60. Jahrestag der Befreiung

Presseberichte



Quelle : www.grenzecho.net

Die Vorbereitungen zu den Gedenkfeiern »60 Jahre Zerstörung der Stadt St.Vith« laufen auf Hochtouren. Ein Schwerpunkt bildet dabei unbestritten die Ausstellung, die der Geschichtsverein »Zwischen Venn und Schneifel fĂŒr knapp fĂŒnf Monate in der Pfarrkirche zeigen wird. In Zusammenarbeit mit der Stadt St.Vith prĂ€sentiert der Geschichtsverein vom 17. Dezember bis zum 8. Mai - also dem offiziellen Gedenktag des Kriegsendes - die Werkschau »DENK-MAL«. Thema der historischen Aufarbeitung sind bewusst nicht nur die punktuellen Ereignisse wĂ€hrend der Ardennenoffensive, sondern die Zeit von 1938 bis 1945 mit ihren vielfĂ€ltigen politischen und gesellschaftlichen Verunsicherungen, Bevormundungen und Zerstörungen wird im RĂŒckspiegel wieder lebendig.

»Spirale des Todes«

In den nĂ€chsten Wochen jĂ€hrt sich die Zerstörung St.Viths und anderer Orte (wie etwa Rocherath, BĂŒllingen oder Faymonville) zum sechzigsten Male. Zweifellos Anlass genug, die Geschehnisse und die HintergrĂŒnde der mörderischen Katastrophe noch einmal zu thematisieren. Die schweren Bombardierungen und die Zerstörungen der Wintertage 1944-45 mit unsĂ€glichem Leid fĂŒr die einheimische Bevölkerung bildete, so Klaus-Dieter Klauser, den apokalyptischen Abschluss einer Zeitspanne, die am 10. Mai 1940 mit dem Einmarsch deutscher Truppen vielerorts verheißungsvoll begrĂŒĂŸt wurde. Schon gegen Ende der dreißiger Jahren sorgte die verstĂ€rkte PropagandaaktivitĂ€t dies- und jenseits der Grenze fĂŒr emotionalen Aufruhr und Zwistigkeiten in unserer Bevölkerung, die nach dem Einmarsch bisweilen offen ausbrachen, ruft der ZVS-Vorsitzende die Fakten in Erinnung.

Das Leben unter den neuen Machthabern brachte jedoch bald ErnĂŒchterung. Nach dem Taumel der »Befreiung« erwachten viele in einer gleichgeschalteten Gesellschaft, in der die Parteipropaganda die sich einstellenden VersorgungsengpĂ€sse zu beschönigen suchte und stattdessen Volksgemeinschaft und Rassenreinheit beschwor. Die ersten Einberufungen zur Wehrmacht ab 1942, gefolgt von den ersten Todesmeldungen hiesiger Soldaten, machten wohl den letzten AnhĂ€ngern der braunen Diktatur klar, was die Stunde geschlagen hatte.

Stellungsbefehle zur Russlandfront, erste Luftangriffe in unserer Gegend, Einmarsch der Amerikaner im Herbst 1944 und nicht zuletzt Evakuierungen machten den Krieg erstmals erfahrbar. Die massiven Zerstörungen und das tausendfache Sterben im Verlauf der Ardennenoffensive bildeten den traurigen Höhepunkt dieser »Spirale des Todes«.

Gefangenschaft, politische SĂ€uberungen und Drangsalierungen in vielfĂ€ltiger Form, ferner die materielle Not der nachfolgenden Jahre traumatisierten die Menschen in der unmittelbaren Nachkriegszeit und bis weit darĂŒber hinaus.

Parallelen zu heute

Sinn und Zweck der Ausstellung sei es zunĂ€chst, so Klaus-Dieter Klauser, das komplexe Zusammenspiel von Propaganda, totalitĂ€rem Regime und Menschenverachtung aufzuzeigen und zum Nachdenken ĂŒber Parallelen in der heutigen Zeit anzuregen. Zum anderen gehe es darum, jenen Generationen, die diese unselige Zeit nur vom Hörensagen kennen, anschaulich vor Augen zu fĂŒhren, welche Katastrophe demokratisches Versagen heraufbeschwören kann. Auch hier bietet sich ein Nachdenken ĂŒber heutige Situationen an.

In diesen kalten Dezembertagen gedenkt die ostbelgische Bevölkerung der Ardennenoffensive. Zum 60. Jahrestag kehrte auch eine Gruppe von 102 US-Veteranen an die historischen SchauplĂ€tze zurĂŒck. An verschiedenen bedeutsamen Orten und DenkmĂ€lern finden in dieser Woche bekanntlich Gedenkfeiern statt.



Am vergangenen Sonntag besuchte nun eine Gruppe von 102 US-Veteranen, die vor 60 Jahren aktiv an der Befreiung Belgiens und Europas mitwirkten, die Ardennenregion. Eine stolze Zahl, die quasi zwei Drittel der noch lebenden US-Veteranen ausmacht: »Auf Grund der Tatsache, dass die 106. und 168. Division vornehmlich aus jungen und teilweise sogar kampfunerfahrenen Soldaten bestand, leben heute noch recht viele und können St.Vith und die Ardennenregion noch regelmĂ€ĂŸig besuchen«, erklĂ€rte der St.Vither Schöffe Lorenz Paasch.

Rundreise

Erstes Ziel der Rundreise war am Samstag das StĂ€dtchen Houffalize, bevor die Veteranen mitsamt ihren Begleitpersonen und Familienangehörigen den Weg nach St.Vith einschlugen, wo fĂŒr viele die schlimmsten und erbittertsten KĂ€mpfe stattfanden. Treffpunkt war zunĂ€chst das US-Kriegerdenkmal in der Klosterstraße.

