges Fernsehprogramm. 1963 folgte das ZDF.

1957: Satellit
Ein Satellit ist ein unbemannter Raumflugkörper, der mit einer TrĂ€gerrakete in eine Umlaufbahn gebracht wird. Dort kreist er lĂ€ngere Zeit als kĂŒnstlicher Mond. Sie ĂŒbertragen TelefongesprĂ€che und Fernsehbilder rund um die Welt, sie liefern Informationen ĂŒber das Wetter und helfen Schiffen und Flugzeugen bei der Navigation. Der erste erdumkreisende Satellit war 1957 Sputnik 1.

1977: PC
Computer ist das englische Wort fĂŒr „Rechner“. Als diese GerĂ€te in den 1940er Jahren entwickelt wurden, dienten sie zunĂ€chst nur zur BewĂ€ltigung großer Rechenaufgaben und zum VerschlĂŒsseln von geheimen Botschaften. Doch erst der Bau des ersten Personalcomputers im Jahr 1977 fĂŒhrte zur allgemeinen Nutzung dieser Maschinen, die unser Alltagsleben stark beeinflussen.

WAS BEEINFLUSSTE DIE HEUTIGE DG?

6. Jh.: Benediktinerorden
Der Ă€lteste katholische Mönchsorden wurde im 6. Jahrhundert gegrĂŒndet. Mit den KlostergrĂŒndungen in Stavlot-Malmedy und PrĂŒm trugen die Benediktiner wesentlich zur Christianisierung der Eifel bei. Die Mönche leben nach dem Grundsatz „bete und arbeite“ („ora et labora“).

1288: Schlacht von Worringen
Die Herzogin Irmgard von Limburg starb 1283 kinderlos. Um ihr Erbe entbrannte ein Streit. Auf der einen Seite stand der Kölner Erzbischof, der versuchte einen grĂ¶ĂŸeren Territorialstaat im Rheinland zu grĂŒnden, auf der anderen Seite der Herzog Johann von Brabant. Um beide FĂŒrsten entstanden allmĂ€hlich zwei mĂ€chtige Koalitionen, an denen fast alle rheinischen FĂŒrsten beteiligt waren. Die schweren KĂ€mpfe zogen sich jahrelang hin. Die Entscheidung fiel am 5. Juni 1288 in einer der blutigsten Schlachten des Mittelalters auf der Heide bei Worringen. Johann von Brabant siegte. Die Folge war weitreichend: Limburg orientierte sich nach Westen und das Rheinland blieb bis zur Französischen Revolution in eine Reihe etwa gleich großer Kleinstaaten aufgesplittert.

1766: Theresianischer Kataster
Die österreichische Kaiserin Maria Theresia wollte erstmals Grund und Boden sowohl der Untertanen als auch der Grundherrschaften nach allgemeinen Richtlinien besteuert. Hierzu ließ sie erstmals ein amtliches Verzeichnis aller GrundstĂŒcke erstellen, das heute eine herausragende Quelle fĂŒr die Wirtschafts- und Sozialgeschichte des 18. Jh. ist.

1815: Wiener Kongress
Zusammenkunft der europĂ€ischen Monarchen und StaatsmĂ€nner in Wien im Jahr 1815. Sie versuchen nach der Niederlage Napoleons ein MĂ€chtegleichgewicht zu etablieren, Europa territorial neu zu ordnen und die Ideen der französischen Revolution zurĂŒck zu drĂ€ngen. Der Kongress beschließt u.a., dass die spĂ€teren Kreise Eupen und Malmedy preußisch werden und „Neutral-Moresnet“ entsteht.

1871-1879: Kulturkampf
Hiermit bezeichnet man die Auseinandersetzung zwischen Staat und katholischer Kirche, die in Preußen und im Deutschen Reich ab 1871 gefĂŒhrt wurde. Hierbei ging es um die Beziehung von Staat und Kirche und um die Frage, ob die Kirche mit ihren zahlreichen sozialen Aufgaben vom Staat abgegrenzt oder getrennt werden sollte oder nicht.

1919: Versailler Vertrag
Der Versailler Vertrag beendete den Ersten Weltkrieg. Er wurde am 28.6.1919 zwischen dem Deutschen Reich und 27 alliierten und assoziierten MĂ€chten unterzeichnet und trat am 10.1.1920 in Kraft. Deutschland war an den Verhandlungen nicht beteiligt worden, sondern hatte sich nur schriftlich zum fertigen Vertragsentwurf der Alliierten Ă€ußern dĂŒrfen. Da diese EinwĂ€nde weitgehend unberĂŒcksichtigt blieben, sprachen viele Deutsche von einem Diktatfrieden.
Der Vertrag sah Gebietsabtrennungen ohne freie und geheime Abstimmung (Elsaß-Lothringen, Eupen-Malmedy) oder ĂŒber freie und geheime Abstimmungen vor. Zudem wurde die Abtretung der Kolonien, die Verkleinerung der deutschen Armee auf 100.000 Soldaten, die alliierte Besetzung des Rheinlandes, die Zahlung von hohen Reparationen und die Feststellung der alleinigen deutschen Kriegsschuld festgeschrieben.

1926/1929: RĂŒckgabeverhandlungen
Im Jahr 1926 und 1929 fĂŒhrten Belgien und Deutschland Verhandlungen ĂŒber eine mögliche RĂŒckgabe der Kreise Eupen und Malmedy an Deutschland. Das Vorhaben scheiterte am energischen Einspruch Frankreichs.

1943: Erster belgischer Protest
Am 18. Mai 1940 wurde da so genannte Eupen-Malmedy nach dem Einmarsch deutscher Truppen durch Adolf Hitler annektiert. Die belgischen Regierung reagierte nicht. Erst im 
 1943 – nach der Wende des Krieges – protestierte die belgische Regierung indirekt ĂŒber eine Sendung von Radio London gegen diese Annexion.

1944-1945: Ardennen-Offensive
Die letzte große militĂ€rische Offensive der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg, die am 16. Dezember 1944 begann. Im Verlauf der Kampfhandlungen wurden zahlreiche Dörfer der belgischen Eifel ganz oder teilweise zerstört.

1951: Montanunion (EGKS)
Die EuropĂ€ische Gemeinschaft fĂŒr Kohle und Stahl (EGKS) oder Montanunion genannt wurde durch den Pariser Vertrag vom 18.4.1951 zwischen den Beneluxstaaten, Frankreich, Deutschland und Italien geschlossen. Der Vertrag bildete den Anfang der europĂ€ischen Einigungsbestrebungen nach 1945.

1958: Römische VertrÀge
Die 1958 in Kraft getretenen VertrĂ€ge zwischen den Beneluxstaaten, Frankreich, Deutschland und Italien begrĂŒnden die EuropĂ€ische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die EuropĂ€ische Atomgemeinschaft (Euratom), aus denen 1993 die EuropĂ€ische Union entstand.

1979: EuropÀisches Parlament
Seit 1979 wĂ€hlen die BĂŒrger aus den Mitgliedstaaten der EU ihre Abgeordneten fĂŒr das EuropĂ€ische Parlament direkt. Diese Abgeordneten haben eine beratende und kontrollierende Funktion, können aber noch nicht ĂŒber alle gesetzlichen Vorhaben der EU mitbestimmen.

1985: Schengen-Abkommen
Mit diesem Abkommen von 1985, das 1990 erweitert wurde, wurden die Personenkontrollen zwischen den meisten Mitgliedstaaten der EuropÀischen Union abgeschafft.

1993: Binnenmarkt
Der EuropĂ€ische Binnenmarkt garantiert seinen BĂŒrgern seit dem 1.1.1993 den freien Personen-, Kapital-, Waren- und Dienstleistungsverkehr.

1993: Vertrag von Maastricht
Bezeichnung fĂŒr den am 1.1.1993 in Kraft getretenen Vertrag, der die EuropĂ€ische Union begrĂŒndet und die Gemeinsamkeit des Handelns zwischen den Mitgliedstaaten erheblich verstĂ€rkt.

WAS GESCHAH HIER?

716: Schlacht bei Amel
Gemeint ist hiermit eine Schlacht, an welcher Karl Martell, der Großvater Karls des Großen, und die Neustrier teilgenommen haben. Sie fand im Sommer des Jahres 716 bei Amel statt. Wo genau, ist bis heute nicht bekannt.
Wieso kam es zu besagter Schlacht? Als Pippin II. im Jahre 714 in Jupille starb, war das Frankenreich ohne FĂŒhrung. Es folgten Streitereien um die Nachfolge. WĂ€hrend Pippins Frau Plektrud, deren beide Söhne bereits zu Lebzeiten ihres Vaters gestorben waren, die RegierungsgeschĂ€fte selber ĂŒbernahm, bekundete ebenfalls Karl (spĂ€ter Karl Martell) MachtansprĂŒche. Karl war der uneheliche Sohn Pippins II. und stand deshalb nicht im besten VerhĂ€ltnis zu Plektrud.
FĂŒr Plektrud war Karl der politische Rivale schlechthin. Er genoss das Ansehen der im Ostreich lebenden frĂ€nkischen Völkerschaften, der Austrasier. Es kommt zu KĂ€mpfen, in denen sich vorerst die Neustrier und ihre VerbĂŒndeten durchsetzten. Karl, anfangs in Köln von Plektrud festgehalten, gelang die Flucht. SpĂ€ter in Eifel und Ardennen untergetaucht schaffte er es, ein Heer aufzubauen. Die mit Beute aus Köln wieder sĂŒdwĂ€rts ziehenden Westfranken konnte Karl bei Amel ĂŒberraschend angreifen und vernichtend schlagen.
Nach der Schlacht begab sich Karl nach Köln, um dort die Familienfehde mit Plektrud zu bereinigen. Nach der Überlieferung brach dort ein Volksaufstand zugunsten Karls aus. Es heißt, Plektrud habe Karl den restlichen Familienschatz Pippins ĂŒbergeben.
* Zwischen Ommerscheid und Wolfsbusch, S. 28 ff
* ZVS 91 08, S. 114 ff
* ZVS 91 10, S. 150 ff – ZVS-Artikel im PDF-Format bestellen ĂŒber Kontakt

882/892: Normannen
Bezeichnung fĂŒr die Wikinger, die als HĂ€ndler, Krieger, Entdecker, Siedler und StaatengrĂŒnder in West- und SĂŒdeuropa auftraten.
Ende des Jahres 881 und Anfang 882 tauchen Normannen in unserer Region auf. Sie waren dem Lauf der Maas flussaufwĂ€rts gefolgt und hatten vorerst Maastricht, LĂŒttich und Tongern zum Ziele ihrer RaubzĂŒge auserkoren. In der Folge wurden auch die Klöster KornelimĂŒnster, Stavelot, Malmedy und PrĂŒm geplĂŒndert.
Es ist belegt, dass die Mönche aus Stavelot vor den Normannen eiligst Richtung SĂŒden geflĂŒchtet sind. Im heutigen nordfranzösischen Chooz in Sicherheit erfuhren sie bald von der Vernichtung ihres Klosters. Erst Ende 882 kehrte die Klostergemeinschaft wieder in ihre Heimat zurĂŒck. Es ist anzunehmen, dass die kostbaren Reliquien des KlostergrĂŒnders Remaklus mit auf die Flucht genommen und dadurch gerettet worden waren.
Damit nicht genug. Auch im Jahre 892 kam es wieder zu PlĂŒnderzĂŒgen der Wikinger. FrĂ€nkische Gegenwehr gab es, sie reichte jedoch nicht aus. Im Februar 892 wurde die Abtei PrĂŒm gĂ€nzlich verwĂŒstet.
* ZVS 92 02, S. 25 ff
* ZVS 92 03, S. 40 ff – ZVS-Artikel im PDF-Format bestellen ĂŒber Kontakt

10. Jh.: Burgenbau
Es ist möglich, dass sich die Menschen ab dem 10. Jahrhundert mehr und mehr schĂŒtzende UnterstĂ€nde schufen. Bei den PlĂŒnderungszĂŒgen der Normannen waren ihre damaligen Holzbehausungen der Brandschatzung schutzlos anheim gefallen.
Eine solche Burg war die „castra“ von LĂŒttich bei ChĂšvremont und Logne. Mitte des 9. Jahrhunderts war sie zu einer Fluchtburg ausgebaut worden.
In unserer Heimat wissen wir von Burgen in BĂŒtgenbach, Reuland, Schönberg, …
* ZVS 92 03, S. 40 ff – ZVS-Artikel im PDF-Format bestellen ĂŒber Kontakt

