Die Büllinger Kirche

Abgelegt in Schülertexte

Geschrieben am 01.10.2012

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Dieser Beitrag wurde verfasst im Rahmen des Projektes:
Jugend erforscht Geschichte „Wenn Steine reden könnten…“ – Ein Wettbewerb des Geschichtsvereines „Zwischen Venn und Schneifel“ (2003-2004)

Wir schreiben das Jahr 1617. Die Büllinger Bevölkerung steht unter Schock. Schon wieder sind fremde Truppen ins Dorf eingedrungen, um dem ohnehin armen Volk alles zu nehmen. Die Söldner haben es vor allem auf die Kirche abgesehen. Gerade erst kommen die Soldaten aus dem benachbarten Mürringen. Dort haben sie die drei Altäre der Kirche zerstört.
Männer, Frauen, Greise und Kinder laufen um ihr Leben. Ihr Ziel: die Kirche! Hier im Gotteshaus suchen sie Schutz. Hinter dem verriegelten Kirchenportal fühlen sie sich sicher. Doch dies ist ein gravierender Fehler:

 

Die Büllinger Kirchengeschichte, die schon Pfarrer Arnold Ortmanns 1904 in seinem Buch DER FRÄNKISCHE KÖNIGSHOF BÜLLINGEN beschrieb, ist sehr wechselvoll.

Die Geschichte und die Bauweise der Kirche im Laufe der Jahrhunderte

Im Laufe der Zeit veränderte sich die Büllinger Pfarrkirche stark: optisch, aber auch innerlich. Die Kirche könnte viel erzählen. Über das, was in ihr passierte, aber auch über ihre äußerlichen Veränderungen.

Erstmals wurde die Kirche im Jahre 1140 erwähnt. Man vermutet, dass sie eine Romanische Kirche gewesen ist. Ein Indiz dafür könnte ein Rundbogenfenster aus rotem Sandstein sein, das man bei Arbeiten 1897 im Mauerwerk des Turmes entdeckte. Außerdem besitzt die Kirche ein frühromanisches Taufbecken, das ebenfalls auf ein sehr hohes Alter schließen lässt. An diesem Taufstein befinden sich Menschenköpfe, die in die vier Himmelsrichtungen blicken. Sie erinnern an den großen Auftrag Christi.

Es wird sogar vermutet, dass der Turm noch älter sein könnte: War er ein römischer Wachturm an der Köln-Reims-Straße oder auch später ein Bergfried am fränkischen Königshofe? Diese Fragen sind nur schwer zu beantworten.

     

Schon viel sicherer ist, dass das alte, nach Osten gerichtete Mittelschiff in den Jahren 1513-1520 angelegt wurde. Auffallend ist die imposante, achteckige Säule, in der Mitte der Kirche, die alles zu tragen scheint. Auch sie ist aus rotem Sandstein. An der Decke sind zahlreiche kunstvolle Steinmetzarbeiten zu erkennen. Außerdem kann man in und außerhalb der Kirche noch heute einige Steinmetzzeichen erkennen. Diese wurden damals von den Handwerkerfamilien angebracht, um sich auf eine gewisse Weise zu verewigen.

Im Jahre 1830 wurde der Turmhelm durch einen Blitzschlag zerstört und später wieder ersetzt. Auf alten Bildern sieht man, dass die Turmspitze einen leichten Knick hatte. Dies hatte den einfachen Grund, dass die Büllinger aus einer Geldnot heraus gezwungen waren, den Turmbau etwas zu verkürzen, um Material zu sparen.
Die aus dem 16. Jahrhundert stammende Kirche stand, bis auf einige Veränderungen, bis zum 2.Weltkrieg.

Als im Dezember 1944 die Rundstedt – Offensive in unserer Gegend wütete, wurde die Büllinger Pfarrkirche von Phosphorgranaten schwer getroffen. Der Turm brannte wie eine riesige Fackel. Große Teile der Kirche wurden zerstört.

Nach dem zweiten Weltkrieg erhielt die Kirche ihren heutigen Baucharakter. Sie vergrößerte sich erheblich durch einen Anbau des Mittelschiffes in Richtung Norden. Das Hauptschiff drehte sich um 90°.

Die Glocken im Büllinger Kirchturm

Der Kirchturm - im Vordergrund die Statue des hl. Michael

Im Jahre 1794 haben die Franzosen die Glocken aus dem Turm geholt und 1879 wurde eine neue angeschafft, die dem heiligen Eligius geweiht war. In einem kleinen Türmchen über dem Hauptaltar hing früher das Donatusglöckchen. Später hat man es zu den anderen Glocken in den Turm gehängt. Es war sehr wertvoll und wog etwa 150 kg.