BĂŒrgermeister Christian Krings und auch Schöffe Lorenz Paasch hießen die insgesamt rund 280 Besucher herzlich willkommen. In seiner Ansprache bedankte sich Christian Krings bei den US-Veteranen fĂŒr den bewiesenen Mut und den Einsatz zur Befriedung der Eifelregion und ganz Europas. St.Vith sei das Zentrum der Ardennenschlacht gewesen und aus diesem Grund auch ein wichtiger Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg. Der BĂŒrgermeister erinnerte aber auch an die meist jungen deutschen Soldaten, die auf Grund von Hitlers Diktatur keine Chance in diesem sinnlosen Krieg hatten. Zugleich sprach er die Hoffnung aus, dass der Frieden zu einer dauerhaften Einrichtung werde. Der Verantwortliche der »17th Infantery Division Association«, Earle R. Hart, erinnerte in seiner Ansprache an das Schreckensszenario vor 60 Jahren. St.Vith habe mit der völligen Zerstörung und zahlreichen Zivilopfern einen hohen Preis fĂŒr die Befreiung zahlen mĂŒssen. »Wir denken aber alle gerne an die herzlichen Kontakte mit der Zivilbevölkerung zurĂŒck. Gemeinsam haben wir ein großes StĂŒck Arbeit im Sinne der Befriedung der westlichen Welt geleistet«, so Hart. Die Ă€ußeren UmstĂ€nde seien vor 60 Jahren nahezu identisch gewesen: »1944 war es ebenso bitterkalt, wenn nicht sogar kĂ€lter, als wir auf den HĂŒgeln rund um St.Vith Stellung bezogen.«

Nach der offiziellen Kranzniederlegung spielte Trompeter Helmuth Hilgers das Salut, gefolgt von der amerikanischen Nationalhymne. Neben den amerikanischen US-Veteranen waren auch ostbelgische VeteranenverbĂ€nde vertreten. Nach dem Besuch des Kriegerdenkmals an der Bischöflichen Schule fuhr die Besuchergruppe zum Denkmal der 168. US Infantery Division am PrĂŒmer Berg, wo die wohl entscheidendste Schlacht in der Ardennenoffensive ausgefochten wurde. Die 168. US-Infanteriedivision hielt damals dem deutschen Angriff unter großen Verlusten stand und brachte somit den Vormarsch ins Landesinnere ins Stocken.

Gefallene Kameraden

PrĂ€sident George Checker gedachte zusammen mit seinen Veteranenkollegen den zahlreichen gefallenen Kameraden, bevor der Bus-Konvoi zum Mittagessen ins MilitĂ€rlager nach Elsenborn abfuhr. Der Nachmittag stand im Zeichen der Besuche von Stavelot, La Gleize und Stoumont. Am gestrigen Montag statteten die US-Veteranen den luxemburgischen ÖslingstĂ€dten EttelbrĂŒck und Diekirch einen Besuch ab.

Auch dort wurden die kriegerischen Auseinandersetzungen wĂ€hrend der Ardennenoffensive Ă€ußerst heftig gefĂŒhrt. Ferner sind noch feierliche Zeremonien in Clerf (am morgigen Mittwoch), Luxemburg (Freitag) und Houffalize (Samstag) vorgesehen, bevor Bastogne am Sonntag zum großen Gedenkakt einlĂ€dt.

Die belgische und die deutsche Eifel stehen am heutigen Donnerstag ganz im Zeichen des Gedenkens an die Opfer der Ardennenoffensive, die vor 60 Jahren ihren traurigen Anfang nahm. Bereits um 5.30 Uhr in der FrĂŒhe wird die Bevölkerung von einem dreiminĂŒtigen GlockengelĂ€ut in allen Kirchen an die Geschehnisse des Winters 1944 erinnert.



Gleichzeitig findet in Rocherath-Krinkelt eine gemeinsame Ehrenwache von amerikanischen, belgischen und deutschen Soldaten vor den Monumenten gegenĂŒber der Kirche statt. Dabei wird der Opfer der »US 99 Infantry Division« und der »US Second Infantry Division« gedacht. Zur zentralen Gedenkfeier in der Kirche von Rocherath, die durch den LĂŒtticher Bischof Aloys Jousten und seinen Aachener Amtskollegen Dr. Heinrich Mussinghoff, gestaltet wird, werden zivile, politische, religiöse und militĂ€rische EhrengĂ€ste aus Belgien und Deutschland erwartet.

Versöhnung

Bekanntlich stehen die Veranstaltungen im belgisch-deutschen Grenzraum unter dem Motto »Versöhnung ĂŒber die Grenzen = Zukunft fĂŒr die Jugend« und werden ganz bewusst gemeinsam dies- und jenseits der Grenze organisiert. Musikalisch gestaltet wird die Messfeier durch einen Chor aus Monschau.

Eine Rundfahrt fĂŒhrt anschließend zu den StĂ€tten der damaligen KriegsstĂ€tten: Über BĂŒllingen, vorbei am Denkmal der ersten USA Div. Schwarzenbach fĂŒhrt der Weg nach BĂŒtgenbach zu dem Haus, in dem sich General Dwight Eisenhower einige Tage aufgehalten hat.

Um 8.30 Uhr nehmen die Teilnehmer gemeinsam mit SchĂŒlern aus der Region ein FrĂŒhstĂŒck im Sport- und Freizeitzentrum Worriken ein. Die Weiterfahrt in Richtung Monschau erfolgt um 9.30 Uhr. Der Weg fĂŒhrt ĂŒber Elsenborn, wo an der Gemeindeschule eine Gedenkplakette eingeweiht werden soll. Dort wurde die erste US-Armee Krankenschwester Frances Slanger getötet. In Monschau wird die Gruppe durch SchĂŒler der St. Ursula-Schule empfangen, die Souvenirs an die Veteranen beider Seiten ĂŒbergeben. Anschließend erfolgen gefĂŒhrte Besichtigungen der Stadt in Zusammenhang mit den BrĂ€nden wĂ€hrend des Krieges. Über Höfen geht es um 10.30 Uhr weiter in Richtung Hellenthal, wo bereits am gestrigen Mittwoch eine Gedenkveranstaltung mit Zeitzeugen am Hollerather Knie stattfand (siehe auch Grenz-Echo vom vergangenen Dienstag). NĂ€chste Station ist um 11.15 Uhr der Soldatenfriedhof Oberreifferscheid, wo ein Kranz niedergelegt wird. Zur Mittagszeit fĂŒhrt der Weg weiter ĂŒber Udenbreth, Hellenthal und Hollerath zurĂŒck nach Belgien ins Lager Elsenborn. Dort ist um 13.30 Uhr ein gemeinsames Mittagessen terminiert. Im Nachmittag besteht vor allem fĂŒr Veteranen die Gelegenheit, zu den frĂŒheren Frontabschnitten zu fahren.

Neben der heutigen Veranstaltung bietet die Vereinigung der FremdenfĂŒhrer der Ostkantone stĂ€ndig Rundfahrten fĂŒr interessierte Gruppen an. Anfragen werden unter der Rufnummer 080/44 72 02 entgegen genommen.

In St.Vith finden heute Morgen ab 8 Uhr verschiedene Aktionen zur Ächtung von Gewalt und Krieg vor den Schulen statt. Am Abend ist ab 18.30 Uhr die zentrale Abschlussfeier im Rathaus mit GesangsbeitrĂ€gen, Zeitzeugnissen und einer PrĂ€sentation der Veranstaltungen, die unter dem Titel »Denk-Mal« durchgefĂŒhrt werden, geplant. Die verschiedenen BeitrĂ€ge werden mit einer MultimediaprĂ€sentation historischer Aufnahmen von der zerstörten Stadt St.Vith und verschiedener zerstörter Eifeldörfer untermalt.