1189: Dietrich von Reuland
Als Ritter nahm Dietrich von Reuland im Jahre 1189 am 3. Kreuzzug teil. Von den Taten des Ritters berichtete der Zisterzienser-Mönch CÀsarius von Heisterbach, ein Zeitgenosse.
Dietrich von Reuland hatte sich offenbar bei der Belagerung der Stadt Akkon besonders ausgezeichnet und war kurz darauf gestorben. Er hatte gemeinsam mit anderen Kreuzfahrern gegen die Sarazenen (Araber), welche die heiligen StĂ€tten Jerusalems besetzt hielten, kĂ€mpfen mĂŒssen.
Der ReulÀnder Kreuzfahrer hatte einen Bruder namens Kuno. Auch Kuno war eine einflussreiche Persönlichkeit. Er erlangte im Jahre 1213 das Patronatsrecht der Pfarre Thommen.
* ZVS 66 11, S. 135 f – ZVS-Artikel im PDF-Format bestellen ĂŒber Kontakt

1350: Befestigung St. Viths
FrĂŒher waren BĂŒrger und Bauer verantwortlich fĂŒr die Verteidigung ihrer Stadt. So rĂŒsteten sie sich anfangs selbst zu „SpießbĂŒrgern“ aus oder organisierten sich in sog. „SchĂŒtzenbruderschaften“.
Die erste Befestigung der Stadt wird fĂŒr das Jahr 1350 erwĂ€hnt. Damals war St. Vith keine freie Stadt. Es war der damalige Stadtherr, welcher die ZollstĂ€tte und den Markt zu seinen Gunsten zu schĂŒtzen suchte.
Die Befestigungsanlage bestand aus einer Mauer mit Wallgraben. Von ehemals sieben TĂŒrmen ist uns bis heute der BĂŒchelturm erhalten geblieben. Die Burg, welche den Rentmeister beherbergte, lag innerhalb dieser Ringmauer.
* Eine kleine Stadt …, S. 16 f
* Biblio 48

15. Jh.: Weistum
Die Grundherren bestimmten im Mittelalter, welche Abgaben die abhĂ€ngigen Bauern zu leisten hatten. Auch waren die Bauern verpflichtet, fĂŒr ihren Herren zu arbeiten. Diese Leistungen waren die sogenannten Herren- oder Frondienste.
Wozu der jeweilige Herr seine Untertanen verpflichten konnte und wie groß sein Grundgebiet war, wussten ihre Vertreter in den Dörfern, die Schultheißen und Schöffen. Sie waren rechtskundig und kannten die gĂŒltigen Gesetze und Gewohnheiten auswendig.
In einem Weistum sind die Gewohnheiten und RechtssprĂŒche eines Grundherren festgeschrieben. Auf das geltende Gesetz musste regelmĂ€ĂŸig durch die Schöffen hingewiesen werden.
* Biblio 9

1446: Schöffenbuch
Im Mittelalter und bis zur Neuzeit tagten die Schöffen drei- oder viermal im Jahr, um gemeinsam mit dem Schultheißen (Richter) zu beraten. Die von diesem Schöffengericht behandelten Streitsachen, VerkĂ€ufe, VertrĂ€ge oder Urteile wurden in einem Schöffenbuch niedergeschrieben.
Schöffen bildeten also das Gericht. Recht durften sie im Namen des Grundherrn oder der Stadt sprechen. Grundlage dieser Rechtsprechung war das Gewohnheitsrecht, welches lange Zeit mĂŒndlich weitergegeben worden war. Im SpĂ€tmittelalter kam es zur Niederschrift dieser mĂŒndlich tradierten Rechte in den sogenannten WeistĂŒmern.
Das erste Schöffenbuch der Bank Walhorn datiert aus dem Jahre 1446.

1582: Brandschatzung
Unter der Androhung, Feuer zu legen, erpressten feindliche Truppen vor allem die Bewohner der StÀdte, um sie auszurauben und zu zerstören.
Im Jahre 1582 kam es zur Brandschatzung Eupens.
Den Spanischen Niederlanden, zu denen die HerzogtĂŒmer Limburg und Luxemburg im 17. Jh. gehörten, stand Frankreich nicht friedlich gegenĂŒber. Auf Anordnung des französischen Königs Ludwig XIV. zogen dessen Truppen sengend und plĂŒndernd durch die spanischen Besitzungen. Zur Zerstörung der Stadt St. Vith kam es am 5. September 1689, als die Franzosen die Festungsanlagen schleiften. Malmedy und Stavelot gingen am 4. Oktober in Flammen auf.
* Eine kleine Stadt …, S. 16
* Biblio 48 und 51

1593: Belagerung St. Viths
Im Januar 1593 war Philipp von Nassau mit 1200 Reitern und 500 Fußsoldaten unterwegs. Am 17. Januar, so erzĂ€hlte es der luxemburgische Geschichtsschreiber Bertholet im 18. Jh., griffen die Truppen die Stadt an. Auf Seiten der Belagerer sei eine „Kriegsmaschine“ als Feuerwerfer zum Einsatz gekommen. Trotz dieses offensichtlichen Vorteils habe die Bevölkerung ihre Stadt drei Tage lang tapfer verteidigt und damit den Prinzen und seine Mannen in die Flucht gejagt.
* Eine kleine Stadt …, S. 16

17. Jh.: Auswanderungen
Der DreißigjĂ€hrige Krieg (1618-48) hatte ebenfalls nachteilige Folgen fĂŒr die hiesige Bevölkerung. Durchziehende Soldatengruppen hatten selbst unsere Region geplĂŒndert und verwĂŒstet. Die Landbevölkerung war diesen Heimsuchungen erlegen und durch Seuchen arg dezimiert worden.
Im Vergleich der FeuerstĂ€ttenverzeichnisse der Jahre 1621 und 1651 wird beispielsweise fĂŒr das Hofgebiet Manderfeld die Zerstörungsrate sichtbar. Von den 121 Haushalten der 16 Dörfer oder Weiler im Jahre 1621 können deren 30 Jahre spĂ€ter nur mehr 53 genannt werden.
Verarmt suchten manche Zeitgenossen der Höfe BĂŒtgenbach und Amel ihr Heil in der Flucht aus ihren verwĂŒsteten Dörfern. Vor allem in die Pfalz wanderten diese Leute ab.
* ZVS-Schriftenreihe, Nr.15

1689: Zerstörung St. Viths, Brandschatzung Malmedys

1795: Gemeinde
Im November 1794 teilten die Franzosen die eroberten Gebiete der Österreichischen Niederlande und das FĂŒrstbistum LĂŒttich neu ein. Es entstanden sog. „arrondissements“, ab dem Jahre 1795 „dĂ©partements“. Jedes Departement untergliederte sich wiederum in Kantone, in welchen sich die bestehenden Hofbezirke oder Gemeinden neu einordneten. Diese Kantone bildeten bis 1799 die kleinsten Verwaltungs- und Gerichtseinheiten. Die Gemeinden entsandten Agenten oder Beigeordnete in diese Kantonalverwaltung, an dessen Spitze ein PrĂ€sident stand. Dieser Verwaltung wurde ein Kommissar zur Seite gestellt, der die Anwendung der Erlasse und Gesetze zu ĂŒberwachen hatte.
Im Jahre 1800 kam es zu einer Neuordnung der Kantone, welche sich in neue BĂŒrgermeistereien aufgliederten. Diesen „Mairies“, welche sich aus den ehemaligen Hofbezirken oder Gemeinden bildeten, wurde ein „maire“ (BĂŒrgermeister) und Beigeordneter vorangestellt. Beide mussten schreibkundig bzw. der französischen Sprache mĂ€chtig sein beherrschen. Sie traten sehr oft die Stelle des bis dahin fungierenden Agenten an. Der Gemeinderat selbst setzte sich zusammen aus den Meistbeerbten einer BĂŒrgermeisterei.
* Altes Land an der Work, S. 113 ff
* Zwischen Ommerscheid und Wolfsbusch, S. 78 ff

1798: Klöppelkrieg
Die Franzosen hielten unser Gebiet seit dem Jahre 1792 in Besitz. Die hiesige lÀndliche Bevölkerung fand sich nicht einfach mit dieser Franzosenherrschaft ab. Im Jahre 1798 kam es in der heutigen Westeifel zu AufstÀnden. Besonders in den Orten Burg Reuland, Ouren, Schönberg, St. Vith und Amel gab es offenen Widerstand gegen die Besatzung und deren Gesetzgebung.
Die Verordnungen der französischen Revolutionsregierung kamen nicht an bei der Bevölkerung. Das Verbot von Kreuzen oder Heiligenbildern, eine neue Zeitrechnung, neue Steuern, Papiergeld und die eingefĂŒhrte Wehrpflicht waren den Menschen fremd und fragwĂŒrdig.
Die gesetzmĂ€ĂŸig erzwungene Aufgabe oder Änderung ihrer Gewohnheiten veranlasste viele Zeitgenossen zur Auflehnung gegen die Franzosen. Mit Klöppeln, als unzulĂ€nglich, bewaffnet zogen sie zwischen dem 27.10. und 3.11.1798 gruppenweise aus, um gegen die Verwaltung der Besatzer zu rebellieren. Sie waren nicht erfolgreich.
* Biblio 53 und 54
* ZVS-JS 2002-4 ZVS-Artikel im PDF-Format bestellen ĂŒber Kontakt

1815: Kreis
Nach den siegreichen FeldzĂŒgen der Preußen in den Jahren 1813-14 gegen die Franzosen (Napoleon) beschloss der Wiener Kongress (1815-16) die Zuteilung neuerworbener Gebiete an die Sieger. Unter diesen Neuerwerbungen befanden sich Gebiete der ehemaligen fĂŒrstlichen Abtei Stablo-Malmedy, der österreichischen Niederlande und des KurfĂŒrstentums Trier. Diese waren seit dem Jahre 1793 von den Franzosen besetzt gewesen.
Kreis ist die Bezeichnung fĂŒr ein preußisches Verwaltungsgebiet. Der Regierungsbezirk Aachen unterteilte sich seit dem 22. April 1816 in 13 Kreise, worunter sich der Stadtkreis Aachen, aber auch die Kreise Eupen, Malmedy und St. Vith befanden. Bereits im Jahre 1820 wird der Kreis St. Vith aufgelöst und dem Kreis Malmedy zugeordnet. Letzterer zĂ€hlte rund 23 000 Einwohner. Die Kreise bestanden bis 1920.
* Biblio 55 und 57

1815: Neutral-Moresnet
Hiermit ist ein Gebietsstreifen gemeint, ĂŒber dessen Zuordnung sich Preußen und die Niederlande beim Wiener Kongress nicht einig geworden waren. Hintergrund war wohl das Interesse beider Staaten an den reichhaltigen Galmeilagern des Altenberges.
Ab dem 16. Juni 1816 trennte eine vorlĂ€ufige Grenze den Teil der Gemeinde Moresnet ab, der fortan gemeinschaftlich von Preußen und den Niederlanden (ab 1830 Belgien) verwaltet werden sollte. Dieses Provisorium dauerte bis 1918.
* Biblio 56

