Wanderung von Weywertz nach Champagne und Gueuzaine

Abgelegt in Geschichtliche Themen

Geschrieben am 01.10.2011

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Von drei Weibern, einer Dorflinde, der Abteigrenze und kleinen Enklave

Die Ortschaft Weywertz erscheint urkundlich erstmals im Jahre 1461, als ein Johann von den Raven (= Rue bei Weismes) vom Nassauer Grafen mit zwei Höfen in „Wiuertz“ belehnt wird.Foto K-D Klauser Dass die Gegend um Weywertz auch schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war, deutet  der bekannte Altertumsforscher unserer Gegend, Kreisschulinspektor Dr. Quirin Esser, 1882 an, denn auf dem Weywertzer Burghügel (siehe Karte) hat er Spuren einer Befestigungsanlage entdeckt. Der Ortsname könnte laut Volksmund andeuten, dass die Siedlung auf eine „Weibergründung“ (Wiewer), vielleicht gar auf eine Nonnengründung also, zurückgehen könnte. Bislang haben sich dafür allerdings noch keine urkundlichen Beweise finden lassen, wenngleich Bernhard Willems, der bekannte Geschichtsforscher des Landes ZVS, dieses „Dreiweiberhaus“, wie er es bezeichnet, in der Nähe des ehemaligen Bahngeländes ausmacht, denn dort habe „das älteste Haus von ganz Weywertz gestanden“. Es sei das Haus zu den drei Jungfrauen oder drei Weibern gewesen. Einer alten Überlieferung nach habe die Ortschaft Weywertz seinen Namen von diesen Weibern (Weibertz, Weywertz).  Dieses Dreiweiberhaus habe an dem uralten Weg von Stavelot-Malmedy nach Deutschland gelegen, dem bekannten Lederweg, (Voie des Tahots).

Abgesehen vom Kirchenbau ging das Leben in Weywertz offenbar seinen ruhigen Gang, wenn man dies angesichts der wenigen historischen Quellen behaupten kann. Diese Beschaulichkeit änderte sich ab den 1880er Jahren, denn der Bau der Vennbahn und später der Bau der Bahn von Malmedy nach Jünkerath, die die Vennbahn in Weywertz kreuzte, sorgte für jede Menge Bewegung zwischen Sankersborn und Brückberg. Die Weywertzer Pfarrkirche ist dem hl. Michael geweiht. Dieses Gotteshaus, mit Ausnahme des Glockenturmes wurde in den Jahren 1958-1959 errichtet und am 27. September 1959 vom Lütticher Diözesanbischof Wilhelm Maria van Zuylen geweiht. Es ist das dritte Gotteshaus an dieser Stelle im Schatten einer mehr als 300 Jahre alten Dorflinde. Es wird allgemein angenommen, dass diese Dorflinde, die heute noch den weiten Kirchplatz schmückt, im Baujahr der ersten Kapelle 1668 gepflanzt wurde.

Genau wie die Orte im Arloner Gebiet (Arler Land) zwei Bezeichnungen kennen (dt. – frz.), so ist es auch mit den Orten entlang der Sprachengrenze in unserem Gebiet. Champagne, vom lat. campania, campaniatum (Feld), kennt die deutsche Bezeichnung Gringertz; was von „Gringertzhusen“ bzw. „Grimanshausen“ abgeleitet wurde und darauf hindeutet, das der Ort ursprünglich wohl von fränkischen Siedlern gegründet wurde und erst später zum Gebiet der Fürstabtei (gegr. um 650) kam. Auch die Nachbarorte Robertville und Outrewarche kennen deutsche Bezeichnungen: „Zur Bievel“ und „Spinne“

Als die Reliquien des hl. Quirinus i.J. 876 von Nordfrankreich nach Malmedy überführt wurden, machte der Pilgerzug hier Halt um dann weiter über Walk und Chôdes nach Malemdy zu ziehen. Dieser Weg heißt heute noch „Voie de St-Quirin“. Die Kapelle stammt aus dem Jahre 1722; die Brücke über die Warche im Zuge des Weges nach Outrewarche wurde 1714 erbaut. Im Jahre 1958 wurde die Kapelle vergrößert und modernisiert.

Auch der Nachbarort Gueuzaine kennt eine germanische Bezeichnung: „Zur Heiden“ und deutet damit wohl die Vegetation an, die die ersten Siedler hier antrafen. Von der lateinischen Bezeichnung „brugaria jusana“ (= Heide am äußersten Rande) ist nur die Bezeichnung „jusania“ > Gueuzaine übrig geblieben. Die Bezeichnung „am Rande“ verdeutlicht die o.e. Grenzlage und der Nachbarort Bruyères kennt die deutsche Bezeichnung „Außerheiden“ (oder „Allebrayer“ in wallonisch) und deutet damit ebenfalls an, dass das Gebiet hier vor der definitiven Festlegung der Abteigrenzen nicht zu einem und demselben Herrschaftsbereich gehörte. Kleine luxemburgische Enklaven zeugten noch im Mitetlalter von sich überschneidenden Besitzungen entlang dieser Grenze. Übrigens: nach der Annexion des Kreises Malmedy ans Deutsche Reich am 18.5.1940 arbeiteten deutsche Verwaltungsstellen Vorschläge für deutsche Ortsnamen aus, die die bis dahin wallonischen ersetzen sollten und oft keinen Bezug zum wallonischen Namen hatten. Gueuzaine sollte in „Kleinfriedingen“, Champagne in „Feldheim“ umgetauft werden.

Der Höhenweg, der von Stavelot-Malmedy nach Osten führte und bei den wallonischen Nachbarn als „Voie des Tahots“ bekannt ist, ist eine uralte Verbindung, die wohl schon von Kelten und Römern genutzt wurde und die in späteren Jahrhunderten als „Lederweg“ oder „grand chemin de Francfort“ bekannt wurde. Er führte von Malmedy nach Chôdes, über Gdoumont, Bruyères und an der Kapelle von Gueuzaine unweit von Belair vorbei überschritt die heutige, damals noch nicht bestehende Landstraße Bütgenbach – Weismes -Malmedy, ließ den Sankersborn (Quelle des Mallezbaches) rechts liegen, überquerte am sog. „Bäumchen“ die heutige Faymonviller Straße. Weiter verlief sie über den heutigen Bahnhofsschacht, stieß dann auf die alte Malmedyer Straße und zog dann weiter auf die Bütgenbacher Hütte und die Morsheck zu.

(K.D. KLAUSER, nach Beiträgen der ZVS-Monatshefte und anderer Quellen)

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