In der St.Vither Pfarrkirche wird ab dem morgigen Freitag und bis zum 8. Mai eine Ausstellung des Geschichts- und Museumsvereins »Zwischen Venn und Schneifel« zur Ardennenoffensive und zum Ende des Zweiten Weltkrieges gezeigt.

Zentrale Frage

Ziel ist es, das komplexe Zusammenspiel von Propaganda, totalitĂ€rem Regime und Menschenverachtung anhand der Geschichte aufzuzeigen und zum Nachdenken ĂŒber Parallelen in der heutigen Zeit anzuregen. Eine der zentralen Fragen ist, ob die Gesellschaft heute gegen dergleichen Gefahren gefeit ist. Die Ausstellung ist außerhalb der Gottesdienste zugĂ€nglich; FĂŒhrungen fĂŒr Schulen können auf Anfrage unter der Rufnummer 080/22 92 02 (werktags zwischen 13 und 17 Uhr) durchgefĂŒhrt werden.

Über 300 Frauen und MĂ€nner machten sich am 16-12-2004 auf zu einer Erinnerungsfahrt durch die belgische und deutsche Eifel, die 1944 Schlachtfeld der Ardennenoffensive war. Unter den Teilnehmern waren auch einige Veteranen, die im Winter 1944-45 hier gekĂ€mpft hatten.



Die Rundfahrt begann bei eisigen Temperaturen gegen 8.30 Uhr in Rocherath, wo ab 7 Uhr eine schlichte Gedenkfeier in der Kirche stattgefunden hatte.

Nach der Kranzniederlegung am Gefallenendenkmal machten sich die Teilnehmer in sieben Bussen und zwei Dutzend Pkw auf den Weg nach BĂŒtgenbach, um zunĂ€chst einmal zu frĂŒhstĂŒcken. In den Bussen wurden unterwegs ErlĂ€uterungen zu den kriegerischen Ereignissen gegeben, die ab dem 16. Dezember 1944 die Gegend verwĂŒsteten.

Diese ErlĂ€uterungen alle aufzufĂŒhren wĂŒrde den Rahmen dieses Berichtes sprengen. Sie können in der BroschĂŒre »Ardennenoffensive - Battle of the Bulge« aus der Feder von Erich Hönen nachgelesen werden, die zum Preis von drei Euro bei Media-Planning in St.Vith erhĂ€ltlich ist.

Dass die belgischen, amerikanischen und deutschen StreitkrĂ€fte ihren Teil zu der Gedenkfeier beitragen wollten, hatte sich schon bei der Kranzniederlegung in Rocherath gezeigt. Ein weiteres Beispiel der Mitarbeit der Armeen bot sich den Rundfahrern am Denkmal der 1. US InfDiv an der DomĂ€ne in BĂŒtgenbach. WĂ€hrend der Konvoi den Kreisverkehr passierte, wurde der Obelisk von Soldaten flankiert, die das Gewehr zu Ehren der hier Gefallenen prĂ€sentierten. Andere DenkmĂ€ler lĂ€ngs des Weges waren zur Feier des Tages mit Blumen und Fahnen geschmĂŒckt.

In BĂŒtgenbach fuhr die von der Polizei eskortierte lange Fahrzeugkolonne zunĂ€chst an der Villa Kirch vorbei, wo der Oberbefehlshaber der Alliierten StreitkrĂ€fte, General Dwight Eisenhower, Ende November 1944 einige Tage zu Gast war.

Ein herzlicher Empfang wurde den GĂ€sten an der Gemeindeschule BĂŒtgenbach bereitet. Die Kindergartenkinder hatten mit ihren Lehrerinnen am Eingang der Schule Aufstellung genommen, schwenkten FĂ€hnchen mit dem Wappen der DG und wĂŒnschten den Ankommenden singend eine frohe Weihnacht.

Die Aufgabe, der großen GĂ€steschar innerhalb einer Dreiviertelstunde das FrĂŒhstĂŒck zu servieren, löste die Logistikabteilung des Lagers Elsenborn mit Bravour. Der Chor der Gemeindeschule trug Lieder in drei Sprachen vor, die von Frieden und Eintracht handelten und brachte auch, zwar ein wenig zu flott, das einst bei den Soldaten an allen Fronten beliebte Lied von Lili Marlen zu Gehör.

Weiter ging die Fahrt nach Elsenborn, vorbei an der Schule, wo am 21. Oktober die 31-jÀhrige SanitÀterin Frances Slanger durch einen Granatsplitter getötet wurde. Sie war das erste weibliche Kriegsopfer der US Army in Europa.

Am Lager Elsenborn wurde ein Blick auf die Roderhöhe geworfen, wo sich deutsche Landser und amerikanische GIÂŽs Ende Dezember 1944 heftige KĂ€mpfe lieferten. Über Kalterherberg wurde Monschau angesteuert. Hier verstopfte der Konvoi eine halbe Stunde lang die Innenstadt, wĂ€hrend BĂŒrgermeister Theo Steinröx die GĂ€ste begrĂŒĂŸte und mit GlĂŒhwein bewirten ließ. Studienrat Franz-Peter MĂŒsch berichtete ĂŒber Kriegsereignisse in und um Monschau und bat dann die ehemaligen KĂ€mpfer unter den GĂ€sten nach vorne, um ihnen ein PrĂ€sent zu ĂŒberreichen.

Das heiß umkĂ€mpfte Höfen und der Weiler Alzen waren weitere Stadionen auf dem Weg nach Reifferscheidt. Dieser fĂŒhrte ĂŒber die Kreuzung Wahlerscheid, die bereits am 13. Dezember 1944 zum Schlachtfeld wurde, als die Amerikaner versuchten ĂŒber Wahlerscheid zur Urfttalsperre vorzustoßen. Die Kreuzung wechselte im Winter 44-45 mehrmals den Besitzer und erhielt von den GIÂŽs den Namen »Heart-break crossroads« = Straßenkreuzung der Verzweiflung.

Unterhalb der Ortschaft Oberreifferscheid liegt ein Soldatenfriedhof, auf dem 1163 Landser beigesetzt sind. Hier fand ebenfalls eine Gedenkfeier statt (siehe Bericht anbei).

Hollerath, Udenbrecht, Weißer Stein, Losheimergraben, Lanzerath und Buchholz waren weitere Etappen der 130 Kilometer langen Rundfahrt, die sich allerdings in dichten Nebel hĂŒllte, ehe ĂŒber Honsfeld und BĂŒllingen wieder der Ausgangspunkt Rocherath erreicht wurde.

Im Lager Elsenborn wurde den Teilnehmern zum Abschluss ein Mittagessen serviert und am Abend wollten viele sich noch zur Schlussfeier dieses Erinnerungstages nach St.Vith begeben.