1920: Volksbefragung
Es ist die Abstimmung der Wahlberechtigten ĂŒber eine bestimmte Sachfrage. FĂŒr die Menschen der DG wird eine solche Befragung aus dem Jahre 1920 immer wieder erwĂ€hnt.
Durch den Versailler Vertrag (28.06.1919) wurden die Kreise Eupen und Malmedy Belgien zugeteilt. Allerdings, so wollte es der Vertrag, sollten die Bewohner dieser Gebiete in einer Volksabstimmung schriftlich den Wunsch ausdrĂŒcken dĂŒrfen, „daß diese Gebiete ganz oder teilweise unter deutscher SouverĂ€nitĂ€t verbleiben“.
Im Jahre 1920 wurden in den beiden KreisstĂ€dten Malmedy und Eupen zwischen dem 26. Januar und dem 23. Juli Listen ausgelegt. Jeder, der sich mit dem Staatenwechsel nicht einverstanden erklĂ€ren konnte, durfte sich eintragen. Stimmberechtigt war alle MĂ€nner und Frauen, welche die deutsche Staatsangehörigkeit besaßen, 21 Jahre alt waren und seit dem 1. August 1914 in Eupen oder Malmedy wohnten. Von rund 34.000 Stimmberechtigten trugen sich nur 271 in die Listen ein.
Warum so wenige? Sicherlich liegt der Grund in der Art dieser Volksbefragung. Belgische Verwaltungsbeamte beaufsichtigten bzw. ĂŒberwachten die Befragung, sie waren keine neutralen Beobachter. Zudem verhielt sich die Bevölkerung abwartend, Furcht vor Strafmaßnahmen und politische GleichgĂŒltigkeit bestimmten ihre Haltung.
* Biblio 63

ab 1933: Judenschmuggel
Zum Sommer des Jahres 1941 sollten Ortschaften nach Möglichkeit „judenfrei“ gemeldet werden können. Die Behörden hatten sich zudem die Zusammenlegung der Juden zum Ziel gesetzt. Diese Maßnahmen schrĂ€nkten die MobilitĂ€t der ohnehin Verfolgten ungemein ein. Im Herbst 1941 wurden die ersten Judentransporte Richtung Lodz oder Riga zusammengestellt. Flucht war also der einzige Ausweg, wenn man ĂŒber kein sicheres Versteck verfĂŒgt.
In Wirklichkeit gab es jedoch immer noch „Fluchthelfer“, „GrenzgĂ€nger“, „Judenschlepper“ oder Fluchthilfeorganisationen, welche gegen gute Bezahlung jĂŒdische FlĂŒchtlinge ĂŒber die „grĂŒne Grenze“ nach Belgien brachten. Fluchthilfe aus NĂ€chstenliebe und Idealismus mag es jedoch ebenfalls gegeben haben.
* H.-D. Arntz, Judenverfolgung und Fluchthilfe, S. 652 ff

1941: Zwangssoldat
Die mÀnnliche Bevölkerung der Ostkantone war wÀhrend der Annexion von Eupen-Malmedy-St. Vith durch das Deutsche reich von 1940 bis 1944 der deutschen Wehrgesetzgebung unterworfen. Nach Zuerkennung der deutschen Staatsangehörigkeit (Erlass vom 23.09.1941) wurden sie zur Wehrmacht eingezogen.
Ein Teil der Wehrpflichtigen entzog sich dieser Einberufung; sie wurden spĂ€ter RefraktĂ€re genannt. FĂŒr diejenigen jedoch, welche Dienst in der Wehrmacht leisteten, prĂ€gte man die Bezeichnung Zwangseingezogene oder Zwangssoldaten.
* Biblio 74

1944-45: Zerstörung
Mit der Ardennenoffensive verbinden wir heute die beinahe völlige Zerstörung vieler Orte unserer Heimat. In der Tat vernichteten alliierte BomberverbĂ€nde St. Vith an den Weihnachtstagen 1944 fast ganz. Auch Malmedy wurde zu drei FĂŒnfteln zerstört, einige Dörfer fielen in Schutt und Asche. Trotz vorsorglicher Evakuierungsmaßnahmen fanden zahlreiche Zivilisten den Tod.
Nach der vollkommenen Zerstörung der Stadt St. Vith wurden Behelfsheime errichtet. Es entstand die sogenannte Neustadt mit ĂŒber 200 Wohnungen. Doch auch in den Dörfern ließen die Gemeinden Notbaracken bauen. Ende des Jahres 1946 waren von den rund 4800 bombengeschĂ€digten HĂ€usern der Eifel gerade mal 1940 wieder hergestellt.
* Biblio 72 und 76

1918/1945: Kriegsopfer
Der Erste Weltkrieg verlangte unserer Bevölkerung einen hohen Blutzoll ab. Mehr als 1800 Tote gab es zu beklagen.
Doch der Zweite Weltkrieg forderte ungleich mehr Opfer in unserer Region. Mindestens 19 Ostbelgier fielen bereits als belgische Soldaten im Mai 1940, als sie sich den eindringenden Deutschen zur Wehr setzen mussten.
Von 8700 MÀnnern, die in der deutschen Wehrmacht gegen die Alliierten kÀmpften, starben 3200 an der Front, wurden vermisst oder starben in der Gefangenschaft.
Doch auch rund 700 zivile Kriegsopfer gab es zu beklagen. Und dem Nazi-Regime direkt zum Opfer fĂŻelen rund 60 Personen.
* Bittere Erfahrungen, Band II
* Biblio 74

1945-1951: Kriegsgefangene

1954-1958: Schulkampf
Im Jahre 1951 und 1952 verbesserten die Schulgesetze des Unterrichtsministers Pierre Harmel besonders die Finanzlage der katholischen Schulen. Erstmals gab es nun fĂŒr die SchĂŒler der freien Mittelschulen UnterstĂŒtzung. Somit konnte das bis dahin von den Eltern gezahlte Schulgeld gesenkt werden, was ĂŒbrigens einigen Kindern erst den Besuch der Mittelschule ermöglichte.
Die sozialistisch-liberale Schulpolitik unter Unterrichtsminister LĂ©o Collard (ab 1954) suchte diese staatlichen ZuschĂŒsse zu kĂŒrzen. Auch sollten die Lehrer der katholischen Schulen, bisher von ihrer Lehranstalt bezahlt, nunmehr vom Staat bezahlt werden, und zwar dann, wenn sie ĂŒber einen staatlich anerkannten LehrbefĂ€higungsnachweis verfĂŒgten.
Die Verantwortlichen der katholischen Schulen und die Christlich-soziale Partei setzten sich zur Wehr. In unserer Region tat sich der Direktor der Bischöflichen Schule St. Vith, Rentgens, besonders kĂ€mpferisch hervor. Er und seine Mitstreiter zeigten Engagement, unterstĂŒtzten Unterschriftsaktionen, AufklĂ€rungsversammlungen und eine Massenkundgebung am 15. Mai 1955.
Die Collard-Gesetzgebung wurde im Juli 1955 abgemildert verabschiedet. Der Schulkampf fand dadurch ein Ende, doch blieben den katholischen Schulen materielle und finanzielle Nöte erhalten. Ein friedlicheres Nebeneinander von freien und staatlichen Schulen garantierte ab dem Jahre 1958 erst der sogenannte „Schulpakt“.
* Eine Schule in ihrer Zeit, S. 101 ff

1956: Deutsch-Belgisches Nachbarschaftsabkommen
Die Grenze zwischen den ehemaligen Kriegsgegnern Deutschland und Belgien blieb von 1945 bis 1956 geschlossen. Ein legales Überqueren derselben war nur mittels eines Passierscheines möglich; den stellte der Bezirkskommissar aus.
Diese Grenzbewachung hatte nur einen Grund: Eupen-Malmedy sollte kulturell, sprachlich und politisch zum belgischen Inland hin orientiert werden. Allerdings förderte diese Politik den Schmuggel.
Im September 1956 kam es zu einer neuen VerstĂ€ndigung zwischen den ehemaligen Kriegsgegnern Belgien und Deutschland. Deutschland, mittlerweile Bundesrepublik, unterstrich damit die völkerrechtliche UngĂŒltigkeit der Annexion Eupen-Malmedys von 1940. Gemeinsam vereinbarte man eine Grenzberichtigung, Ausgleichszahlungen und ein Kulturabkommen.
* Biblio 75

1963: Sprachengesetze
Die Sprachengesetze datieren aus dem Jahre 1963. Sie legen die Sprachengrenzen zwischen den Sprachgemeinschaften des Landes fest und regeln den Sprachengebrauch in Unterricht und Verwaltung. Damit wurde vor allem der ostbelgischen Sonderstellung Rechnung getragen, denn es verankerte fortan das Prinzip der Einsprachigkeit gesetzmĂ€ĂŸig.
Deutsch wurde als dritte Landessprache offiziell anerkannt. Das Gesetz vom 2. August 1963 nannte ebenfalls die (damaligen) 25 belgischen Gemeinden, in welchen Deutsch die offizielle Verwaltungssprache sein wĂŒrde.
* Biblio 79 und 125

1970: Kulturgemeinschaft
Seit 1963 besteht offiziell ein deutsches Sprachgebiet in Belgien. Alle neun deutsprachigen Gemeinden bilden heute die sogenannte Deutschsprachige Gemeinschaft. In eigener Verantwortung, also autonom, konnten die Vertreter der deutschsprachigen Belgier in einem Rat der deutschen Kulturgemeinschaft seit dem 24.12.1970 ĂŒber kulturelle Fragen entscheiden.
* Biblio 1, 123 und 125

1971: Partei der deutschsprachigen Belgier
Am 27.12.1971 wurde die PDB in St. Vith gegrĂŒndet. Sie versteht sich seither als Regionalpartei und damit als Pendant zu anderen Sprachenparteien Belgiens. Ihr Programm ist die grĂ¶ĂŸtmögliche Einforderung kultureller, wirtschaftlicher und politischer EigenstĂ€ndigkeit fĂŒr das deutsche Sprachgebiet Belgiens.
Die PDB löste damit die im gleichen Jahr gegrĂŒndete CUW, die Christlich UnabhĂ€ngige WĂ€hlergemeinschaft, des Eupener BĂŒrgermeisters Reiner Pankert ab. In dieser Partei setzte man sich die UnabhĂ€ngigkeit von den traditionellen Gruppierungen und die Verwirklichung des Föderalismus zum Ziel.
* Biblio 80

1973: Rat der deutschen Kulturgemeinschaft
Die kulturelle Selbstverantwortung war den deutschsprachigen Belgiern bereits in den Verfassungsreformen der Jahre 1968 und 1971 zugestanden worden. Die Bildung eines Rates, welcher diese kulturelle Autonomie gestalten sollte, ermöglichte jedoch erst das Gesetz vom 10. Juli 1973. Maßgeblichen Anteil an den Inhalten des AusfĂŒhrungsgesetzes hatte der Kelmiser Abgeordnete Willy Schyns. Zur dieser Zeit war er StaatssekretĂ€r fĂŒr die Ostkantone in der Regierung Leburton. Schyns gelang es, ein Patrizierhaus, nĂ€mlich das Anwesen Despa am Eupener Kaperberg, fĂŒr den kĂŒnftigen RdK anzukaufen und auszubauen.
Er war es auch, der den ersten RdK am 23.10.1973 einsetzte. Damals war der Rat noch nach einem Parteiproporz, also indirekt besetzt. Schon wenige Monate nach der ersten Einsetzung dieses Rates stĂŒrzte die Regierung Leburton. So konnte bereits am 10.03.1974 der erste direkt gewĂ€hlte Rat am Eupener Kaperberg einziehen. Zum ersten PrĂ€sidenten des RdK wurde der Elsenborner Johann Weynand gewĂ€hlt.
* Biblio 129 und 130

1976: Gemeindefusion
In der Franzosenzeit, genauer ab dem Jahre 1794, waren alle Gemeinden dem gleichen Verwaltungs- und Aufsichtssystem unterstellt worden. In der preußischen Zeit hatten dann wieder einige Unterschiede zwischen Stadt- und Landgemeinden bestanden. Die EinfĂŒhrung des belgischen Gemeindegesetzes geschah in Eupen-Malmedy erst durch den Königlichen Erlass vom 4.10.1925.
Gemeindefusionen, also ZusammenschlĂŒsse mehrerer kleinerer Gemeinden, umschrieb das Gesetz vom 30.12.1975. Dieses Gesetz trat am 1. Januar 1977 in Kraft. Es stellte die grĂ¶ĂŸte Reform des belgischen Gemeindewesens seit 1830 dar. Die Anzahl Gemeinden wurde von 2359 auf 589 fĂŒr das gesamte Königreich reduziert.
Da die belgischen Gemeinden jedoch stets in einer relativen kommunalen Autonomie funktioniert hatten, waren die PlĂ€ne des Innenministeriums auch fast ausschließlich auf UnverstĂ€ndnis gestoßen.
Im deutschsprachigen Ostteil des Landes gingen aus den 25 Gemeinden insgesamt 9 Großgemeinden hervor, von denen sich Eupen und St. Vith Stadt nennen dĂŒrfen.
* Biblio 153

1984: Rat der deutschsprachigen Gemeinschaft
Zu Beginn der 1980er Jahre reifte im RdK der Wunsch nach mehr Autonomie. Den beiden anderen Gemeinschaften gegenĂŒber erwarteten die deutschsprachigen Vertreter gleichgestellt zu werden. Sowohl die FlĂ€mische als auch die Französische Gemeinschaft bestanden de facto bereits seit dem 8. August 1980. Hintergrund war die Notwendigkeit, auch den Deutschsprachigen neue Befugnisse zuzugestehen.
Unter der Regierung Martens-Gol (1981-1985) wurden schließlich die Ostbelgiengesetze verabschiedet. Die Deutschsprachige Gemeinschaft konnte am 22.12.1983 gesetzlich verankert werden.
Am 30.01.1984 wurde der Rat der Deutschsprachigen Gemeinschaft erneut eingesetzt. Aus ihren Reihen durfte dieses Parlament nun eine eigene Regierung wÀhlen. Diese bildete die Exekutive und zÀhlte drei Gemeinschaftsminister.
* Biblio 141, 143 und 151

1985: Gerichtsbezirk
Die neun deutschsprachigen Gemeinden Belgiens bilden seit dem 23. September 1985 einen eigenen Gerichtsbezirk. Ein völlig eigenstÀndiges Gericht Erster Instanz tagt seit dem 1. September 1988 in Eupen. Die Sitzungen der Gerichte (Erste Instanz, Handels- und Arbeitsgericht) finden im Gerichtsbezirk Eupen grundsÀtzlich in deutscher Sprache statt.
* Biblio 152

1994: Wahlbezirk fĂŒr die Europawahlen
Als Wahlbezirk bezeichnet man den Teil eines grĂ¶ĂŸeren Gebietes, in dem die Wahl eines Parlamentes stattfindet. In einem solchen Wahlkreis können die wahlberechtigten Bewohner ihre(n) Vertreter wĂ€hlen. Seit 1994 haben die deutschsprachigen Belgier einen eigenen Wahlbezirk fĂŒr die Europawahlen.

