ZVS- Wanderung in Heppenbach und Halenfeld

Abgelegt in Allgemein

Geschrieben am 01.10.2011

Kunst im Wald

Nach etwa 500 Jahren römischer Herrschaft siedelten sich ab 450 n.Chr. vermehrt fränkisch-germanische Bevölkerungsgruppen in unserer Gegend an und vermischten sich mit bzw. verdrängten die ansässige Bevölkerung. Diese Neubesiedlung hat in mehreren Phasen stattgefunden und die Sprachforscher glauben diese Siedlungswellen anhand der Ortsnamen belegen zu können. Demnach wären die Orte mit den Endsilben -feld, -bach, -born, -dorf, -hausen, usw. zwischen 600 und 800 n.Chr. entstanden. Heppenbach und Halenfeld könnten somit auf eine ca. 1300jährige Geschichte zurückblicken, denn die urkundliche Ersterwähnung Heppenbachs im 15. Jahrhundert lässt keine Rückschlüsse auf die Ortsgründung und vorherige Geschichte zu. Die Siedlungsgründung dürfte vom alten Kern Amel ausgegangen sein, der wohl schon zu keltischer Zeit besiedelt war (amblava) und auch in römischer Zeit Zentrum des späteren fränkischen Hofgebietes war. Die neuen Siedler dürften sich somit am Nordrand des Ommerscheider Waldes, an einem wettergeschützten Südosthang unweit der alten „Heerstraße“ niedergelassen; noch heute sind die Ausbuchtungen des Siedlungslandes im Waldgebiet feststellbar. Einige Jahrzehnte früher (um 650 n.Chr.) wurde auf Geheiß des Merowingerkönigs Sigibert III. die Abtei Malmedy gegründet. Er wies ihr ein Gebiet zu, das sich nach allen Seiten um 12 römische Meilen (= ca. 15 km) ausdehnte. Demnach wäre das Gebiet von Heppenbach und Halenfeld Teil des ursprünglichen Abteigebiets gewesen. Ob dies einen Einfluss auf den Siedlungsgang hatte ? Mangels eindeutiger Quellen können wir hier nur Vermutungen anstellen. Tatsache ist jedenfalls, dass das Abteigebiet um das Jahr 670 erheblich reduziert wurde, so dass der Hof von Amel außerhalb desselben lag. Tatsache ist auch, das die Abtei Malmedy noch zu Beginn des 16. Jh. Zehntrechte in Heppenbach hatte.

Eine Kirche wird in Heppenbach erstmals i.J. 1431 erwähnt; diese ist vermutlich einige Jahrzehnte früher erbaut worden, denn eine Glocke trug die Jahreszahl 1401; diese Glocke hängt heute übrigens noch im Turm und ist wohl die älteste der ganzen Gegend. Einem Jahresstein am Turmeingang zufolge wurde das Langhaus zweihundert Jahre später (1631) neu erbaut. Aus alten Aufnahmen ist ersichtlich, dass die alte Kirche mehrfach um- oder ausgebaut wurde. Unter Pfarrer Lampertz wurde das im gotischen Stil erbaute Gebäude 1924 abgerissen, um dem heutigen Gotteshaus Platz zu machen, das 1926 eingeweiht wurde. Die Kirche ist seit jeher dem hl. Ägidius geweiht, dessen Fest am 1. September begangen wird. In der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts soll Ägidius, ein vornehmer Athener, in die heutige Camargue gekommen sein, wo er zunächst als Einsiedler lebte; der Legende zufolge nährte ihn eine Hirschkuh mit ihrer Milch. Ägidius wurde bei einer Jagd vom Pfeil des Westgotenkönigs Wamba getroffen als dieser versuchte, das Tier zu erlegen. Um seine Schuld zu tilgen, gestattete der Monarch dem Verletzten, nach seiner Genesung ein Kloster zu gründen. Um 680 gründete Ägidius die Benediktinerabtei St. Gilles, der er bis zu seinem Tod als Abt vorstand. Ägidius zählt zu den 14 Nothelfern.

Wengleich heute in Heppenbach einige Unternehmen (z.B. Baufach, Holzsektor, Reisebusse) angesiedelt sind, so war die Landwirtschaft in vergangenen Zeiten die Haupterwerbsquelle der Bevölkerung. Im Laufe der Jahrzehnte hat es immer wieder Initiativen gegeben, die landwirtschaftliche Arbeit zu erleichtern und rentabeler zu gestalten. Sogar einen großen Viehmarkt hat es nachweislich seit dem 16. Jh. auf Mirfelder Busch gegeben. Am Montag nach dem Ägidiustag wurden hier bis zu 1500 Stück Vieh zusammengetrieben. Andere Initiativen, wie die Gründung einer Molkereigenossenschaft oder eines Stierhaltungsvereins konnten letztlich den Rückgang der Landwirtschaft nicht aufhalten. Während 1970 noch ein Bestand von über 2.200 Stück Gesamtvieh verzeichnet wurde, fiel diese Zahl i.J. 2000 auf knapp 1.800.

Das Quellgebiet der Amel liegt etwa 600 m über dem Meeresspiegel und umfasst etwa 16 km². Mehrere Quellbäche vereinigen sich unterhalb von Halenfeld am Weg nach Valender (490 m üNN) und bilden ab hier die Amel: der von Hepscheid kommende Heckbach, der in Heppenbach „Hepscheider Bach“ heißt und hier streckenweise die Ortsgrenze zwischen Halenfeld und Heppenbach bildet, der in der Flur Robichsknopp entspringende Tobesch, die beiden unterhalb der Bracht entspringenden Bäche Nesselborn und Auelsborn sowie der von Wereth kommende Hellbach. Auf ihrer gut 80 km langen Reise bis Rivage (110 m üNN) entwässert sie ein Gebiet von ca. 750 km². Unterwegs nimmt sie neben vielen kleinen Bächen die Warche (Bellevaux), die Salm (in Trois-Ponts) und die Lienne (in Targnon) auf. Ab Ligneuville heißt der Fluss Amblève. Markante Stellen sind die Wasserfälle von Coo, das Ameltal bei Stoumont und der Fond de Quarreux.

Der im Jahre 2004 angelegte, 2,5 km lange Waldlehrpfad im Heppenbacher Wald ist zugleich ein Erlebnispfad, der den Besucher mit originellen Kunstwerken konfrontiert, die, aus natürlichen Materialien geschaffen, unvermittelt am Weg auftauchen und Staunen, Bewunderung und Neugierde hervorrufen. Bogengänge mitten im Wald, ein überdimensionaler Käfer hoch oben an einer Buche, Gebilde aus Farbe und Ästen usw. laden ein, sich mit der Thematik des Gleichgewichts der Natur und des Lebens sowie der Verletzlichkeit und Vergänglichkeit dieses Kreislaufes auseinanderzusetzen. Neben den Kunstwerken finden sich auch anschaulich und kreativ gestaltete Objekte, die das Ökosystem Wald erlebnisnah vermitteln: Wie weit springt ein Hase ? Wie merkt das Eichhörchen, dass ein Marder am Baum ist ? Wie filtert der Boden das Wasser ? Der Besucher findet die Antworten auf diese (und viele andere) Fragen durch ausprobieren vor Ort.

(K.D. KLAUSER, nach Beiträgen der ZVS-Monatshefte und anderer Quellen)

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