Mit der zentralen Abschlussfeier im St.Vither Rathaus gingen am Donnerstagabend die Gedenkfeierlichkeiten zum 16. Dezember zu Ende

BĂŒrgermeister Christian Krings konnte zahlreiche EhrengĂ€ste des öffentlichen Lebens, insbesondere aus Politik und Wirtschaft, aber auch ehemalige US-Veteranen zu dieser Feierstunde begrĂŒĂŸen. Zu Beginn ließ das Stadtoberhaupt den Tag kurz Revue passieren.

An verschiedenen ehemaligen KriegsschauplĂ€tzen in Deutschland, Luxemburg und Belgien war des 60. Jahrestags der Ardennenoffensive gedacht wurde. »Als die Rundstedtoffensive am 16. Dezember um 5.30 Uhr losbrach, war dies fĂŒr die Bevölkerung des Eifel-Ardennen-Raumes der traurige Höhepunkt einer vierjĂ€hrigen Herrschaft des Nazi-Regimes«, erinnerte Christian Krings an das Grauen des Krieges, welches fĂŒr die Zivilbevölkerung, die inmitten des Schlachtfeldes wohnte, eine neue Dimension erreichte.

1500 Opfer

So bedeutete die Entscheidung der Amerikaner, St.Vith mit allen Mitteln zu verteidigen, zwar das Scheitern der deutschen Truppen, war aber gleichzeitig auch das Todesurteil fĂŒr die kleine, beschauliche Stadt, die am 25. und 26. Dezember massiv bombardiert und quasi ausgelöscht wurde. SchĂ€tzungen gehen von 1500 Opfern aus. Allein in der zerstörten Klosterkirche fanden ĂŒber 300 Menschen den Tod.

»Der heutige Tag bietet uns die Gelegenheit, allen Opfern dieser sinnlosen Schlacht, aber auch der Opfer nachfolgender und aktueller Kriege zu gedenken«, so Christian Krings. Die Wirren des Zweiten Weltkrieges hĂ€tten fĂŒr die Eifeler Bevölkerung Tod, Entsetzen, Hunger und Zerstörung bedeutet, letztendlich aber auch die Befreiung von einer unmenschlichen Diktatur.

In den Dialog treten

»Zehntausende Soldaten der alliierten StreitkrĂ€fte – VĂ€ter, Söhne und BrĂŒder – mussten ihre Familien in Übersee zurĂŒcklassen. Viele haben ihr Leben damals geopfert, um Europa zu befreien. Es ist auch ihr Verdienst, dass unsere Generation und unsere Kinder seit nunmehr 60 Jahren in Freiheit und Frieden leben können.«

Der BĂŒrgermeister appellierte auch an alle, aktiv fĂŒr den Frieden einzutreten, wenn dieser erhalten werden solle. So möchte die Stadt St.Vith mit der Veranstaltungsreihe »Denk-Mal« einerseits an die dramatischen Ereignisse der Jahreswende 1944-45 erinnern und andererseits versuchen, die heutige Generation und vor allem die Jugend zu einem engagierten Dialog ĂŒber Krieg und Frieden anzuregen.

Dank einer Arbeitsgruppe um Lorenz Paasch und Klaus-Dieter Klauser sowie einige engagierte Lehrer wurde die Thematik aufgegriffen und eine pĂ€dagogische Arbeitsmappe mit historischen Fakten fĂŒr die Schulen zusammengestellt.

Der gesamte Gedenktag stand unter dem Motto »Versöhnung ĂŒber Grenzen hinweg, Zukunft fĂŒr unsere Jugend«. Gemeindevertreter und Bevölkerung des ehemaligen Kampfgebietes haben den Tag gemeinsam gestaltet und erlebt. Diese Partnerschaften zwischen deutschen, luxemburgischen und belgischen Gemeinden sind heute selbstverstĂ€ndlich.

Werte

Christian Krings schloss mit den Worten »Beginnen muss jeder Friede im Herzen des Menschen, denn wachsen kann er nur dort, wo auch der erforderliche NĂ€hrboden vorhanden ist«. In diesem Sinne sollten die Gedenkfeiern dazu genutzt werden, die wahren Werte der menschlichen Existenz wieder in den Vordergrund zu rĂŒcken.

Die Reihe der Gedenkveranstaltungen zum 60. Jahrestag der Ardennenoffensive in der Stadt St.Vith setzte sich am vergangenen Freitagabend mit der Eröffnung der umfangreichen Ausstellung »Denk-Mal« fort.



Ort dieser eindrucksvollen Dokumentation ĂŒber die Entwicklung und die Auswirkungen eines totalitĂ€ren Regimes mit katastrophalen Folgen fĂŒr die hiesige Bevölkerung ist die Pfarrkirche St.Vith.

Lorenz Paasch, Kulturschöffe und Mit-Initiator dieser Ausstellung, zeigte sich erfreut ĂŒber den regen Zuspruch am Freitagabend und begrĂŒndete nochmals die Wahl der Pfarrkirche als Ausstellungsort: »Die St.Vither Kirche ist ein Mahnmal der Zerstörung, denn sie wurde im Dezember 1944 durch Bomben vollstĂ€ndig dem Erdboden gleichgemacht.«

Außerdem sei die Kirche das Zentrum der Gemeinschaft und des Glaubens und damit der ideale Ort der Besinnung, an dem das Nachdenken ĂŒber die gezeigten Bilder und Texte leichter falle.

Neu konzipiert

»Denk-Mal« nimmt die Bombardierung St.Viths, die vielfĂ€ltigen Zerstörungen zahlreicher Eifeldörfer und das unsĂ€gliche Leid der Menschen vor 60 Jahren zum Anlass, um DenkanstĂ¶ĂŸe zu geben.

Bereits vor 20 Jahren lockte die Ausstellung »Menschenwerk – Gestern Krieg, heute Frieden?« etwa 3500 Menschen ins St.Vither Rathaus. Diese wurde von Klaus Dieter Klauser, Vorsitzender des Geschichtsvereins »Zwischen Venn und Schneifel« in Zusammenarbeit mit den Lehrern Egi Piette und Dr. Jens Giesdorf sowie unter der Schirmherrschaft der Stadt St.Vith neu konzipiert.

Zur EinfĂŒhrung ließ Klaus-Dieter Klauser kurz die geschichtlichen Ereignisse Revue passieren, die im Winter 1944/45 mit den Bombardierungen und Zerstörungen in der Eifel den fast apokalyptischen Abschluss einer Zeitspanne bildeten, die 1940 mit dem Einmarsch der deutschen Truppen begonnen hatte.