1998: DG fordert eigene Befugnisse

LANDWIRTSCHAFT

Ab 1700: ViehverleihgeschÀft
Arme und verarmte Bauern mussten noch im 19.Jh. mit geliehenem Vieh wirtschaften und wurden dabei ausgenutzt; auf die Dauer eines Jahres durfte der Bauer die Milch und Zugkraft der geliehenen Kuh nutzen; als Gegenleistung musste er nicht nur die Kuh sondern zusĂ€tzlich ein knapp einjĂ€hriges Rind fĂŒttern. Nach einem Jahr nahm der Verleiher die Kuh und das inzwischen trĂ€chtige Rind zurĂŒck. Nach eigenem Ermessen entschĂ€digte er den Bauern fĂŒr den Mehrwert des Rindes und gab ihm das spĂ€ter geborene Kalb. So konnte der Bauer zu eigenem Vieh kommen. Allerdings war der Gewinn des Verleihers ĂŒbermĂ€ĂŸig hoch.
*KAUFMANN, Der Kreis Malmedy 1815-1865, Bonn, 1963, S.26
*Zwischen Venn & Schneifel, 1999, Nr.4, S.72

Ab 1764: Kartoffel
Die Kartoffel stammt aus SĂŒdamerika. Um 1578 brachten die Spanier sie nach Europa. Wegen ihrer Ähnlichkeit mit TrĂŒffeln wurde sie in Italien „Tartufoli“ genannt. Als Nahrungsmittel wurde die Kartoffel im Lande zwischen Venn und Schneifel in den 20er Jahren des 18. Jh. bekannt. Im Hofe Amel wurde sie bereits vor 1720 an vereinzelten Stellen angebaut und war um 1730 in allen Dörfern des Hofgebietes bekannt. In immer stĂ€rkerem Maße wurde sie die Grundlage der VolksernĂ€hrung. Um die Mitte des 19. Jh. wurde die Pflanze von der KartoffelkrautfĂ€ule befallen, so dass die Kartoffelernten sehr gering ausfielen. Viele Menschen unserer Gegend verarmten, litten Hunger. Mancher entschloss sich in dieser Notzeit auszuwandern, vor allem in die USA.
* ZVS,1976, Nr.4, S.58, Nr.6, S.89,
* ZVS 1998, Nr.2, S.34 – ZVS-Artikel im PDF-Format bestellen ĂŒber Kontakt

1856: Aufforstung
(Wieder-)Bepflanzung mit BĂ€umen von FlĂ€chen, die noch nicht oder nicht mehr mit nutzbarem Holz bedeckt sind. Wald bringt den Menschen nicht nur wirtschaftlichen Nutzen (z.B. Brennholz, Holzkohle, Viehfutter, Bauholz), er hilft das Klima zu verbessern (z.B. Windschutz) und Wasser zu speichern. Durch vielerlei Nutzungen hatten unsere Vorfahren den Wald zu Beginn des 19.Jh. weitgehend zurĂŒckgedrĂ€ngt. Große FlĂ€chen lagen öde, Armut bedrĂŒckte die Menschen. Um den Menschen in der Eifel neue Einnahmequellen zu erschließen, startete die preußische Regierung ein staatliches Aufforstungsprogramm und zwang auch die Gemeinde Waldungen anzulegen. Ödland und Venngebiete wurden somit einer besseren wirtschaftlichen Nutzung zugefĂŒhrt. Als schnellwĂŒchsiger Baum, der auf auf kargen Böden gedeiht, setzte sich die Fichte durch. Die Aufforstung fand zunĂ€chst nicht die Zustimmung der Menschen, da sie auf althergebrachte Nutzungsrechte verzichten mussten und die Waldungen als WeideflĂ€chen fĂŒr die damals zahlreichen Schafsherden wegfielen.
* ZVS, Jugendseiten 1999, ZVS-Artikel im PDF-Format bestellen ĂŒber Kontakt
* Nr. 4; BIKA, Alltag, 34

1878: Butterverein
Am 13. Oktober 1878 von Rektor Peter Cremer (1841-1908, Rektor in Emmels, dann Pfarrer in Amel) gegrĂŒndete Vereinigung zur Hebung der Butterproduktion zu Nieder-Emmels, besser noch als Butterverein des Rektors Cremer bekannt. Zweck dieser Vereinigung von Landwirten war es, zunĂ€chst gute Butter herzustellen und dafĂŒr auch einen entsprechenden Preis zu erzielen. Genau hier lagen die Probleme und die Ursachen fĂŒr die große Armut der Eifeler Bauern. Butter wird aus dem Fett der Milch hergestellt. Frauen hatten frĂŒher die Aufgabe, dieses Fett abzurahmen. In den vielen kleinen Betrieben geschah dies in einem zeitraubenden, unwirtschaftlichen Verfahren in kleinen SchĂŒsseln. Oft fehlte es an elementarer Sauberkeit. FĂŒr die mĂŒhsam gewonnene Butter erhielten die BĂ€uerinnen beim KrĂ€mer hĂ€ufig nur Ware, kein Bargeld. Erst wenn das Produkt Butter eine garantierte hohe QualitĂ€t besaß, wirtschaftlicher, also billiger erzeugt werden konnte, andererseits ein sicherer Absatzmarkt mit guten Preisen entstand, war den kleinen Landwirten geholfen. Nach einem von Rektor Cremer vereinfachten neuen Verfahren wurde SĂŒĂŸrahm-Butter hergestellt. Der Butterverein sorgte sich um Geschmack und Reinheit der Butter sowie um steigenden Absatz.
* BIKA, Alltag, 31
* ZVS, 1991, Nr.3, S.42f ZVS-Artikel im PDF-Format bestellen ĂŒber Kontakt
* CREMER H., 150 Jahre landwirtschaftliche Vereine und Genossenschaften in Eupen-Malmedy-St. Vith, Eupen, 1994, S.54f
* AEM, DĂŒnnbeinig mit krummen Horn, 1986, S.163 (Buttern), S.250 (Butterverein)

1883: Eifelfonds
Missernten brachten der Eifel in den Jahren 1882-83 große Not, sogar Hunger. Die Eifel war auf Hilfe von außen angewiesen. Besser noch als Hilfe in der Not aber ist, aus eigener Kraft erst gar keine Not entstehen zu lassen. Zu diesem Zwecke wurde vom preußischen Staat bestimmte jĂ€hrliche Geldmittel (= Fonds) vorgesehen. Dieser so genannte Eifelfonds, zu ? vom Staat und zu ? von der Provinz aufgebracht, wurde z.B. eingesetzt, um die Böden zu verbessern, ObstbĂ€ume, Hecken und BĂ€ume anzupflanzen, Wasserleitungen zu verlegen u.a.m.
* KAUFMANN, S.62, S. 88

1933, 1991: Molkerei
Es bringt viele Vorteile mit sich, wenn die Herstellung aber auch der Verkauf von Milchprodukten wie KĂ€se und Butter nicht mehr in und von jedem kleinen Bauernbetrieb, sondern zentral in einem großen ProduktionsgebĂ€ude und von einer GeschĂ€ftsstelle durchgefĂŒhrt wird. Dieser Übergang wurde begĂŒnstigt durch die Entwicklung der Zentrifuge, einer Maschine zur Entrahmung der Milch, die ab 1879/80 auf den Markt kam. Zum anderen verdienten die Menschen in den Industriezentren und StĂ€dten besser, so dass sie sich Butter und KĂ€se hĂ€ufiger leisten konnten. Die neuen strom- und motorbetriebenen Maschinen waren fĂŒr einzelne Bauernbetriebe unerschwinglich teuer. Warum nicht Geld zusammenlegen und sich diese Maschinen gemeinsam anschaffen? Ein solcher genossenschaftlicher Zusammenschluss bringt noch weitere Vorteile fĂŒr die angeschlossenen Bauern: Sie bleiben am Gewinn der Produktion und des Verkaufs beteiligt und behalten Mitspracherecht bei der jĂ€hrlichen Generalversammlung.
Am 15. Januar 1899 wurde die große Molkerei in BĂŒllingen eröffnet, der im 1. GeschĂ€ftsjahr 224 und im folgenden Jahr bereits398 Genossen angeschlossen waren. Die erste genossenschaftliche Molkerei war allerdings am 26. MĂ€rz 1897 in Valender mit 19 Genossen entstanden. Weitere folgten. Bis 1920 lief die BĂŒllinger Molkerei gut. Nach dem Staatenwechsels zu Belgien erlebte die Molkerei schwierige Zeiten. Ab 1931 sorgten neue Maschinen und eine verbesserte ButterqualitĂ€t fĂŒr neuen Aufschwung, der sich 1933 in der GrĂŒndung der Landwirtschaftlichen Zentralmolkerei GmbH bis 1944 fortsetzte. Die Ardennenoffensive brachte das vorĂŒbergehende Ende. Als BĂŒllinger-St.Vither Molkereigenossenschaft in BĂŒllingen wurde sie im Mai 1950 wieder in Betrieb gesetzt. Der Trend zu immer grĂ¶ĂŸeren Produktionseinheiten fĂŒhrte im Jahre 1991 zur Schließung der Molkerei in BĂŒllingen und St. Vith.
* CREMER H., 150 Jahre, S.58
* ZVS, 1991, Nr.9, S. 140f – ZVS-Artikel im PDF-Format bestellen ĂŒber Kontakt
* BIKA, Alltag, 31

1940-44: Kriegswirtschaft
Staaten, die Krieg fĂŒhren, mĂŒssen ungeheure Anstrengungen machen: die Versorgung der Menschen sichern, große Mengen RĂŒstungsgĂŒter wie Waffen und Munition herstellen, die Arbeitskraft der MĂ€nner, die in den Krieg ziehen, ersetzen, Rohstoffe sichern, selbst produzieren, was vorher vielleicht vom jetzigen Kriegsgegner eingefĂŒhrt wurde. Der Staat entscheidet, welche GĂŒter wichtig sind und vorrangig hergestellt werden, welche GĂŒter die Menschen in welchen Mengen kaufen und verkaufen dĂŒrfen. So entsteht eine Zwangswirtschaft. Verhalten und Versorgung der Menschen werden gesteuert. In besonders brutaler Weise hat Nazi-Deutschland, dem unser Gebiet zwischen 1940 und 1945 angeschlossen war, in die Wirtschaft und das Leben der Menschen eingegriffen, um die wahnsinnigen Kriegsziele und den Endsieg zu erreichen. Aus allen eroberten Gebieten wurden Menschen verschleppt und wie Kriegsgefangene, Gefangene, Juden gezwungen, unentlohnt und bei meist sehr schlechter Behandlung – viele starben – fĂŒr Deutschland zu arbeiten. Auch die Deutschen mussten sich den ZwĂ€ngen der Kriegswirtschaft unterordnen. Jede Familie hatte Anrecht nur auf eine bestimmte Menge Nahrungsmittel und anderer GebrauchsgĂŒter. Eingekauft wurde mit Karten, auf denen die zugeteilte Menge vermerkt war. Die GeschĂ€ftsleute konnten nur gegen Verrechnung dieser Karten neue Ware beziehen. Industrie und Handwerk erhielten PflichtauftrĂ€ge vom Staat, konnten ihr Rohstoffe nicht mehr gleich wo einkaufen, die Ware nicht mehr gleich wo verkaufen. Als ErnĂ€hrerstand wurde den Bauern und der Landwirtschaft große Aufmerksamkeit geschenkt. Die Bauernhöfe konnten nicht mehr an gleich wen vererbt werden. Da unsere Bauern als Belgier Kraftfutter aus den belgischen Kolonien billig bezogen, konnten sie viel Vieh pro WeideflĂ€che halten. Als deutsche Bauern sollten sie wegen der AbhĂ€ngigkeit vom Ausland nicht mehr auf dieses Kraftfutter zurĂŒckgreifen, sondern selbst mehr Futter erzeugen. Da auch hier die MĂ€nner als Soldaten eingezogen wurden, stellte man den Betrieben aus den eroberten Gebieten zwangsverpflichtete ArbeitskrĂ€fte zur VerfĂŒgung.
* SCHÄRER Martin, Deutsche Annexionspolitik im Westen, 2. Aufl., 1978, S.175f