Im ersten Weltkrieg schlug für zwei Glocken die Schicksalsstunde, und sie blieben verschollen. Sie wurden mit einem Gesamtgewicht von 1620 kg auf der Abgabenliste aufgeführt. Am 15. Dezember 1923 wurde eine neue Eligiusglocke von 1318 kg und eine weitere Glocke von 586 kg angeschafft.

Vor dem zweiten Weltkrieg befanden sich demnach vier Glocken im Turm: die Eligiusglocke, die Marienglocke, die Donatusglocke und eine weitere Glocke. Im zweiten Weltkrieg mussten die Eligius- und die Marienglocke abgeliefert werden.

Als die Kirche während des 2. Weltkrieges von Granaten getroffen wurde, entstand eine solche Hitze, dass die restlichen Glocken schmolzen und zu Boden tropften.

Im Jahre 1951 schaffte man 2 neue Glocken an: die Christusglocke und die Marienglocke. Im Jahre 1967 konnten die Büllinger endlich insgesamt 4 Glocken ihr Eigen nennen. Die neuen Glocken: die Josefglocke und die Eligiusglocke.

Die Glocken sind an eine elektrische Läutanlage angeschlossen. Für den Sonntagsgottesdienst wird mit drei, bei feierlichen Anlässen mit allen vier, für die Werktagsgottesdienste und für die Toten nur mit zwei Glocken geläutet. Bei Sterbefällen wird für einen Mann dreimal, für eine Frau zweimal und für ein Kind einmal geläutet. Vor jeder Messe wird fünf Minuten eine Viertelstunde vor Beginn geläutet.

Geheimgänge

Im Mittelalter wurden Geheimgänge angelegt, die 1972 wieder entdeckt wurden. Früher soll einer dieser Gänge vom Turm aus in das nahe Schultheißen-Haus geführt haben. Er wurde mit Hammer, Spitzhacke und Meißel gebaut. Der Geheimgang wurde später zugemacht, weil er baufällig war. Wo früher das Schultheißen – Haus war, befinden sich jetzt die Häuser von Lejeune Reinhold, Wengenroth Marlene und Siquet Günther. In dem Kellergewölbe Wengenroth Marlene kann man noch an einer Mauerseite mehrere zugemauerte Geheimgangeingänge erkennen. Aber keiner weiß nach den Jahrhunderten, wo diese Gänge genau endeten.

Der Schutzpatron der Büllinger Pfarre

Die Statue des hl. Eligius, Schutzpatron der Büllinger Kirche

Im Jahre 1772 wurden die Schutzpatrone geändert. Früher waren es Petrus und Paulus. Heute ist der Hauptpatron der Büllinger Kirche der Hl. Eligius.

Dieser wurde um das Jahr 588 zu Cadellac in Frankreich geboren. Mit 12 Jahren wurde er von seinen Eltern nach Limoges gebracht, um bei dem berühmten Goldschmied und Münzmeister Abbo in die Lehre zu gehen. Er war sehr lernbegierig und machte schnell Fortschritte. Er war sehr gottesfürchtig. Er fehlte in keiner Andacht, las viel in der Bibel und dachte über das Gelesene viel nach. Deshalb wurde er auch der „weltliche Mönch“ genannt.
Auf einer Geschäftsreise nach Paris lernte er viele Menschen kennen und bekam durch sie den Auftrag von Clotar I., ihm einen goldenen, mit Edelsteinen besetzten Thron anzufertigen. Man gab ihm aus der Schatzkammer soviel des kostbaren Materials, das am Ende zu viel Gold übrig war. Doch unterschlug Eligius nicht das Gold, sondern fertigte einen weiteren wunderbaren Thron an. Der König bewunderte sein Können und seine Redlichkeit und ernannte ihn zu seinem Münzmeister.
Doch wurde er nicht hochmütig, nein, er blieb weiterhin fromm, half nun noch mehr den Armen und Hilfesuchenden.
Nach dem Tod Clotar I. bekam er noch mehr Geld von dem Sohn des toten Fürsten, doch wurde er nicht reicher. Er gründete Klöster und Abteien. Später wurde er sogar Bischof. Er starb am 1. Dezember 658. Noch heute gedenken wir seiner an diesem Datum.

Die Schätze der Büllinger Kirche

Statue
Die Antonius-Statue an der Büllinger Pfarrkirche soll aus dem vor Honsfeld liegenden Kloster Göttgerath (angeblich gebaut für Pilger auf ihrer Durchreise) stammen. Außerdem stehen draußen alte Kreuze, die noch vom alten Kirchhof stammen.