Sinn und Zweck der Ausstellung ist es zunĂ€chst, das komplexe Zusammenspiel von Propaganda, totalitĂ€rem Regime und Menschenverachtung anhand der Geschichte aufzuzeigen und zum Nachdenken ĂŒber Parallelen zur heutigen Zeit anzuregen.

Andererseits geht es darum, den Generationen, die diese unselige Zeit nur von Hörensagen kennen, anschaulich vor Augen zu fĂŒhren, welche Katastrophe demokratisches Versagen heraufbeschwören kann.

Klauser betonte, dass diese Geschichte und Geschichte generell uns nicht gleichgĂŒltig sein können, wenn die Gesellschaft nicht immer wieder auf die gleichen Irrwege geraten möchte.

NĂ€hrboden fĂŒr eine solche Entwicklung gebe es auch heute genug, so beispielsweise Unwissenheit, Desinteresse, Unzufriedenheit und ÜbersĂ€ttigung.

»Der Krieg ist in unserer Welt noch immer allgegenwÀrtig und es ist nicht absehbar, dass dieses extreme Mittel politischen Handelns jemals aus unserer Welt verschwindet. Eher verschwindet die Welt«, unterstrich der ZVS-Vorsitzende die PrÀsenz des Themas sowie die Notwendigkeit der Auseinandersetzung damit.

Erfreut zeigte sich Klauser ĂŒber das Interesse der Schulen, wobei sein Dank vor allem an die beiden Lehrer Egi Piette und Dr.Jens Giesdorf ging, die eine umfangreiche Dokumentation mit Unterrichtsmaterialien erstellt haben (siehe Artikel anbei).

Skulptur

Ein besonderer Dank ging auch an die 84 SchĂŒler des ersten Jahres der Sekundarstufe des Kgl. AthenĂ€ums St.Vith und ihre Kunstlehrerin Appolonia Trantes-Berens fĂŒr ihre hervorragend gestalteten Objekte zur Ausstellung, so u.a. eine Ruinenskulptur der zerstörten Kirche.

»Das TheaterstĂŒck Irgendwo ĂŒbt eine magische Anziehungskraft auf mich aus«, so Regina, die zum vierten Mal den Rundgang durch St.Vith mit erlebte und auch dieses Mal aufs Neue beeindruckt war. Immer wieder aktuell auf Ort und Situation zugeschnitten, basiert das TheaterstĂŒck von Agora auf dem »MĂ€rchen vom WĂŒnschen« von Arthur West.



Im Gedenken an die Zerstörung von St.Vith vor sechzig Jahren wurde die AuffĂŒhrung in die Reihe »Denk-Mal« eingebettet und von Regisseur Marcel Cremer und seinem 23 Personen zĂ€hlenden Ensemble auf dieses Ansinnen ĂŒberarbeitet.

Siebzehn Stationen

So blieb zwar die Geschichte vom kleinen Hans, der ohne Eltern und bald auch ohne Pflegetante in die Welt hinausgeschleudert wurde, die Basis der Inszenierung, doch wurden Zeitzeugenberichte eingearbeitet, die vorgelesen oder als Videoeinspielung ergreifend auf die zahlreichen Besucher wirkten. »Wir hatten in etwa 50 Voranmeldungen und 150 Leute sind schlussendlich gekommen«, so Marcel Cremer erfreut ĂŒber so viel Resonanz.

In Zwölfergruppen wurden die Besucher hintereinander bei Beinahe-Vollmond und eisigen Temperaturen auf siebzehn Stationen durch St.Vith geleitet. Ausgang und Ende war das Chiroheim. Die Besucher erlebten Hans' Geburt in der Klosterkapelle, die Konfrontation mit dem »Unheiligen des Windes« am Heimatmuseum, Tante Rosas Tod am Stellwerk, das Betteln eines Obdachlosen an der Pfarrkirche, die drohende Erwartung des Todes im stockdunklen BĂŒchelturm, das Erstellen einer Wandzeitung in der Pulverstraße, eine einsame Frau, die auf die RĂŒckkehr ihrer Kinder hofft und wartet, den Widerstand am Denkmal gegenĂŒber dem Friedhof, den Lichtbaum auf dem Friedhof, wo die Erinnerungen an den Krieg von Leo M. aus Hinderhausen vorgetragen wurden, den Tod eines Soldaten im Feld, die singende »Unheilige des Wassers« am Steineweiher, den SchuhkĂ€ufer, der Schuhe gegen NĂ€gel tauschen wollte, den »Unheiligen des Feuers«, der mit WĂ€rme Werbung fĂŒr eine rechtsradikale Partei schĂŒren wollte, den »Wanderer« in der Unteren BĂŒchelstraße, der die Antwort auf die Frage nach dem Grund fĂŒr den Wiederaufbau gab, nĂ€mlich den einfachen Wunsch zu leben, die Erinnerung von Nora Clohse auf TV-Bildschirm im freien Feld, vom brennenden St.Vith und dem Zusammenhalt derer, die noch helfen konnten sowie abschließend den Wunschbaum im Chiroheim, an dem jeder Besucher seinen Zukunftswunsch aufschreiben konnte.

Bedenkzeit erbeten

Mit einem Wiegenlied, hier als »Wecklied«, weiteren Zeitzeugenberichten (auch gestern und heute auf KA3), Akkordeonmusik und einem GlĂŒhwein nahm der Abend unter regem Austausch seinen Ausklang.

»Einiges wirkt fĂŒr mich noch zusammenhanglos, braucht sicher Bedenkzeit, bis alles klar ist«, so Martha aus Hergenrath, die die AuffĂŒhrung wie alle anderen als ergreifend und gelungen empfunden hat. Bewunderung galt auch den Schauspielern fĂŒr ihre authentische Leistung.

 

»Mein Herz ist bereit« fĂŒr eine Befriedung der alten Wunden

»Gerade die neue Pfarrkirche steht als Zeichen fĂŒr den Mut der St.Vither Bevölkerung, nach den Schrecken des Krieges nicht kapituliert zu haben.« So Dechant Jean Pohlen eingangs des Gedenkkonzertes an symboltrĂ€chtiger StĂ€tte.



Es sei sicher nicht leicht gewesen, nach einer derart sinnlosen Welle der Zerstörung, die die zweifache Bombardierung an Weihnachten 1944 ĂŒber St.Vith gebracht habe, im Glauben an Gott und an sich selbst die Energie aufzubringen, wieder von vorne anzufangen. Auf einem TrĂŒmmerhaufen, auf dem neben Leichen und Mauern vor allem auch die Illusion an eine gerechte Welt verschĂŒttet waren.