1971: Naturpark Hohes-Venn-Eifel
Die Schaffung dieses Naturparks im Jahre 1971 ist in dreierlei Hinsichten bedeutungsvoll: zum werden wertvolle NaturrĂ€ume mit seltenen Tieren und Pflanzen wie z.B. das Hohe Venn besonders geschĂŒtzt vor störenden menschlichen Eingriffen, dann wird dieser Schutz in einer allgemeinen Raumordnung untergebracht, denn es leben und arbeiten weiterhin Menschen in diesen Zonen, schließlich kam es zu einer grenzĂŒberschreitenden Zusammenarbeit und Absprache, denn der Naturpark auf belgischer Seite wird mit dem bereits seit 1960 bestehenden deutschen Naturpark Nordeifel verwaltet.

INDUSTRIE UND GEWERBE

um 1100: MĂŒhle
GerĂ€t, mit dem u.a. Getreidekörner hĂ€ufig zwischen zwei gegenlĂ€ufig drehenden Steinscheiben zu Mehl zerrieben werden. Mehl braucht man zum Brotbacken. GrĂ¶ĂŸere MĂŒhlen konnten mit Wasserkraft betrieben werden, indem fließendes Wasser auf ein MĂŒhlenrad geleitet wurde, das die MĂŒhlsteine antrieb.
Von BannmĂŒhle spricht man, wenn ein Grundherr in frĂŒheren Zeiten die Menschen eines bestimmten Gebietes zwingen konnte, die Dienste seiner MĂŒhle gegen Entgelt in Anspruch zu nehmen.
* Zahlreiche Artikel in ZVS

Bergbau
Arbeiten, die mit der Suche, Gewinnung und Aufbereitung von BodenschÀtzen zu tun haben
Ab 1344 belegt, in Kelmis: Wie schon der Ortsname erkennen lĂ€sst, wurde in Kelmis (von Galmei = Zinkerz) am „Altenberg“ Zinkerz abgebaut. Das Metall wird bei hoher Temperatur aus dem Erz gewonnen. Aus diesem Grunde wurden große Mengen Holzkohle gebraucht und den WĂ€ldern schwer zugesetzt. Bis 1800 wurde es zur Messingherstellung verwendet und nach Dinant, NamĂŒr sowie Aachen geliefert.
* BIKA, Alltag, 19

Ab 1493 belegt, in Schönberg und Bleialf: auch hier lĂ€sst der Ortsname (Alf wurde erstmals 1584 als Bleialf erwĂ€hnt) auf das hauptsĂ€chlich geförderte Metall schließen. Stollen in Schönberg und ein als Museum eingerichtetes Bergwerk in Bleialf zeugen von der vergangenen BergbautĂ€tigkeit. Vom einstigen HĂŒttenwerk in Schönberg, wo das Metall aus dem Erz gewonnen wurde, ist nichts mehr erhalten. Ein vorlĂ€ufiges Ende fand dieser Bergbau Ende des 18. Jh. Als Folge des Angebots billiger spanischer Erze. In Bleialf wurde der Bergbau ab 1838 neu belebt. Auch Schönberger Bergleute fanden hier Arbeit. Im Jahre 1954 wurde auch hier der Bergbau endgĂŒltig eingestellt.
* ZVS 1974, Nr. 12, S.224f
* ZVS 1993, Nr. 10, S.161f
* ZVS, 1994, Nr.6, S.97f, Nr.7, S.117f ZVS-Artikel im PDF-Format bestellen ĂŒber Kontakt

1750: Gerberei (ab 1500 belegt)
Betrieb, in dem HĂ€ute und Felle von Tieren mit Hilfe von Gerbstoffen zu Leder verarbeitet werden. Gerbstoffe musste man frĂŒher aus Eichenrinde gewinnen: der Lohe. Lohgerben war harte Arbeit. Es war sehr anstrengend, die eingeweichten nassen HĂ€ute aus dem Gerberbottich zu ziehen. Diese HĂ€ute waren sehr schwer. Als Gerber durfte man auch keine empfindliche Nase haben. In mehreren Dörfern unserer Gegend, besonders aber in Malmedy und St. Vith gab es Gerbereien. Die Krisenjahre der frĂŒhen 80er Jahre des 19.Jh. sowie die Konkurrenz des billigeren amerikanischen Leders ließen von 50 Gerberein im Kreise Malmedy vorlĂ€ufig nur 40 ĂŒberleben.
* Jugendseiten ZVS, 1995, Nr.3, S.1 ZVS-Artikel im PDF-Format bestellen ĂŒber Kontakt
* BIKA Alltag, 36
* KAUFMANN, Bd. 2, S.68f

1560-1620: Töpferei
Herstellen von meist GefĂ€ĂŸen aus gebranntem Ton (Keramik). In der Umgebung von Raeren findet man abbaufĂ€higen feinen Ton im Boden. Der Töpfer formt GefĂ€ĂŸe aus Tonklumpen auf der drehenden Töpferscheibe. Die geformten GefĂ€ĂŸe wurden in einem Ofen bei rund 1250° C gehĂ€rtet. Wurden sie dabei mit Salz ĂŒbergossen, entstand eine kratzfeste Glasur. Zwar fand man GefĂ€ĂŸscherben aus den 12./13. Jh., stĂ€ndig produziert wurde ab etwa 1500 bis um 1850. Das Töpfereigewerbe war zunftmĂ€ĂŸig geregelt.
* BIKA, Alltag, 20

1680: Tuchmanufakturen
Tuchmacher stellen Tuch, also Stoffgewebe aus Streichgarn her, das wiederum aus Schafswolle gewonnen wird. In Eupen findet man wie in Verviers das weiche Wasser, das sich zum Waschen der Wolle besonders eignete. Manufakturen sind große Handwerksbetriebe, die VorlĂ€ufer der Fabriken. Eupen nahm einige bedeutende Tuchkaufleute auf, die ab 1614 wegen ihrer protestantischen Religionszugehörigkeit aus Aachen vertrieben wurden. Einige sehr schöne HĂ€user, die diese reichen TuchhĂ€ndler errichten ließen, sind noch heute in Eupen erhalten.
* BIKA, Alltag, 21

1725: Steinmetz
Er bearbeitet Platten und Blöcke aus Natur- oder Kunststeinen zu Bauteilen (z.B. Mauerwerk, Bodenplatten, Fenster- und TĂŒrgewĂ€nde, FensterbĂ€nke, Schwellsteine, Treppenstufen, Tröge
), DenkmĂ€ler (z.B. Grabsteine und –kreuze 
) und Plastiken. Den Aufschwung des Steinhandwerks verdankt Recht nicht nur seinem abbauwĂŒrdigen Schieferstein, dem Blaustein, sondern auch der Zuwanderung von Tiroler Steinmetze ab 1725. Gegen Ende des 19.Jh. wurde eine industrielle Förderung im Untertagebau versucht und dabei zwei Stollen in den Berg getrieben. Zu Beginn des 20. Jh. kam die Gewinnung und Bearbeitung des Blausteins wegen starker Konkurrenz zum Erliegen. Heute bemĂŒht man sich darum, die beiden Stollen als Touristenattraktion wieder zugĂ€nglich zu machen.
* ZVS, 1971, Nr. 10, S.154f – ZVS-Artikel im PDF-Format bestellen ĂŒber Kontakt
* Steine die reden, St. Vith und sein Umland, Gemeindekredit, 1993, S.45f
* BIKA, Alltag, 36)

1804: Handelskammer Eupen-Malmedy
Viele Menschen haben ein Interesse daran, dass es den Unternehmen, Fabriken und den GeschĂ€ften gut geht: zunĂ€chst natĂŒrlich die Besitzer, dann aber auch ihre BeschĂ€ftigten, die sich einen sicheren gut bezahlten Arbeitsplatz wĂŒnschen, nicht zuletzt die Gemeinden, StĂ€dte und der Staat, denn schließlich erhalten sie mehr Steuergelder, wenn es den Unternehmen gut geht, die Menschen gut bezahlte ArbeitsplĂ€tze haben. Ende des 18. Jh. und Beginn des 19. Jh. wuchs die Zahl und die Bedeutung der Industrieunternehmen, der Handel blĂŒhte auf. Außerdem hatte man die Wirtschaft von vielen ZwĂ€ngen befreit, damit sie sich frei entfalten konnte. Das brachte mehr Konkurrenz mit sich und die Einsicht der Unternehmer, HĂ€ndler, auch der Gemeinden und des Staates, die eigene Wirtschaft zu fördern. Am 2. April 1804 wurden in 154 französischen StĂ€dten – unter ihnen auch Eupen und Malmedy, die damals wie ganz Belgien zu Frankreich gehörten – „Beratende Kammern fĂŒr Manufakturen, Fabriken, KĂŒndste und Kleingewerbe“ gegrĂŒndet. Ihre Aufgabe bestand darin, die BedĂŒrfnisse der Manufakturen, Fabriken und des Gewerbes aufzuzeigen. Um deren Lage zu verbessern, machten sie den Politikern VorschlĂ€ge. Die Kammern ĂŒberlebten auch den Staatenwechsel zu Preußen 1815 und Belgien 1920. Die offizielle Bezeichnung von 1929 „Industrie- und Handelskammer zu Eupen umfassend die Kantone Eupen-Malmedy-St. Vith“ besteht heute noch, auch wenn allgemein die Rede von der Industrie- und Handelskammer Eupen-Malmed-St. Vith ist.
* ZVS, 1993, Nr.1, S.10f und Nr. 2, S.32f – ZVS-Artikel im PDF-Format bestellen ĂŒber Kontakt

1896: Gewerkschaft
Zusammenschluss von Menschen, die von einem Arbeitgeber beschĂ€ftigt werden, mit dem Zweck, gemeinsam ihre Interessen (z.B. bessere Arbeitsbedingungen, höhere Löhne, Schutz vor Entlassung 
) besser vertreten zu können. 1896 wurde in Eupen der „Christlichsoziale Textilarbeiterverband“ gegrĂŒndet. Er kĂ€mpfte fĂŒr die „Förderung der Lage und der geistigen, moralischen und materiellen Interessen“ seiner Mitglieder.
* BIKA, Alltag, 24

1960, 1970: Industriezone
Gemeint sind besondere FlĂ€chen, die von Gemeinden fĂŒr die Industrie in besonders gĂŒnstigen Lagen eingerichtet werden. Die Gemeinden werden dabei von hierfĂŒr geschaffenen Gesellschaften unterstĂŒtzt. Diese FlĂ€chen sind z.B. eingeebnet und sofort bebaubar. Sie sind außerdem mit allem ausgerĂŒstet, was Unternehmen brauchen: breite Zulieferstraßen mit Beleuchtung, schneller Anschluss an das Autobahnnetz, Strom- und Wasserleitungen, Kanalisation. Sinn der Vorleistung der Gemeinde ist natĂŒrlich ansĂ€ssige Unternehmen zu fördern oder neue herbeizulocken, um ArbeitsplĂ€tze zu erhalten oder zu vermehren. Ein weiterer Vorteil der Industriezonen besteht darin, dass man die Industrien aus den Wohngebieten abzieht und hierhin verlagert, denn die industrielle TĂ€tigkeit ist oft mit BelĂ€stigungen fĂŒr die Umwelt verbunden wie LĂ€rm, unangenehme GerĂŒche, Belastungen und GefĂ€hrdungen der Umwelt.