Kelche
Die Büllinger Kirche besitzt mehrere Kelche. Wenn ein Pastor stirbt, überlässt er die Kelche seinem Nachfolger. Ein Kelch stiftete die Adelsfamilie Henn. Die 2 ältesten Kelche stammen aus dem 16. und 17. Jh..

Reliquien
Die Büllinger Kirche hat mehrere Reliquien. Eine von Eligius, eine im Marienaltar, eine im Hochaltar, einen Knochen von einer unbekannten Jungfrau und eine von Modestus, dem heiligen Bischof von Trier.

Dornenkrone
1900 hat Pfarrer Ortmanns eine nachgebildete Dornenkrone aus Palästina mitgebracht. In Rom hat er sie segnen lassen und mit nach Büllingen gebracht.

Taufbecken
Im Taufbecken wird jeder christliche Mensch getauft. Aus dem 10. Jahrhundert stammt wohl der größte frühromanische Taufstein, der heute wieder in Gebrauch ist und wegen seines Alters in Ehre gehalten wird.

Die Veränderung früher – heute

Zur jüngeren Geschichte wurden hiesige Einwohner befragt. Aus den Interviews mit den Personen Erna Rauw, Marga Mertes und dem Herrn Dechant Herbert Vilz, entnahmen wir folgende Informationen :

Sakramente
Früher betrachtete man die Sakramente ehrfürchtiger als heute. Bevor man z.B. zur Kommunion ging, durfte man nichts essen und trinken.
Früher mussten die Kinder religiöse Texte auswendig lernen. Heute ist es ganz anders: Man arbeitet viel mit Legematerial.
Früher nahm man die Beichte ganz genau. Wenn man nichts zu beichten hatte, musste man etwas erfinden, um den Beichtstuhl wieder verlassen zu dürfen.
Heute wird den Sakramenten (Kommunion, Firmung) nicht mehr so viel Bedeutung zugesprochen.

Der Pastor
Man begegnete dem Pastor mit Ehrfurcht und Angst. Man machte einen großen Bogen um ihn herum. Heute begegnet man dem Pastor wie jedem normalen Menschen, die Ehrfurcht ist nicht mehr so groß.

Dechant H. Vilz † umringt mit den interessierten Schülern das frühromanische Taufbecken.

Früher waren die Pastore immer Respektspersonen. In jedem Dorf gab es einen Pastor. Heute sind es aber so wenige geworden, dass manche Pastore mehrere Pfarren betreuen.

Die Messe
Früher wurde die Messe nur auf Latein gelesen, man verstand kein Wort. Aber man war gewohnt alles mitzubeten. Lediglich die Predigt war in deutscher Sprache. Viele Kinder waren zu ängstlich sich zu bewegen: Bei der Christenlehre wurden die Kinder vor den ganzen Leuten während der Messe befragt, und wenn man keine Antwort wusste, war man blamiert.
Heute dreht der Pastor sich zu den Leuten, alles wird in deutsch gesprochen. Heute besuchen nicht mehr alle Leute die hl. Messe. Nur zu den Feiertagen kommen mehr Leute zur Kirche.
Die Messe heute ist schöner, besonders wenn Jugendmessen sind. Früher war „kein Leben“ in der Messe, während des ganzen Gottesdienstes kniete man. Es ist viel leichter, wenn jeder versteht was gesprochen wird. Es macht viel mehr Spaß dem Pastor zuzuhören.

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Beitrag der Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Grundschulklasse  der Gemeindeschule Büllingen (2003-2004)

Folgende Schüler beteiligten sich an der Projektarbeit:

5. Schuljahr:
Zargan Adamova, Timo Daniel, Julia Den Tandt, Andy Genten, Laura Greimers, Milena Heindrichs, Sébastien Lambertz, Katrin Mackels, Dirk Masson, Sarah Mertes, William Sauer, Xavier Schneider, Sidonia Wahl – Lehrperson: Patrick Lorreng

6. Schuljahr:
Lothar Barts, Tamara Barts, Anne Bongartz, José Bouillon, Jerome Fickers, Marco Genten, Laurence Held, David Kleines, Elena Klinges, Fabrice Lejeune, Viviane Mackels, Alexander Nelles, Johannes Pfeiffer, Melanie Reuter, Nicole Schneider, Cedric Steffens – Lehrperson: André Frauenkron

Veröffentlicht in  Monatszeitschrift “Zwischen Venn und Schneifel” Juli 2004, Seite 128

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