Mit Blick auf die Bedeutung des Wortes »Requiem« - »Ruhe« verneigte sich der Dechant mit Ehrfurcht vor den Opfern, »in der Hoffnung und Überzeugung, dass sie ihre innere Ruhe gefunden haben«. Zugleich sprach er den Wunsch aus, dass die alten Wunden eine Befriedung finden mögen. »Gerade jene ĂŒber Jahrzehnte ungeklĂ€rten Dinge sollten nun einem friedvollen Abschluss zugefĂŒhrt werden.«

Zugleich richtete er den Blick von Weihnachten 1944 auf Weihnachten 2004 - und besonders auf SĂŒdostasien. In Absprache mit den Verantwortlichen der Stadt wurde angesichts der riesigen Not nach dem Seebeben und der Flutwelle im Indischen Ozean kurzerhand beschlossen, den Erlös des Konzertes den dortigen Opfern zukommen zu lassen. Und da mit nur ein bescheidener Obolus erhoben wurde, gab es am Kirchenausgang zusĂ€tzlich eine Kollekte. Insgesamt kamen so stattliche 3730 € zusammen.

Zerstört wurden bei den Bombardierungen nicht allein die Pfarrkirche (die bereits bei einem Luftangriff am 9. August 1944 völlig ausbrannte) und die Klosterkirche (wo bis zu 300 Menschen den Tod fanden), sondern gleichfalls die am WindmĂŒhlenplatz gelegene protestantische Kirche. Weshalb Ursula Noel den Bericht eines Zeitzeugen jener Kirchengemeinde vortrug, die damals in St.Vith deutlich stĂ€rker vertreten war als heute. Eine bewegende Erinnerung, die bezeichnenderweise mit dem Psalmspruch »Der Herr ist nahe« ausklang.


Foto Grenz-Echo
Quelle :  www.grenzecho.net

Der SchĂŒlerrat des Königlichen AthenĂ€ums St. Vith lud Zeitzeugen zu einem Informations- und Diskussionsabend ĂŒber »Ostbelgien im Zweiten Weltkrieg« ein. Die Veranstaltung richtete sich an Eltern, Lehrer und SchĂŒler.

Eingeleitet wurde der Abend mit dem Besuch der Ausstellung »Denk-Mal« in der St.Vither Pfarrkirche unter Anleitung von Klaus-Dieter Klauser, dem Vorsitzenden des Geschichtsvereins »Zwischen Venn und Schneifel«.

Es folgte eine GesprĂ€chsrunde im AthenĂ€um. Diese wurde eingeleitet durch Berichte von fĂŒnf Zeitzeugen aus dem St.Vither und BĂŒllinger Land, die ihre Erlebnisse eindrucksvoll schilderten. Anschließend stand es den 65 Teilnehmern frei, Fragen zu stellen. Die GesprĂ€chsrunde fand in gelockerter AtmosphĂ€re statt, SchĂŒler hatten fĂŒr ein gemĂŒtliches Ambiente mit Kaffee und Kuchen gesorgt.

Als erste beschrieb Lisa Schröder-Clohse das Leben wĂ€hrend der Ardennenoffensive in ihrem Heimatdorf Crombach. In ihrem Elternhaus hatte sich ein amerikanischer Generalstab einquartiert, und das Leben fĂŒr ihre Familie war daher mit einigen EinschrĂ€nkungen verbunden. Sie berichtete, wie der Haushund durch sein Gebell die Bewohner wahrscheinlich vor dem sichern Tod rettete, denn der Hund habe heranschleichende Feindestruppen vertrieben, die den im Hof befindlichen Stromgenerator sprengen wollten.

Die Bombardierung St.Viths zu Weihnachten 1944 sei wie ein Erdbeben in Crombach spĂŒrbar gewesen, berichtete Frau Schröder weiter. Die St.Vitherin Frau CĂ€cilia Alard ergĂ€nzte die Aussagen ihrer Nachbarin am Podiumstisch und schilderte ihre Erlebnisse wĂ€hrend der Bombardierung der Stadt im August und im Dezember 1944 sowie den Verlust ihrer Angehörigen, die sich in den BĂŒchelturm geflĂŒchtet hatten. Nach der Bombardierung des ersten Weihnachtstages sei ihre Familie zunĂ€chst nach Crombach geflohen. Auf ihrer mehrwöchigen Flucht seien ihnen ĂŒberall hilfreiche Menschen begegnet, die sie in ihrer Not aufgenommen hĂ€tten.

Frau Johanna Gallo-Schmitz aus SteinebrĂŒck sprach in beeindruckender Weise von einem besonders tragischen Ereignis das sie, damals noch ein Kind, wie durch ein Wunder ĂŒberlebte. Nach einem plötzlichen Bombeneinschlag in ihrem Haus stĂŒrzte dieses in sich zusammen. Durch die Druckwelle wurde einer der im Haus befindlichen Soldaten auf sie geschleudert, der ihr vermutlich das Leben rettete. WĂ€hrend der Soldat von den herabfallenden TrĂŒmmern getötet wurde, lag sie geschĂŒtzt unter ihm. Ihre Mutter und vier ihrer Geschwister kamen bei diesem Angriff ums Leben. Frau Gallo berichtet weiter ĂŒber das Leben der Dorfbewohner, die sich wĂ€hrend der Kampfhandlungen in eine Höhle am Ortsrand geflĂŒchtet hatten.

Frau Maria KĂŒpper-Rupp aus MĂŒrringen wurde nach den ersten deutschen Angriffen mit ihrer Familie und anderen Dorfbewohnern in das vermeintlich sichere Malmedy evakuiert. Nach den Bombenangriffen auf die Stadt begann fĂŒr sie und ihre Familie eine echte Odyssee, die sie schließlich bis nach BrĂŒssel fĂŒhrte, wo sie selbst und ihre Familienmitglieder ernsthaft erkrankten. Sie schilderte auch die RĂŒckkehr nach Hause, wo man das Elternhaus völlig zerstört und ausgeraubt vorfand und quasi wieder bei Null anfangen musste.

Ihren jetzigen Mann, Herbert KĂŒpper, hat es auf der Flucht vor dem Krieg in ein Kloster nach Trois-Ponts verschlagen. »Dort waren die Nonnen auch nicht immer heilig, denn sie verwehrten uns hungrigen Kindern sogar einen Apfel.« verriet er uns mit einem Augenzwinkern. Doch die Heiterkeit verstummte schnell als Herbert KĂŒpper mit seinen AusfĂŒhrungen fortfuhr und erklĂ€rte, wie neben dem Kloster die Leichen »wie Holzscheite« aufgestapelt lagen. Auch er schilderte anschaulich, wie die Menschen seines Dorfes vor dem Krieg fliehen mussten und wie die Not der Nachkriegszeit die Hilfsbereitschaft der Menschen förderte.