HANDEL UND VERBINDUNGEN

1. Jh.: Römische Straßen
Die Römer glaubten, die eroberten Gebiete wie Gallien am ehesten fĂŒr sich zu können, wenn sie den Menschen die Vorteile der römischen Lebensweise zeigten. Zu diesem Zweck errichtete sie ĂŒberall StĂ€dte. StĂ€dte mĂŒssen mit Vielem versorgt werden, tauschen aber auch GĂŒter aus. Dazu benutzt man FlĂŒsse und natĂŒrlich Straßen. Die Straßen dienten aber auch dazu, Soldaten schnell in Unruhegebiete zu verlegen. Viele Straßen wurden ab der Mitte des 1. Jh. n. Chr. unter Kaiser Claudius (41-54 n. Chr.) gebaut. Eine bedeutende Römerstraße verlief direkt durch unsere Heimat. Sie verband die bedeutenden RömerstĂ€dte Köln (Colonia Agrippinensis oder vollstĂ€ndig Coloina Claudia Ara Agrippinensium) und Reims (Durocortorum). Diese Straßen und ihre Nebenverbindungen (Diverticula) erleichterten auch hier die GrĂŒndung von Gehöften und Stationen, aus denen sich dann Siedlungen entwickeln konnten. Auch die wichtigen ? Königshöfe sind mit diesen Römerstraßen in Verbindung zu bringen.
* ZVS, 1992, Nr. 5, S.75f: JENNIGES Hubert, Die Römerstraße Reims-Köln zwischen Ösling und Venn ZVS-Artikel im PDF-Format bestellen ĂŒber Kontakt

Um 700: Königshöfe
Nachdem das germanische Volk der Franken ins Römische Reich eingefallen war und auch unsere Gegend in Besitz nahm, lief das Leben der Menschen wieder in viel einfacheren Formen ab. Nicht die StĂ€dte, sondern Landwirtschaft und lĂ€ndliche Lebensweisen standen im Vordergrund. Auch die staatliche Verwaltung war nicht mehr so gut organisiert. So konnte die Steuern nicht mehr so leicht eingezogen werden. Sogar die Herrscher der Franken lebten von ihren großen landwirtschaftlichen GĂŒtern. NatĂŒrlich ließen sie diese von ihren Stellvertretern, den Meiern, bewirtschaften. Es gab nicht einmal eine feste Hauptstadt. Die Könige zogen von einem ihrer Höfe zum anderen, ließen sich bewirten und regierten. Da unsere Gegend zu dem Teil des Reiches gehörte, in dem die Könige, spĂ€ter auch Kaiser gerne aufhielten, gab es hier mehrere Königshöfe, die nicht zufĂ€llig in der NĂ€he der alten Römerstraße lagen: Thommen, Amel, BĂŒllingen, Manderfeld und schließlich Neundorf, eine NachgrĂŒndung, im Eupener Land noch Walhorn. Diese Höfe spielten fĂŒr die Entwicklung unserer Gegend eine wichtige Rolle. Von ihnen gingen Wellen von Rodungen und SiedlungsgrĂŒndungen aus. Sie waren Verwaltungszentren, Urkerne auch unserer Pfarreien. Hier wurde Gericht gehalten.
* BIKA, 42
* ZVS, 1988, Nr. 11-12: JENNIGES Hubert, Die geschichtliche Leistung der Königshöfe im Lande zwischen Venn und Schneifel ZVS-Artikel im PDF-Format bestellen ĂŒber Kontakt

1157: Markt
Im FrĂŒhmittelalter lebten fast alle Menschen in Dörfern, in und von der Landwirtschaft. Da sie meist verpflichtet waren fĂŒr einen Grundherrn, also demjenigen, der den Ackerboden besaß, zu arbeiten, durften sie ihre Dörfern nicht verlassen. StĂ€dte gab es kaum noch. Ab der 2. HĂ€lfte des 11. Jh. n.Chr. ging es den Menschen in Westeuropa wieder besser. Die Landwirtschaft machte große Fortschritte (? Kummet, RĂ€derpflug, Dreifelderwirtschaft) Mehr Menschen konnten besser ernĂ€hrt werden. Nicht mehr so viele Menschen mĂŒssen in der Landwirtschaft arbeiten. Einige können ein HandwerkausĂŒben oder Handel treiben. Sie ließen sich in StĂ€dten nieder. Diese mĂŒssen versorgt werden, tauschen aber auch untereinander aus. Kein wunder, dass an MĂ€rkten großes Interesse bestand. FĂŒr St. Vith ist spĂ€testens fĂŒr 1157 ein Markt nachgewiesen. St. Vith lag verkehrsgĂŒnstig und zog mit seinen Vitus-Reliquien Pilger an. Mit seinem Markt konnte es den alten Königshof Neundorf ĂŒberflĂŒgeln, in dessen Schatten es bis dahin lag. Der Markt hatte aber eine weitere Bedeutung. Handwerker, HĂ€ndler und mit ihnen entstehende Reichtum konnten sich am ehesten in Freiheit und Sicherheit entwickeln. Herren, in deren Herrschaftsgebiet StĂ€dte entstanden, erkannten ihren Vorteil und gewĂ€hrten den Stadtbewohnern neue Freiheiten. StĂ€dten und ihren BĂŒrgern verliehen sie Rechte, aber auch Sicherheit: nach außen durch eine Stadtmauer, nach innen durch den Marktfrieden. Dieser Marktfriede wurde durch das Marktkreuz symbolisiert. Zur gleichen Zeit wie die Befestigungsanlage um 1350 erhielt die Stadt St. Vith sogar das Recht, eigene MĂŒnzen zu prĂ€gen, die „moneta Sancti Viti“, die den Warenaustausch erleichtern sollte. Auf dem St. Vither Markt wurde gehandelt mit: Brot, Fleisch, Getreide, Salz, Leder, Schuhe, KĂŒbel, Töpfe, Leinen, Nadeln und NĂ€gel.
* NEU HEINRICH, Der „Markt St. Vith“ und seine Entwicklung zur Stadt in ZVS, 1973, Nr.8, S.125f, Nr.9, S.147f
* JENNIGES Hubert, Die Moneta Sancti Viti in ihrer geschichtlichen Umwelt in ZVS, 1972, Nr.5, S.78f

1899: Kreissparkasse
Im 19. Jh. waren viele Menschen sehr arm. Sie hatten wenig Bargeld. Banken, die den Menschen Geld geliehen hĂ€tten, gab es noch nicht. Also konnten die Menschen keine Anschaffungen machen, um ihre Bauernhöfe zu verbessern. Folglich blieben sie arm. Das war fĂŒr die Gemeinden und darĂŒber dem Kreis Malmedy nicht gut, denn arme Menschen bezahlen wenig Steuern. Die Gemeinden können wiederum wenig fĂŒr ihre Einwohner tun. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, kam man auf die Idee, öffentliche Sparkassen einzurichten. Ab November 1899 bot die Kreissparkasse des Kreises Malmedy allen Kreisbewohnern die Möglichkeit, ersparte GeldbetrĂ€ge gewinnbringend anzulegen, aber auch Geld zu gĂŒnstigen Bedingungen zu leihen. Selbst der Kreis und die Gemeinden erhielten die Möglichkeit, Geldmittel fĂŒr ihre Vorhaben aus der gemeinsamen Sparkasse zu erhalten. Bereits 1900 wurden Zweigstellen der Kreissparkasse in St. Vith, BĂŒtgenbach und BĂŒllingen, 1905 in Amel, Burg-Reuland, Manderfeld und Weismes und 1912 in Weywertz eröffnet. Zum ersten Male konnten die Menschen Bankdienste in ihrer NĂ€he in Anspruch nehmen.
* KAUFMANN, Bd.2, S.151f

1926, 1935: Talsperren
wurden hauptsĂ€chlich gebaut, um die unterschiedliche WasserfĂŒhrung von WasserlĂ€ufen auszugleichen, Strom zu erzeugen, Trinkwasser zu gewinnen. Ab den 50er Jahren zogen sie auch Touristen und Wassersportler an. In den 20er Jahren mit ihrem industriellen Aufschwung wurden in Belgien die so genannte SOFINA gegrĂŒndet, eine Gesellschaft, die zur Aufgabe hatte, die Herstellung von elektrischer Energie zu prĂŒfen und durchzufĂŒhren. Ihre Tochtergesellschaft, die am 25. August 1925 gegrĂŒndete SERMA, begann noch im Dezember desselben Jahres mit dem Bau der Talsperre Robertville im Warchetal. Die Staumauer wurde vorwiegend von italienischen Arbeitern aus Beton errichtet. Die Anlage wurde am 21. Juli 1929 eröffnet. Mit einem großen GefĂ€lle von 154 m zwischen Staumauer und der Stromzentrale in BĂ©vercĂ© eignet sich die Talsperre Robertville besonders gut fĂŒr die Stromerzeugung. Damit der Stausee stĂ€ndig genĂŒgend Wasser in Vorrat hat, wurde ein zusĂ€tzliches Reservestaubecken talaufwĂ€rts in BĂŒtgenbach zwischen 1930 und 1932 angelegt. Auch hier wird Strom erzeugt. Seit den 50er Jahren zieht sie auch verstĂ€rkt Touristen und Wassersportler an. Die Wesertalsperre in Eupen wurde zwischen 1935 und 1951 errichtet, um die unregelmĂ€ĂŸige WasserfĂŒhrung der Weser auszugleichen. Am Fuße der Staumauer befindet sich eine Wasseraufbereitungsanlage, so dass das Eupen, Herver und LĂŒtticher Land mit Trinkwasser versorgt werden können.
* KLAUSER Klaus-Dieter, Talsperren im Land von Venn und Schneifel in ZVS, 1998, Nr.7, S.123f, Nr.8, S.148, Nr.9, S.172
* ZVS, Jugendseite, 1997, Nr.3, Wie kam der Strom in die Eifel

Ab 1830: Straßenbau
Die viel gepriesenen Römerstraßen wurden wĂ€hrend des Mittelalters aus verschiedenen GrĂŒnden nicht mehr unterhalten und verfielen. Erst im 18.Jh. begannen Staaten in West- und Mitteleuropa ein Netz von Kunststraßen, so genannten Chausseen, zunĂ€chst zwischen den wichtigsten StĂ€dten auszubauen. Diese Chausseen verliefen möglichst geradlinig, vermieden allerdings wegen der notwendigen Vorspanndienste – bei starken Steigungen mussten zusĂ€tzliche Pferde eingespannt werden – zu starkes GefĂ€lle. Sie hatten einen festen Untergrund, eine glatte feste OberflĂ€che, die anfangs aus Kies und Schotter bestand, ab 1820 nach dem Verfahren von Macadam mit eingewalzten kleinen Steinen. Zu beiden Seiten dieser Chausseen liefen GrĂ€ben, die das abfließende Wasser aufnahmen, und Schatten spendende Baumreihen. Eupen wurde in den 80er Jahren des 18. Jh. an die seit 1750 bestehende Chaussee zwischen LĂŒttich und Aachen angebunden.
Seit Beginn des 19.Jh. brachten die Staaten, die bis dahin das meiste Geld fĂŒr das MilitĂ€r ausgaben, mehr Geldmittel auf fĂŒr den Ausbau von Verkehrswegen.
Um 1830 fĂŒhrte allein die Staatsstraße LĂŒttich-Straßburg ĂŒber Malmedy, BĂŒtgenbach und PrĂŒm durch unser Gebiet. Der Abschnitt BĂŒtgenbach-PrĂŒm war noch nicht ganz befestigt.
Die Bezirksstraßen Aachen-Trier ĂŒber Montjoie und BĂŒtgenbach, wo sie auf die Staatsstraße LĂŒttich-Straßburg stieß, und BĂŒtgenbach-Amel-St. Vith-Luxemburg sowie BĂŒtgenbach-Stadtkyll waren noch nicht vollstĂ€ndig „chaussiert“. Die Gemeindestraßen waren in sehr schlechtem Zustand.
Ab 1840 begann man mit dem Ausbau dieser Bezirksstraßen, allerdings auch mit Geldmitteln der Provinz und der Gemeinden. In den folgenden Jahren wurden wichtige regionale Straßen in Stand gesetzt: die Verbindung zwischen Eupen und Malmedy ĂŒber das Hohe Venn, zwischen Morschheck und Rocherath, St. Vith und Losheim, St. Vith und SteinebrĂŒck, Recht und Poteau, Oudler und Reuland.
Man sprach von „PrĂ€mienstraßen“, wenn der Staat die Gemeinden zum Straßenbau durch PrĂ€mienzahlung ermunterte. Den Gemeinden war es auch gestattet fĂŒr die Benutzung der PrĂ€mienstraßen Chausseegeld zu erheben. Die einzelnen Gemeinden vervollstĂ€ndigten ihr Wegenetz ab 1865 bis zur Jahrhundertwende. Bis auf wenige Ausnahmen war jetzt jedes Dorf an den Verkehr angeschlossen, so dass der Warenaustausch leichter und billiger ablief. Dies kam vor der Landwirtschaft zugute. Die feine VerĂ€stelung der festen Straßen ermöglichte dann etwa 50 Jahre spĂ€ter eine schnelle Verbreitung des Automobils.
* BIKA 18, Schlechte Verkehrverbindungen
* BIKA 37, Schnellere Verkehrsverbindungen
* L. NILLES, Erbauung der heutigen Straße SteinebrĂŒck – St. Vith (1852-56) in ZVS, 1972, Nr.2, 18f
* KAUFMANN, Bd. 1, S.89f; KAUFMANN, Bd. 2, S.175f
* F.-W. HENNING, Die Industrialisierung in Deutschland 1800 bis 1914, UTB, 1973, S.81, 165f, 237f
* PAQUET A., Der erste Bus in ZVS, 1982, Nr.9, S.134
* GROMMES K., FrĂŒhere TransportverhĂ€ltnisse in ZVS, 1993, Nr.6, S.98f
* WEISS P, Von alten Straßen in der Westeifel in ZVS, 1993, Nr.6, S.96f mit Karte ca. 1840