Die anschließende Diskussion brachte andere Episoden und Anekdoten zur Sprache. Im Fazit zu dieser Veranstaltung wĂŒrdigt der SchĂŒlerrat die Teilnahme der Zeitzeugen, von Klaus-Dieter Klauser und allen anderen Beteiligten.

(Markus Bertha)

 

Dankbarkeit fĂŒr die Befreiung

Am Sonntagabend 27-02-2005 erfolgte in der Pfarrkirche St. Vith eine Wiederholung der offiziellen Feier zum Gedenken an die Ardennenoffensive vor sechzig Jahren. Diese Veranstaltung hatte bereits fĂŒr geladene GĂ€ste am 16. Dezember im St. Vither Rathaus stattgefunden. Sie stand nun auf vielfĂ€ltigen Wunsch aus der Bevölkerung hin ein weiteres Mal an.

»In zehn Jahren werden nur noch wenige Zeitzeugen leben«, erlĂ€uterte der St. Vither Schöffe Lorenz Paasch, der mit dem PrĂ€sidenten des Geschichtsvereins Zwischen Venn und Schneifel (ZVS) St.Vith, Klaus-Dieter Klauser, in einer Arbeitsgruppe die aufwendigen Schwerpunkte der Gedenkfeiern ausgearbeitet hat. »Aber das Gedenken an sie und ihre Angehörigen sowie an die GrĂŒnde fĂŒr diesen Krieg darf nicht mit ihnen sterben«, forderte der Redner.

BĂŒrgermeister Christian Krings erinnerte einleitend an den Beginn des Infernos am 16. Dezember 1944 als traurigen Höhepunkt eines vierjĂ€hrigen Naziregimes. Mit der Zerstörung der kleinen Stadt St. Vith, dem wahllosen Töten von Zivilisten, Frauen und Kindern habe das Grauen eine noch schrecklichere Dimension erreicht.

Am 25. und 26. Dezember 1944 wurde St. Vith bombardiert und quasi ausgelöscht. Die Zahl der Opfer wird auf 1500 geschÀtzt, davon haben allein zirka 300 Menschen den Tod in der Klosterkapelle gefunden.

Auslöser des Krieges

Die GrĂŒnde fĂŒr einen Krieg seien immer noch dieselben, sagte der BĂŒrgermeister, der als Auslöser die Angst vor potenziellen Feinden, den Machthunger, den Kampf um Ressourcen, die ungerechte Verteilung der GĂŒter, die UnterdrĂŒckung, die Ausbeutung und den Rassismus anfĂŒhrte.

Der Tod und die VerwĂŒstung hĂ€tten aber auch das Ende einer Diktatur bedeutet. Ein Dank galt BrĂŒssel, welches die Patenschaft fĂŒr den Wiederaufbau von St. Vith ĂŒbernommen hatte. Die Nachkommen seien in den vergangenen Jahren versöhnt worden, wie zahlreiche Partnerschaften unter Gemeinden ĂŒber die Grenzen nach Deutschland und Luxemburg zeigten, unterstrich das Gemeindeoberhaupt. Eine aktive Zusammenarbeit sichere eine friedliche Zukunft. Frieden mĂŒsse im Herzen der Menschen beginnen und die VerstĂ€ndigung sei wichtiger als das Pochen auf jedermanns Recht.

Ausstellung

Lorenz Paasch ließ anschließend die verschiedenen Etappen der Gedenkfeiern Revue passieren, betonte die Wichtigkeit der Ausstellung, die noch bis zum 8. Mai in der Pfarrkirche zu besichtigen ist und auch schon zahlreiche SchĂŒler mit ihren engagierten Lehrern angesprochen hat. »Sie haben das GlĂŒck, die Erinnerung an den Krieg nicht aus eigener Erfahrung zu kennen«, so der Schöffe, der auch nicht die Alliierten als SĂŒndenbock fĂŒr die Zerstörung und die vielen unschuldigen Toten sehen möchte, »denn es bleibt festzustellen, dass der Krieg bewusst und von langer Hand vorbereitet wurde, und zwar vom Nazi-Regime, von dem uns die Alliierten befreit haben. Wir dĂŒrfen das einfach nicht vergessen, wenn wir nicht denen, die wieder oder immer noch Nazi-Ideen huldigen, Wasser auf die MĂŒhle gießen wollen«.

US-Politik

Auch wenn Lorenz Paasch der heutigen amerikanischen Außenpolitik skeptisch gegenĂŒber steht und auch wenn er das damalige militĂ€risch notwenige Maß an Zerstörung und Tötung nicht gutheißen kann, Ă€ndert das nichts an seinen GefĂŒhlen der Dankbarkeit fĂŒr die damalige Befreiung.

Als Zeichen der Anerkennung hatte der US-Veteran Russel D. Hoff, den Lorenz Paasch rein zufĂ€llig in einem CafĂ© kennen gelernt hatte, am 16. Dezember eine Medaille der Stadt St. Vith erhalten, stellvertretend fĂŒr alle jungen Soldaten aus Übersee, die ihr Leben fĂŒr die Befreiung aufs Spiel gesetzt hatten.

Quelle : www.grenzecho.net


Foto Grenz-Echo

Der Buchautor Wolfgang Trees referierte am Donnerstag, dem 10. MĂ€rz, auf Einladung der Lupe ĂŒber das Thema »Die Euregio im Zweiten Weltkrieg«. Der historische Diavortrag beginnt um 20 Uhr im Foyer des BRF, Kehrweg 11 in Eupen.

Wolfgang Trees, Jahrgang 1942, studierte Politik, Soziologie und Psychologie. Er war 14 Jahre Redakteur bei der »Aachener Volkszeitung«. Unter seinen bisher 26 BĂŒchern hat Trees eine Reihe von regionalen Bestsellern verfasst, u.a. »Die Amis sind da!«, »Entscheidung in St.Vith«, »Schlachtfeld Rheinland«, »Hölle im HĂŒrtgenwald«, »Schlachtfeld zwischen Maas und Rhein« und »Schmuggler, Zöllner und die Kaffeepanzer«.

Der »Kölner Stadt-Anzeiger« urteilte am 31. Dezember 2004 ĂŒber Trees: »Unter allen Autoren, die das Kriegsgeschehen in der Heimat nach dem Krieg recherchiert und dokumentiert haben, ragt der Aachener Journalist Wolfgang Trees ganz besonders heraus.«

Herr Trees, ab den 70er Jahren bis zuletzt 1995, zum 50. Jahrestag des Kriegsendes, haben Sie eine ganze Reihe von KriegsbĂŒchern ĂŒber die Euregio verfasst. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

ZunĂ€chst: Das sind keine »KriegsbĂŒcher«, sondern Dokumentationen ĂŒber die jĂŒngere Heimatgeschichte. Ich bin kein Kriegsberichterstatter. Ich habe damals lediglich geschaut, was in der Heimat geschehen ist. Das war zufĂ€llig der Krieg. Und dann schrieb ich nur, wie es damals war. Das war immer mein Anspruch.