1964, 1972: Autobahnbau
In Belgien gehen etwa 70% der Waren- und knapp 80% der Personentransporte ĂŒber die Straße. Im Jahre 1929 gab es in Belgien 145 000 Autos, 360 000 im Jahre 1949. Zwischen 1970 und 1993 hat sich der Bestand an Personenkraftwagen in Belgien von 2 Mio. auf ĂŒber 4 Mio. verdoppelt. Die LĂ€nge des Autobahnnetzes hat sich im gleichen Zeitraum von 411 km auf 1631 km vervierfacht. FĂŒr Beruf und Freizeit wĂŒnschen die Menschen, sich schnell, bequem, hĂ€ufig und unabhĂ€ngig von anderen Menschen fortbewegen zu können. Um diesem Wunsch zu entsprechen, haben die Politiker in der Nachkriegszeit das Straßen-, vor allem aber das Autobahnnetz ausgebaut. Eine Ă€hnlich ungeklĂ€rte Frage wie mit Ei und Huhn drĂ€ngt sich auf: Gibt es mehr Autos, weil es mehr Straßen gibt, oder umgekehrt? Das Auto bietet dem Nutzer vielfĂ€ltige Vorteile im Vergleich zu allen anderen Transportmitteln. Der Gesellschaft entstehen durch den Autoverkehr hohe Kosten: In Europa trĂ€gt er zu 7% zum Reichtum und zu den ArbeitsplĂ€tzen bei, verschlingt aber 40% der öffentlichen Investitionen und verbraucht 30% der Energie, ganz abgesehen von den vielen Verkehrstoten und Verletzten.
Das kleine Belgien im Herzen Europas hat ein sehr dichtes Autobahnnetz mit inzwischen zahlreichen Verbindungen zu den Nachbarstaaten. Zwei dieser Verbindungen laufen durch das Gebiet der deutschsprachigen Gemeinschaft. Die 1964 eröffnete Autobahn zwischen Aachen und LĂŒttich, die E40, trug zur wirtschaftlichen Entwicklung Eupens bei, besonders natĂŒrlich des Speditionswesens. Bis zur Schaffung des europĂ€ischen Binnenmarktes mit seinem freien Verkehr von Waren, Personen, Dienstleistungen und Kapital ab dem 1. Januar 1993 war der ZollĂŒbergang Eynatten-Lichtenbusch eine der grĂ¶ĂŸten Zollabfertigungsstellen Europas. Im Jahre 1993 passierten in Höhe von Eupen etwa 4 500 Lastkraftwagen tĂ€glich in beide Richtungen die E40.
Am 1. MĂ€rz 1977 begannen die Arbeiten an der Autobahn Verviers – St. Vith – PrĂŒm, der A27/E42, in unserem Gebiet mit dem TeilstĂŒck Emmels – St. Vith-SĂŒd. Allein auf diesem 8,8 km langen StĂŒck mussten 7 BrĂŒcken errichtet werden. Im Jahre 1986 wurde die deutsche A60, die an der deutsch-belgischen Grenze etwa in der Mitte des Viadukts ĂŒber den Grenzfluss Our bei SteinebrĂŒck beginnt, dem Verkehr ĂŒbergeben, allerdings nur als dreispurige Schnellstraße. Erst im Jahre 1995 wurde die A27 mit dem Bau des Viadukts des Eau Rouge bei Francorchamps durchgehend befahrbar. Auf belgischer Seite hatte man sich vom Bau dieser Autobahn eine bessere Verbindung des Antwerpener Hafens und Industrieraums – die Konkurrenz Rotterdams dank der gĂŒnstigen Rheinschien wurde immer stĂ€rker – sowie des LĂŒtticher Raumes mit Rhein-Mein-Industrieraum erhofft. Auf deutscher Seite scheint das Interesse an einem Ausbau der A60 nicht so groß.
* BIKA, Alltag 37
* FAGNOUL K., Autobahnen – Pulsadern des Verkehrs in ZVS 1973, Nr. 3, S.67f
* KELKEL F., Vom vorgeschichtlichen Trampelpfad zur A27/A60 in ZVS, 1986, Nr.10, S.160f

1864, 1885: Eisenbahn „Vennbahn“
Die ersten Eisenbahnstrecken wurden von Privatgesellschaften gebaut, um mit dem neuen Transportmittel Gewinne zu erzielen. Wegen der geringeren Baukosten wurden die ersten Bahngeleise im Flachland und entlang von FlĂŒssen und wegen der grĂ¶ĂŸeren Kundschaft zwischen wichtigen Industriegebieten verlegt. Am Nordrand von Eifel-Ardennen entstand 1841-43 die Eisenbahnverbindung Antwerpen – BrĂŒssel – LĂŒttich – Aachen – Köln. Ein bemerkenswertes Bauwerk auf dieser Strecke ist die 1841 erbaute „HammerbrĂŒcke“ ĂŒber die Göhl zwischen Hergenrath und Astenet. Eupen wurde 1863 an diese Strecke angeschlossen.
Die lĂ€ndliche, wenig besiedelte und gebirgige Eifel wurde erst spĂ€ter an das Eisenbahnnetz angeschlossen, nachdem zwei gĂŒnstige UmstĂ€nde zusammentrafen: Nach dem Sieg Deutschlands ĂŒber Frankreich im Jahre 1870 erwarb es das lothringische Erzbecken und im Jahre 1880 wurde die Rheinische Eisenbahngesellschaft verstaatlicht. FĂŒhrte man eine Bahnlinie von Aachen (Rothe Erde) ĂŒber das Hohe Venn nach Ulflingen in Luxemburg – dessen Wirtschaft war eng mit der deutschen verbunden – konnte man zwischen den Industrierevieren in Aachen und Lothringen Kohle und Eisenerz austauschen. Wegen der großen Höhenunterschiede und dem gebirgigen GelĂ€nde mussten zahlreiche BrĂŒcken, Tunnels, SchĂ€chte und DĂ€mme gebaut werden. So fanden viele Menschen aus der nĂ€heren und weiteren Umgebung, ja sogar Gastarbeiter z.B. aus Italien, Arbeit und Einkommen bis das letzte TeilstĂŒck zwischen Lommersweiler und Ulflingen 1889 eröffnet werden konnte. Von St. Vith ĂŒber SteinebrĂŒck, Bleialf, PrĂŒm und Geroldstein fĂŒhrte eine Anschlussstrecke an die Linie Köln – Trier. Aus militĂ€rischen GrĂŒnden wurden weitere Verbindungslinien, die so genannten Kriegsbahnen verlegt: 1912 nach Osten von Weywertz ĂŒber Losheimergraben nach Stadtkyll mit Anschluss an die Köln-Trier-Linie; 1917 nach Westen von Born nach Vielsalm, von St. Vith nach Gouve mit Anschluss an die Luxemburg-LĂŒttich-Linie, letztere ĂŒbrigens mit Hilfe von kriegsgefangenen Russen.
Die Bahn als schnelles, kostengĂŒnstiges und sicheres Verkehrsmittel brachte den Menschen hier Arbeit, den Orten, die sie berĂŒhrte wirtschaftliche Vorteile. Insbesondere in St. Vith wurden zahlreiche ArbeitsplĂ€tze geschaffen, so dass die Bevölkerung des kleinen StĂ€dtchens schnell wuchs. Die Bahn erleichterte das Reisen transportierte u.a. Futter- und DĂŒngemittel, industriell hergestellte Baustoffe, Schlachtvieh und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse vom Land in die StĂ€dte. Ihre Glanzzeit erlebte die Vennbahn Beginn der 20er Jahre des 20. Jh., also noch nach dem Wechsel unseres Gebietes von Deutschland nach Belgien. Bald danach begann ihr Niedergang. Die Kohle-Erz-Transporte gingen zurĂŒck, da das Aachen HĂŒttenwerk „Rothe Erde“ geschlossen wurde, und wurden infolge der Weltwirtschaftskrise ganz eingestellt. In der Endphase des 2. Weltkrieges, im Herbst 1944, wurde Teile der Vennbahn zerstört. Nach dem 2. Weltkrieg begann der Siegeszug des Automobils. Die KriegsschĂ€den zwischen Lommersweiler und Reuland wurden nicht repariert. Der Personenverkehr wurde in den 50er Jahren des 20. Jh. allmĂ€hlich eingestellt. Auch der GĂŒterverkehr kam ab den 60er Jahren des 20. Jh. unter dem Konkurrenzdruck des Straßentransports zum erliegen.
Seit dem 2. Juni 1990 verkehren wieder Dampfloks als Touristenattraktion an Sonn- und Feiertagen auf dem TeilstĂŒck der Vennbahn zwischen Raeren und BĂŒllingen.
Jugendseiten 1994, Nr.2
* BIKA Alltag, 37 Schnellere Verkehrsverbindungen
* MIRKES D (Red.), Vennbahn, damals und heute, 1991, Naturparkzentrum Botrange
* MARENBERG GĂŒnter, Die Geschichte der Vennbahn, HeimatblĂ€tter des Kreises Aachen, 1994, 49. Jg., Heft 1-2
* BAERT P., Die Eisenbahn St. Vith-Ulflingen, in ZVS, 1965, Nr.6, S.41, Nr.8, S.58
* NILLES L., Vor 60 Jahren: Eröffnung der Eisenbahnlinie BĂŒtgenbach – JĂŒnkerath, in ZVS, 1973, Nr.6, S.95f
* SARLETTE G, Die Eisenbahn – Eine Lebensader fĂŒr die Eifel in ZVS, Nr.3, S.52f, Nr.4, S.73f

WeiterfĂŒhrende Links:
https://www.zvs.be/der-zug-kommt/

1993: Wirtschaftsfördergesellschaft Ostbelgien
Information soll noch von da kommen

RELIGION

KULTUR

GESELLSCHAFT

ab 500: FrÀnkische Siedlungen
Nachdem ein Großteil der gallo-römischen Bevölkerung unsere Gegend wahrscheinlich Anfang des 5.Jahrhunderts nach Christus verlassen hat, siedelten sich germanische Franken in unserer Gegend an. Die Ă€ltesten frĂ€nkischen Siedlungen lagen entlang der alten Römerstrasse. Aus den bedeutendsten Siedlungen entwickelten sich kleine Verwaltungszentren; die sogenannten Königshöfe. Als erster wird Amel 670 urkundlich erwĂ€hnt. Die Ansiedlung der Franken ging in mehreren Etappen ĂŒber die BĂŒhne.
Die Forscher glauben heute, dass man dies anhand der Endungen von Ortsnamen erkennen kann. Auf die erste frÀnkische Siedlungsphase deuten demnach Ortsnamen hin, die auf -ler,
-heim, und -ingen enden.
Auf die Zeit der Ausbauperiode (circa 600-800 n.Chr.) gehen die Endungen -weiler, -hausen, -dorf, -bach-, -berg und -born zurĂŒck.
Die dritte Siedlungsperiode (ab 800 n.Chr.) umfasst schließlich die Orte mit den Endungen
-roth, -rode, -rath und -scheid.
* BIKA2, 42
* Altes Land an der Work, S.55-56