Viele Ihrer Dokumentationen haben eine hohe Auflage erreicht. Ist die schriftstellerische Aufarbeitung des Zweiten Weltkrieges finanziell lohnend?

Absolut, wenn ich die Auflagen der BĂŒcher betrachte, zum Beispiel »Die Amis sind da« (34000) oder »Hölle im HĂŒrtgenwald« (82000). Meine Frau sagt immer: »Wo viel Blut fließt, das kaufen die Leute!« Mein nach eigenem Empfinden wichtigstes Buch ĂŒber die Kriegsereignisse war »Krieg ohne Sieg«. In dem habe ich ergreifende Schicksale aus den Jahren 1935 bis 1945 geschildert.

In den Jahren 1943 und 1944 hat Aachen sehr schwere Luftangriffe erlebt. Haben die Alliierten den Dom und große Teile der prĂ€chtigen Altstadt bewusst verschont?

Ja, vor allem den Dom. DafĂŒr sorgte der Kunstschutz-Offizier der 1. US-Infanteriedivision, Captain Hancock. Jede Division hatte einen solchen Offizier. Es gibt ja eine weltweite Übereinkunft, dass man wichtige BaudenkmĂ€ler im Krieg schĂŒtzt.

Am 12. September 1944 standen die Amerikaner direkt vor der Kaiserstadt. Weshalb haben die Verteidiger Aachens nicht rechtzeitig kapituliert und so eine blutige, sinnlose Schlacht vermieden?

Weil Kampfkommandant Oberst Gerhard Wilck dem FĂŒhrerbefehl gehorchte: »Halten, bis zum letzten Mann!« Und wenn er es geschafft hĂ€tte, die Amerikaner noch lĂ€nger hinzuhalten, wĂ€re er General geworden. Wilck war Taktiklehrer. Als er den Befehl erhielt, wusste er schon und sagte es auch, dass er Aachen nicht halten könne. Auch Gerhard Graf von Schwerin hatte Recht. Er behauptete, man könne im Talkessel Aachen nicht wirksam gegen die Amerikaner verteidigen.

Manche amerikanische MilitĂ€rexperten haben den Plan fĂŒr die Ardennenoffensive spĂ€ter als genial betrachtet. Weshalb ist diese Großoffensive trotzdem bereits nach einem Monat völlig gescheitert?

Weil die Deutschen nur 600 Panzer zur VerfĂŒgung hatten. Das Scheitern der Ardennenoffensive lĂ€sst sich leicht erklĂ€ren: Die Deutschen hatten drei Panzerarmeen mit nur 600 Panzern sowie keine Flugzeuge und viel zu wenig Treibstoff. Die deutschen Panzer waren zwar grĂ¶ĂŸer und hatten stĂ€rkere Kanonen. Aber die Amerikaner hatten Munition und Treibstoff ohne Ende.

In den meisten Kriegsberichten spielt Bastogne die zentrale Rolle in der Ardennenschlacht. War die Entscheidung in St.Vith nicht doch bedeutender?

Absolut. Bastogne war aufgebauschte Propaganda. NatĂŒrlich hat man Bastogne gehalten. Aber das wurde von den Amerikanern hochgeputscht, weil sie Erfolge brauchten. St.Vith ist eigentlich die Stadt, die am meisten wĂ€hrend der Ardennenoffensive gelitten hat - mehr als Bastogne. Ich nenne ein anderes Beispiel: Am 17. September 1944 fuhren die Amerikaner in Roetgen ein, und wenig spĂ€ter brachte die »New York Times« die Schlagzeile »Die Stadt Roetgen ist erobert«. Dabei ist Roetgen ein kleines Eifeldorf. Die US-Armee brauchte unbedingt vorweisbare Erfolge in der Heimat, weil viele Eltern dieser AchtzehnjĂ€hrigen sich fragten, warum ihre Söhne im weit entfernten Europa sterben mussten.

Im Gegensatz zur belgischen Eifel ist das Eupener Land vom Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont geblieben. Haben die WeserstĂ€dter und die benachbarten Dörfer nur einfach GlĂŒck gehabt?

Ja. Denn die deutsche Offensive sollte ursprĂŒnglich den Raum Monschau/Eupen mit erfassen. Ich weiß von Monschau, dass es vom Krieg verschont wurde, weil die Amerikaner das StĂ€dtchen aus dem ReisefĂŒhrer »Baedeker« kannten. Auch die deutsche GeneralitĂ€t hat Monschau vorher, beim Planen, bewusst verschont. Man argumentierte, die Straßen seien fĂŒr Panzer zu eng.

Bei der furchtbaren Schlacht im HĂŒrtgenwald gab es 68000 Tote. Weshalb haben die Alliierten das unĂŒbersichtliche GelĂ€nde nicht umgangen?

Das fragte sich auch der amerikanische Chefhistoriker Charles B. McDonald, den ich nach dem Krieg in LĂŒttich getroffen habe, da war der frĂŒhere Hauptmann aus der Ardennenoffensive inzwischen »The chief of military history« der Regierung in Washington. Er meinte damals, seine Landsleute hĂ€tten nur im »Baedeker« nachzuschauen brauchen. Die beteiligten amerikanischen GenerĂ€le haben erst 15 Jahre nach Kriegsende zugegeben, dass sie große Fehler begangen haben. Es kostete sie sieben Divisionen!

In einigen Jahren werden die letzten aktiven Kriegsteilnehmer gestorben sein. Werden sich die nachfolgenden Generationen noch fĂŒr die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs interessieren? Werden Ihre HeimatbĂŒcher ĂŒber den Krieg in Zukunft noch gelesen?

Ich denke schon, mindestens vier davon plus das Schmuggelbuch. In England erscheinen heute noch neue BĂŒcher ĂŒber die Kriege von Napoleon. Interessant finde ich, dass Ostbelgien jetzt beginnt, den Blutzoll von damals in Tourismus umzumĂŒnzen, wie das beispielsweise in Waterloo oder Verdun schon frĂŒher geschah. Auch im HĂŒrtgenwald, in Vossenack, gibt es ein Museum. Allerdings finde ich es gar nicht in Ordnung, dass man im Bastogne-Museum neu produzierte SS-Ärmelstreifen verkauft hat. Dagegen ist das Museum im luxemburgischen Diekirch besonders vorbildlich. Es zeigt objektiv jeweils die amerikanische und die deutsche Sicht auf die Ardennenoffensive, auch in zwei BĂŒchern.

Quelle : www.grenzecho.net