1348: Pestepidemie

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1389: Hospital St. Vith
Den immer wieder auftretenden Seuchen standen unsere Vorfahren mangels angepasster Medikamente lange Zeit recht machtlos gegenĂŒber. Man schĂŒtzte sich deshalb in erster Linie durch die rĂ€umliche Trennung der Erkrankten von den noch Gesunden. So entstanden auch hierzulande die ersten HospitĂ€ler. Bereits im ausgehenden Mittelalter bestand ein Hospital in St. Vith. Man nimmt an, dass es infolge der großen Pest von 1346-1349 gegrĂŒndet worden war. Der mit der Einrichtung verbundene Friedhof deutet darauf hin, dass man vor allem Todkranke aufnahm. Das Hospital ging offenbar in den Kriegswirren des 17. Jahrhunderts unter. Es wurde jedoch in den Jahren 1881 bis 1886 neu errichtet. Pflege und Verwaltung ĂŒbertrug man den Augustinerinnen (aus Köln).
Ein weiteres Krankenhaus entstand 1892 in BĂŒtgenbach. Es wurde von den Vinzentinerinnen gefĂŒhrt. Das dritte Krankenhaus in der Eifel wurde schließlich 1908 in Manderfeld eingerichtet, nachdem dort – wie zuvor in BĂŒtgenbach – eine Typhusepidemie gewĂŒtet und eine Veröffentlichung der Eifeldichterin Clara Viebig eine Spendenwelle im ganzen Reich zugunsten der leidgeprĂŒften Manderfelder Bevölkerung ausgelöst hatte. Auch in Manderfeld ĂŒbernahmen die Augustinerinnen die Pflege.
* ZVS-Jugendseite Nr.4,1997

1501: Erstes FeuerstÀttenverzeichnis der Herrschaft St. Vith

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1635-37: Pest im Eupener Land

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1648: Arzt in Eupen:
1675: Arzt in St.Vith
Die Ă€rztliche Betreuung unserer Bevölkerung ließ lange Zeit sehr zu wĂŒnschen ĂŒbrig. Ausgebildete Mediziner gab es kaum. In den Dörfern musste man mit den Diensten der sogenannten „WundĂ€rzte“ oder „Feldscherer“ Vorlieb nehmen. In St. Vith wird gegen Ende des 16.Jahrhunderts erstmals die Anwesenheit eines Feldscheres erwĂ€hnt. Mit Dr. Peter Aubertin, geboren 1645 in Luxemburg, kam in der 2.HĂ€lfte des 17.Jahrhunderts der erste Arzt nach St. Vith (1675). Ein halbes Jahrhundert ĂŒbte er hier seine TĂ€tigkeit aus und starb im Jahre 1725.
Etwa zur gleichen Zeit war auch ein Arzt in Eupen ansĂ€ssig. Eine Stiftungsurkunde aus dem Jahre 1648 nennt einen „Medicus“ namens Loop.
Insgesamt aber blieb die Ă€rztliche Versorgung unserer Vorfahren auch in der Folgezeit unzureichend: Eine Statistik aus dem Jahre 1817 weist aus, dass es in der Eifel neben einem Arzt in St. Vith lediglich noch 2 Ärzte in Malmedy, einen Arzt in Weismes und einen in BĂŒtgenbach gab. Selbst 100 Jahre spĂ€ter, im Jahre 1913, sah es nicht viel besser aus. Damals gab es 4 Ärzte in Malmedy, 2 in St. Vith und je einen in BĂŒllingen, BĂŒtgenbach und Reuland.
Im Eupener Land war die Situation Ă€hnlich: 1813 gab es lediglich 3 Ärzte in Eupen selbst; 1913 insgesamt 4 in Eupen sowie 2 in Moresnet und einen in Raeren.
* Doris Bartos, Die medizinalgeschichtliche Entwicklung der Kreise Eupen und Malmedy im Vergleich zur Stadt Aachen von 1817-1913, p. 73-80
* BIKA 1,27

1798: Allgemeine Wehrpflicht

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1840/41: Krankenhaus Eupen
Erst 1840/41 kam es in Eupen zur GrĂŒndung eines Spitals. Vorausgegangen war eine schlimme Typhusepidemie, die vor allem die Ă€rmere Bevölkerung traf. Der Pfarrklerus setzte sich daraufhin stark fĂŒr die Einrichtung eines Krankenhauses ein. Bereits in den ersten drei Jahren seines Bestehens nahm das St. Nikolaus-Hospital 238 Kranke auf. Im Jahre 1849 entstand dort ebenfalls eine Irrenspflegeanstalt. Doch war in beiden Einrichtungen die Bettenanzahl viel zu niedrig, um allen Anforderungen gerecht zu werden. Die Pflege im Krankenhaus wurde durch die Schwesternschaft der Franziskanerinnen von der heiligen Familie ĂŒbernommen; einem neuen Orden, der aus dem Pflegepersonal hervorging. Mitglieder dieses Ordens sind heute noch in Eupen tĂ€tig.
* BIKA 1,27

1845-46 und 1883-1884: Auswanderungswelle
Zu allen Zeiten haben Menschen die karge Eifel verlassen, weil sie ihnen nicht genĂŒgend Überlebens- oder Zukunftschancen bot. Hin und wieder kam es aber zu regelrechten Abwanderungswellen. Eine besonders große Anzahl Eifeler wanderte in den Jahren 1845/1846 aus. DafĂŒr gab es mehrere GrĂŒnde: In der Mitte des 19. Jahrhunderts erreichte die demographische Entwicklung ihren Höhepunkt. Der immer grĂ¶ĂŸer werdenden Menschenmenge standen in der Eifel aber nur begrenzte Entwicklungsmöglichkeiten gegenĂŒber: Die meisten Bauern besaßen nur ein sehr kleines StĂŒck Land und die angewendeten Ackerbaumethoden ließen keine großen Ernten zu. 1845-1847 trat europaweit schließlich auch noch die KartoffelfĂ€ule auf. Hierbei handelte es sich um eine Pflanzenkrankheit, die die Kartoffeln verfaulen ließ und ungenießbar machte. Da sie aber das Hauptnahrungsmittel unserer Vorfahren darstellte, fĂŒhrte die KartoffelfĂ€ule zu einer großen Hungersnot. Viele sahen damals nur noch einen Ausweg: die Auswanderung.
In den Jahren 1882/83 erreichte die Notsituation einen weiteren Höhepunkt. Damals war das Elend und die Hungersnot so groß, dass man diese Jahre spĂ€ter den Eifelnotstand nannte. SchĂ€tzungsweise 250 Familien (circa 900 Personen) verließen zwischen 1840 und 1910 die Eifeler Heimat. Über die HĂ€fen Antwerpen, Bremerhaven und Hamburg gelangten die meisten von ihnen in die USA, um sich dort – im „Lande der unbegrenzten Möglichkeiten“ – ein neues Leben aufzubauen.
* H. Jenniges, Daheim im fremden Land, Eifeler Auswanderer nach Amerika
* ZVS-Jugendseite N°1-1997 „Warum wanderten viele unserer Vorfahren im 19.Jahrhundert nach Amerika aus?“
* ZVS-Jugendseite N°1-2001 „Essen, was auf den Tisch kommt…“

1866: Choleraepidemie in Eupen

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1900: Wasserleitungen
Wasserleitungen waren frĂŒher vielerorts unbekannt. Man speicherte Regenwasser in Zisternen oder legte einen Brunnen an, dessen Pumpe in der KĂŒche oder auf dem Hof stand. Auf dem Lande lagen die Brunnen sehr hĂ€ufig in der NĂ€he von DungplĂ€tzen (Misthaufen) oder in der NĂ€he von Jauchegruben. Bei Regen war eine Verschmutzung des Wassers somit unvermeidlich. Es kam hĂ€ufig zum Ausbruch von Typhus, einer Infektionskrankheit, die sich durch gefĂ€hrliche Darmerkrankungen kennzeichnet.
Doch erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts förderte der Staat den Bau von Wasserleitungen im lĂ€ndlichen Gebiet. Die Dörfer der Nordeifel profitierten damals von der Neuerrichtung des TruppenĂŒbungsplatzes Elsenborn. Um Epidemien unter den Soldaten zu vermeiden, wurde dort eine „centrale Wasserleitung“ angelegt. Die meisten der umliegenden Dörfer sind damals vernĂŒnftigerweise gleich mitberĂŒcksichtigt worden. Bei anderen – wie zum Beispiel Rocherath-Krinkelt – stellte sich die Höhenlage als problematisch heraus. Erst 1936 konnten sich die Einwohner der Doppelortschaft sauberes Wasser bequem am Wasserhahn zapfen.

* BIKA 1, 35
* Schicksalsgemeinschaft im Schatten des Dreiherrenwaldes – Einblicke in die Vergangenheit von Rocherath-Krinkelt, S.85-86 und 104-105

1940-45: Begeisterung, ErnĂŒchterung, Gleichschaltung, Verfolgung

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1944-45: Flucht
Am Ende des 2.Weltkriegs lernten unsere Vorfahren den Begriff „Flucht“ auf tragische Art und Weise hautnah kennen. Als sich die deutschen Besatzungstruppen Anfang September 1944 hastig nach Deutschland zurĂŒckzogen, erließen sie in unseren Dörfern einen sogenannten RĂ€umungsbefehl. Diesem Befehl folgten jedoch nur die wenigsten, insbesondere die Sympathisanten und MitlĂ€ufer des nationalsozialistischen Regimes, die mit politischer Verfolgung und Verhaftung rechnen mussten. In St. Vith und Umgebung bildete sich schließlich ein großer Treck mit vielen Fuhrwerken und einigen Kraftwagen, der sich auf den Weg ins Reich machte. Unter großen MĂŒhen und hĂ€ufigem Jagdbomberbeschuss der Alliierten legte er innerhalb von drei Wochen rund 250 km zurĂŒck und gelangte bis nach Hessen.
Nachdem die amerikanischen Einheiten die Eifelortschaften eingenommen hatten, blieb ihr Vormarsch im Herbst 1944 am Westwall, direkt an der deutsch/belgischen Grenze, zunĂ€chst stecken. Die Amerikaner konnten auch nicht fĂŒr die Sicherheit der Eifeler Zivilisten im Frontbereich garantieren. Deswegen ordneten sie Anfang Oktober 1944 die sofortige Evakuierung der Einwohner an. Die meisten wurden nach St. Vith und vor allem nach Malmedy gebracht. Auch Stavelot, Verviers und die umliegenden Orte nahmen FlĂŒchtlinge aus unserer Gegend auf. Die Verpflegung war schlecht und nicht ĂŒberall wurden die Heimatlosen mit offenen Armen empfangen.
Als die deutsche Gegenoffensive am 16.Dezember 1944 startete, verschĂ€rfte sich die Situation nochmals. Hals ĂŒber Kopf strömten weitere Menschen, die noch in den Dörfern der Nordeifel bei ihrem Vieh ausgeharrt hatten, ĂŒber BĂŒtgenbach nach Malmedy. Die Behörden sahen sich gezwungen, kurz vor Weihnachten einen Großteil der FlĂŒchtlinge ins Landesinnere zu transportieren. So wurden einige bis nach LĂŒttich, andere sogar bis in die Gegend von BrĂŒssel verschlagen. Sie entkamen so aber den Dramen, die sich in den beiden StĂ€dten Malmedy und St. Vith abspielten. Beide StĂ€dte gerieten unter permanenten Beschuss von Deutschen und Amerikanern. An den Weihnachtstagen und zu Beginn des Jahres 1945 kamen Hunderte Einwohner und FlĂŒchtlinge ums Leben. Ende Dezember 1944 wurde dann auch Malmedy evakuiert, die Menschen wurden nach Innerbelgien gebracht.
Erst nach dem Ende der Kampfhandlungen in der Eifel, ab Mitte MĂ€rz 1945, kehrten die ersten Bewohner wieder in ihre völlig zerstörte Heimat zurĂŒck. Der Großteil aber folgte erst im Sommer oder noch spĂ€ter im Laufe des Jahres 1945.

ab 1975: Behinderteneinrichtungen

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ab 1979: Neubau der Altenheime

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1994: „AMEL-Nein“